Versorgung Trinkwasser

„Denkbar schlechter Start“ - zum Jahresanfang gab es zu wenig Niederschlag

Bei Eggenthal mähte am Wochenende ein Landwirt Gras – meist ein Zeichen dafür, dass es bald regnet. Und das ist für den Grundwasserpegel gut.

Bei Eggenthal mähte am Wochenende ein Landwirt Gras – meist ein Zeichen dafür, dass es bald regnet. Und das ist für den Grundwasserpegel gut.

Bild: Harald Langer

Bei Eggenthal mähte am Wochenende ein Landwirt Gras – meist ein Zeichen dafür, dass es bald regnet. Und das ist für den Grundwasserpegel gut.

Bild: Harald Langer

Die Trinkwasserspeicher in Kaufbeuren und im Ostallgäu sind noch nicht wieder gefüllt. Nun droht auch noch ein trockener Sommer.
17.05.2022 | Stand: 09:16 Uhr

Der April macht, was er will, so heißt es in einem Sprichwort. Und auch heuer hielt der Monat von Schnee bis wärmenden Sonnenschein alles parat. Doch beim Grundwasser war das nicht genug: „Im März hat es bei uns überhaupt nicht geregnet und nur Anfang April hatten wir ein paar Regentage“, erklärt Karl Schindele, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten. Die Folgen seien klar: „Jede Verschwendung von Trinkwasser sollte vermieden werden“, erklärt Schindele – und betont: „Wir können nur auf ausgiebigen Mairegen hoffen, sonst haben wir einen denkbar schlechten Start in den Sommer.“

Die Frühjahrsanreicherung fiel aus

Nach dem Dürresommer 2018 und den Wetterkapriolen schienen die Wasserspeicher auf einem guten Weg. Dafür sollte auch das hydrologische Winterhalbjahr von November bis April sorgen, denn in der feuchten Jahreszeit erholen sich meist die Grundwasserstände. Doch 2021 herrschte im Herbst eine Trockenperiode und danach fiel auch zu wenig Regen. Während die Situation inzwischen in Nordbayern dennoch passabel ist, sieht es im Süden anders aus: „Die Grundwasseranreicherung, die normalerweise im zeitigen Frühjahr stattfindet, ist dieses Jahr fast gänzlich ausgefallen. Die Grundwasserstände sind bei uns durchweg in einem niedrigen bis sehr niedrigen Bereich“, berichtet Schindele. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber stellte das kürzlich in einen größeren Kontext: „Der deutlich zu trockene Winter zeigt, welche Herausforderungen der fortschreitende Klimawandel auch in Bayern bringt: Wasser wird immer kostbarer.“

Verschwendung durch Produktion

Der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren, rief deshalb nicht nur zum Weltwasserspartag dazu auf, Wasser zu sparen. „Wir müssen Wasser als unser wichtigstes Gut sehen und sparsam damit umgehen“, sagte Geschäftsstellenleiterin Christine Räder. Sie verwies auch auf den Verbrauch durch die Herstellung von Lebensmitteln und Konsumgütern: Um eine Getränkedose herzustellen, bedarf es demnach rund 25 Liter Wasser – besser seien Pfandflaschen. Zudem sei die herkömmliche Produktion von Obst, Gemüse, aber auch Fleisch ebenfalls sehr wasserintensiv. Räder empfiehlt deshalb: „Wer den sparsamen Umgang mit Wasser in der Landwirtschaft fördern will, sollte möglichst Lebensmittel aus regionaler und ökologischer Produktion kaufen.“ Auch in den Haushalten könne viel Wasser eingespart werden: Duschen statt Baden, Start-Stopp-Taste an der Toilette, Regentonne zur Gartenbewässerung. „Unser Regenwasser wird immer noch viel zu wenig genutzt“, betont Räder.

Lage in Kaufbeuren gut

Und Peter Igel, Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung der Stadt Kaufbeuren, rät: „Der Tipp ist, Trinkwasser aus der Leitung trinken. Trinkwasser ist unschlagbar gesund, bezahlbar, nachhaltig, regional und kommunal.“ Damit werden Energie gespart und Ressourcen geschont. Und nebenbei gebe es auch immer genügend Durchfluss in den Wasserrohren, sodass sich keine Keime bilden können. In Kaufbeuren sei die Lage beim Grundwasser auch noch relativ gut: „Wir können bei uns einen sinkenden Trend des Grundwasserspiegels nicht beobachten. Im März lagen die Pegelstände beispielsweise über den Werten des Vorjahres“, berichtet Igel.

Regionale Faktoren wichtig

Das liege auch an den regionalen Eigenheiten: „Das Grundwasserdargebot und damit auch der Grundwasserspiegel hängt in erster Linie von Witterungsverhältnissen und von geologischen Faktoren ab – beispielsweise Mächtigkeit des Grundwasserleiters, Durchlässigkeit der Bodenschichten, Fließrichtung, Gefälle“, erklärt Igel. Und diese Rahmenbedingungen seien für das Kaufbeurer Wasserwerk positiv. Deshalb sei es wichtig, betont Igel, diese „Grundwasserressourcen zu schützen und eine sichere Wasserversorgung zu sichern“: Schutzgebiete, Versorgungsstruktur mit mehreren unabhängigen Gewinnungsanlagen und permanente Überwachung der Grundwasserspiegel über den Brunnen. Und natürlich könne jeder Einzelne „durch einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Trinkwasser einem positiven Beitrag“ dazu leisten.

Karl Schindele kann Peter Igel einerseits bestätigen: „Von den Gemeinden und Zweckverbänden haben wir bisher keine Probleme für die Trinkwasserversorgung gemeldet bekommen.“ Aber andererseits stellt Schindele klar: „Falls das Frühjahr und der Sommer weiter so trocken bleiben, sind wir um jeden Tropfen dankbar, den wir dann zur Verfügung haben.“