Fossil aus Pforzen

Der größte Saurier aus der Hammerschmiede: Die Panzerschleiche

Die Panzerschleiche, auch Scheltopusik genannt, ist ein Charaktertier der Küstengebiete des Balkans.

Die Panzerschleiche, auch Scheltopusik genannt, ist ein Charaktertier der Küstengebiete des Balkans.

Bild: bennytrapp - stock.adobe.com

Die Panzerschleiche, auch Scheltopusik genannt, ist ein Charaktertier der Küstengebiete des Balkans.

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Sie ähnelt zwar einer Schlange, ist aber nicht mit ihr verwandt. Im Allgäu sind Wissenschaftler auf die Überreste einer fossilen Panzerschleiche gestoßen.
01.05.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Menschenaffe Udo ist sicherlich der bekannteste Fund aus der Hammerschmiede, einer Tongrube am Ortsrand von Pforzen. Doch bei weitem nicht der Einzige – im Gegenteil. Über 15.000 Fossilien wurden dort bereits geborgen, darunter allein Relikte von 134 verschiedenen Wirbeltierarten. Jeden Monat stellt die Paläontologin Madelaine Böhme, Udos Entdeckerin, in der AZ-Serie „Fossil des Monats“ einen der spannendsten Funde vor. Heute widmet sie sich einem gepanzerten Saurier:

„Die Panzerschleiche Pseudopus pannonicus ist mit bis zu zwei Metern Länge der größte Saurier der Hammerschmiede. Der lateinische Name Sauria bezeichnet die Echsen, zu denen alle Schleichen gehören – also auch die Blindschleiche und ihr großer „Bruder“, die Panzerschleiche.

Was Schlangen und Schleichen unterscheidet

Schleichen unterscheiden sich von anderen Echsen durch die nahezu vollständige Reduktion von Extremitäten. Sie ähneln darin Schlangen, mit denen sie jedoch keineswegs verwandt sind. Denn Schlangen besitzen keinen knöchernen Panzer.

Die etwas kleinere, etwa einen Meter große, lebende Panzerschleiche Pseudopus apodus, auch Scheltopusik genannt, ist ein Charaktertier der Küstengebiete des Balkans und sie ist ostwärts bis in das nördliche Afghanistan beheimatet. Sie besiedelt, wie andere Echsen auch, sonnenexponierte Hänge und ernährt sich von allerlei Insekten, daneben aber auch von Schnecken und kleineren Echsen.

Gebisse verraten viel über die Ernährung

Die große fossile Panzerschleiche, von der aus der Hammerschmiede die ältesten Belege vorliegen, hatte hingegen eine etwas andere Ernährung. Dies sieht man gut beim Vergleich des Gebisses beider Arten. Die spitzen und kegelförmigen Zähne der heutigen Art sind ideal zum Ergreifen von Insekten und Durchlöchern von chitinigen Panzerungen.

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Währenddessen deuten die massiven und im hinteren Kieferbereich abgerundeten Zähne des Fossils darauf hin, dass sich Pseudopus pannonicus vor allem von hartschaligen Schnecken ernährt hat, zuweilen aber auch kleinere Wirbeltiere fraß, wie zum Beispiel Hamster und Spitzmäuse.

Ein Panzer aus über 1000 Knochenschuppen

In der Hammerschmiede finden wir ihre Reste gar nicht selten, was vor allem an den zahlreichen Knochenschuppen liegt. Der Panzer eines ausgewachsenen Pseudopus pannonicus bestand wahrscheinlich aus über 1000 dieser einen halben Zentimeter großen Plättchen.“

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