Gericht

Drogenrückfall: Vorbildlicher Angeklagter bereut Kokainkonsum

Kokain beschäftigte den Angeklagten schon länger. Im Januar dieses Jahres wurde er rückfällig.

Kokain beschäftigte den Angeklagten schon länger. Im Januar dieses Jahres wurde er rückfällig.

Bild: (Archiv) Christian Charisius/dpa

Kokain beschäftigte den Angeklagten schon länger. Im Januar dieses Jahres wurde er rückfällig.

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Ein 34-jähriger Kaufbeurer konsumiert trotz Weisungen der Führungsaufsicht Rauschmittel. Laut Vorsitzendem Richter geht er mit seinem Fehler aber musterhaft um.
19.09.2021 | Stand: 08:48 Uhr

Schon zuvor waren es die Drogen, die den Kaufbeurer Angeklagten wiederholt vor Gericht brachten. Er war vor vier Jahren wegen des Besitzes und Handels von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden und musste in eine Entziehungsanstalt. Die Maßregel wurde im November 2019 zur Bewährung ausgesetzt. Im Januar dieses Jahres konsumierte er auf einer Geburtstagsparty erneut Kokain und verstieß damit gegen seine Bewährungsauflagen. Dafür musste sich der Kaufbeurer nun in der Wertachstadt vor Gericht verantworten.

"Ich dachte, ich bin schon stabil genug"

Doch der Angeklagte zeigte sich einsichtig und reuig: „Ich wusste natürlich, dass es gegen meine Weisung verstößt, habe es aber in dem Moment nicht geschafft, mich der Situation zu entziehen. Ich dachte, ich bin schon stabil genug, aber dem war nicht so.“ Der Vorfall hätte ihn wachgerüttelt und er sei seither mit der Aufarbeitung aller Umstände beschäftigt.

Dabei unterstützt hätten ihn auch die forensische Nachsorge. Die Bewährungshelferin beschrieb ihn als „zuverlässig, offen und kooperativ“, und bestätigte dem Gericht, dass er alles daran gesetzt habe, sein Leben neu zu strukturieren. Er mache eine Umschulung, habe inzwischen „eine schöne Wohnung“ und eine anhaltende Beziehung.

Der Angeklagte kämpft mit den Tränen

Der Angeklagte gab zu, mit der Abstinenz zu ringen, aber sowohl seine Eltern, als auch seine Lebensgefährtin unterstützten ihn darin. Gerade wenn er über seine Freundin sprach, kämpfte der nebenberufliche Türsteher immer wieder mit den Tränen und drückte sein schlechtes Gewissen ihr gegenüber aus. Das hätte er auch gegenüber seiner Bewährungshelferin gehabt und ihr den Konsum ohne Umschweife mitgeteilt. Die betonte ihre Ansicht, dass sich der Angeklagte „während der weiteren Zusammenarbeit stabilisieren kann“.

Die Staatsanwältin fand in ihrem Abschlussplädoyer „sehr, sehr viele Punkte“, die „für den Angeklagten sprechen“. Neben seinem Umgang mit der Tat rechnete sie ihm zugute, dass der verhandelte Vorfall bereits acht Monate und die letzte Verurteilung vier Jahre zurückliege. Da die Vorstrafen berücksichtigt werden müssen, forderte sie eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die aufgrund seiner gefestigten sozialen Umstände zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Aussetzung auf Bewährung so klar wie noch nie

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Die Verteidigerin warf die Möglichkeit einer isolierten Tatbetrachtung ein und forderte 80 Tagessätze zu je 60 Euro, oder im Falle einer Freiheitsstrafe vier Monate auf Bewährung. Der Richter schloss sich der Staatsanwältin an. Die Aussetzung zur Bewährung sei für ihn „bisher so klar wie in keinem Fall“, da der Angeklagte das Verhalten gezeigt hätte, „das wir uns von angeklagten Menschen wie Ihnen wünschen“. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, die bisherigen Weisungen sind fortzuführen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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