Die Freude in Kaufbeuren hielt nicht lang

Gastronomie in Kaufbeuren auf Achterbahnfahrt

Endlich mal wieder ein paar Gäste bedienen durften Alexios Ziongos und Zoe Voulgari vom Restaurant Kalimera in der Kaufbeurer Altstadt am Wochenende.

Endlich mal wieder ein paar Gäste bedienen durften Alexios Ziongos und Zoe Voulgari vom Restaurant Kalimera in der Kaufbeurer Altstadt am Wochenende.

Bild: Mathias Wild

Endlich mal wieder ein paar Gäste bedienen durften Alexios Ziongos und Zoe Voulgari vom Restaurant Kalimera in der Kaufbeurer Altstadt am Wochenende.

Bild: Mathias Wild

Die Corona-Inzidenzen sind wieder über 100 gestiegen. Wie die Kaufbeurer Wirte damit umgehen, dass sie nach nur drei Tagen schon wieder schließen müssen.
26.05.2021 | Stand: 17:45 Uhr

Groß war die Freude bei Wirten und Gästen, als die Corona-Inzidenzen in Kaufbeuren vergangene Woche für fünf Tage konstant unter 100 gelegen haben. Pünktlich zum langen Pfingstwochenende versprachen die sinkenden Werte die ersten vorsichtigen Öffnungsschritte für die Gastronomie. Rund sieben Monate mussten Restaurants und Biergärten, Straßencafés und Hotels pandemiebedingt weitestgehend geschlossen bleiben.

Freude hielt nur kurz

Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Drei Tage durften die Wirte ihre Außengastronomie aufsperren. Bereits am Montag mussten sie wieder dicht machen. Die Inzidenz schnellte in die Höhe und lag drei Tage infolge über der Marke von 100. Damit traten die alten Beschränkungen wieder in Kraft.

Trotzdem freut sich Stefan Löhn darüber, dass er endlich mal wieder Gäste empfangen durfte. Am Freitag hätten zwar noch viele Leute, die eigentlich kommen wollten, wegen des schlechten Wetters wieder abgesagt, berichtet der Chef des Vino in der Kaiser Max Straße.

"Tolle Stimmung, jeder war happy"

Aber am Samstag waren die Tische im Freien voll. „Es war eine tolle Stimmung, jeder war happy, die Sonne hat geschienen“, schwärmt Löhn. Er hat die Freude und Dankbarkeit seiner Besucher spüren können. „Ich fand es wichtig, aufzumachen und ein Signal zu setzen. Wir sind den Gästen was schuldig“, findet Löhn. Das kurze Intermezzo habe sich für ihn aus unternehmerischer Sicht zwar nicht gelohnt. „Aber es war toll zu sehen, wie froh die Leute sind, da zu sein.“

Kritik äußert er an den unübersichtlichen Regeln. Wer braucht wann einen Test, wer darf an einen Tisch, wann ist offen, wann ist geschlossen? Für seine Gäste sei es nicht leicht, den Überblick zu bewahren, „Man kommt einfach nicht mehr mit“. Trotzdem blickt Löhn voller Optimismus in die Zukunft. „Der Sommer wird gigantisch“, ist er sich sicher.

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Nur am Sonntag hatten Zoe Voulgari und Alexios Zionges, die Betreiber des griechischen Restaurants Kalimera in der Ludwigstraße, geöffnet. Am Nachmittag füllten sich die wenigen Tische vor dem Lokal schnell mit Gästen, die spontan vorbei gekommen sind. Zwei Jungs, die aus unterschiedlichen Haushalten waren, haben sie zum Testen ins nahe gelegene Testzentrum im Club Roundhouse geschickt. Das habe reibungslos geklappt. Alle anderen seien aus einem Haushalt gewesen und benötigten daher keinen Test. „Die Menschen möchten wieder kommen und genießen“, ist sich Voulgari sicher. Für sie selbst war es ein Lichtblick, endlich wieder mit Gästen zu sprechen und sie zu bedienen.

Personalplanung macht Schwierigkeiten

Die größte Schwierigkeit bei den derzeit chaotischen Regelungen um Auf und Zu sei die Personalplanung. „Wer soll für drei Tage arbeiten und dann wieder tagelang nicht?“, fragt Ziongos. Ein weiteres Thema, das Voulgari die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, sind die eingekauften und vorbereiteten Lebensmittel. „Wir versuchen, jeden Tag wenig zu machen“, erzählt sie. Aber das gelinge nicht immer. „Wir schmeißen leider auch ein paar Sachen weg.“

„Fast Null“ war hingegen der Umsatz von Nunzio Falcetta vom gleichnamigen Restaurant im Schwabenhof am Wochenende. Er beklagt, dass die Gäste nun auf Lokale jenseits der Stadtgrenze ausweichen. Denn im Ostallgäu ist die Inzidenz weiterhin unter 100 und lag am Mittwoch erstmals sogar unter 50.

Zahlreiche Übernachtungsgäste hatte David Frick vom Irseer Klosterbräu schon am ersten Tag der Wiederöffnung. „Die Urlauber standen bereits in den Startlöchern“, erzählt er. Auch im Biergarten ging es am Wochenende rund. Er hat extra einen Mitarbeiter am Eingang abgestellt, der die Corona-Tests der Gäste, die nicht aus einem Haushalt kamen, kontrolliert und Selbsttestungen der Gäste beaufsichtig hat.

Volles Haus am Wochenende erwartet

Da für Irsee die Werte des Ostallgäus maßgeblich sind, ist das Klosterbräu von der Schließung nicht betroffen. Frick rechnet ab jetzt vermehrt mit Spontanreisenden. „Wir werden am Wochenende das Haus voll haben“, ist er sich sicher.

„Am Samstag hatten wir an die 150 Besucher“, berichtet Lisa Schmidle von der Soundbar Glocke in der Altstadt. 110 davon haben sich vor Ort testen lassen. Für drei Euro bot Schmidle Schnelltests an, die ihre Mitarbeiter am Eingang zum Biergarten durchgeführt haben. „Das war ein riesen Aufwand“, resümiert sie. Für die Zukunft könne sie so nicht weitermachen, das habe sich gezeigt. Ob sie bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 überhaupt noch mal öffnet oder abwartet, bis bei unter 50 die Testpflicht wegfalle, da sei sie sich heute noch nicht sicher.

Unten geblieben ist am Wochenende der Rollladen am Kiosk im Kaufbeurer Jordanpark. Die Betreiber Bianca und Tom wollen die kommenden Tage nutzen, um alles vorzubereiten und ihren Biergarten auf Vordermann zu bringen. Sobald sie dürfen und das Wetter mitspielt, soll es losgehen. Das kulturelle Programm auf der Bühne steht schon, es sind fast jedes Wochenende Konzerte geplant.