Über B12, A7 und A8 weiter nach Manching

In Rekordzeit durch Kaufbeuren: So lief der Eurofighter-Schwertransport

Ab in Richtung B12. Schon vor 21.30 war der Eurofighter-Tross auf der Neugablonzer Straße.

Ab in Richtung B12. Schon vor 21.30 war der Eurofighter-Tross auf der Neugablonzer Straße.

Bild: Mathias Wild

Ab in Richtung B12. Schon vor 21.30 war der Eurofighter-Tross auf der Neugablonzer Straße.

Bild: Mathias Wild

Innerhalb weniger Wochen der zweite XXL-Transport: Am Dienstag ist wieder ein Eurofighter durch Kaufbeuren gerollt. Unser Kollege saß im Sattelschlepper.

22.07.2020 | Stand: 07:19 Uhr

Vor gut einem Monat kam ein neuer Eurofighter, nun wurde dafür einer weggebracht. Unser Reporter Alexander Vucko saß mit im Sattelschlepper und hat live berichtet. So lief der Transport. 

 

Update 21.30 Uhr: Das Spektakel ist vorbei - Eurofighter ist jetzt auf der B12 

Noch eine heikle Stelle in der Stadt. Der letzte kleine Kreisverkehr in der Augsburger Straße - vor der Einfahrt auf die B12. Noch immer stehen Schaulustige an der Straße. Es regnet nicht mehr. Lenkung auf, Broszeit gibt zart Gas. Kollege Wocken an der Fernsteuerung bugsiert von außen den Auflieger über den Kreisel. Präzisionsarbeit. Die B12 ist frei.  Rekordzeit durch die Stadt. Broszeit und seine teure Fracht rollen in eine lange Nacht.

Bilderstrecke

Eurofighter-Transport durch Kaufbeuren

 

Update 21.20: "Bis jetzt läuft alles problemlos"

21.15 Uhr Der XXL-Transport rollt die Neugablonzer Straße hoch. Es regnet leicht. Derzeit keine Gewittergefahr. Es dämmert. Immer weniger Zuschauer säumen die Straßen. Die B12 rückt näher. "Bis jetzt alles völlig problemlos", sagt Broszeit zufrieden. Und mit Blick auf die Problemampel. "Man lernt trotz der vielen Erfahrungen auch dazu." Eine Holzbrücke über der Straßen. Dort findet Broszeit noch einmal seine Fans. Der Steg, rappelvoll.

Blitzlichtgewitter. "Passt", sagt Wingman Anton Wocken durchs Funkgerät. Ein paar Handbreit Platz hat der Flieger unter der Brücke. Der nächste Kreisverkehr. Wieder englisch. Aus dem Radio rappt es. Vor dem Kreisverkehr warten der Fahrer eines Linienbusses und schießt mit dem Smartphone Fotos. Wie geht man mit solcher Prominenz fern der Heimat um? Broszeit: "Man merkt, dass sich die Kaufbeurer mit der Bundeswehr identifizieren." Daran habe die Spedition ihren Anteil, das ist ein schönes Gefühl. "Gut, dass die Menschen nicht schimpfen, dass sie aufgehalten werden", meint der Emsländer noch. Es ist eben ein Schwertransporter, dem eine gewisse Leichtigkeit anhaftet. 

 

Update 21 Uhr: Bauhof hat ganze Arbeit geleistet

Die Spittelmühlkreizung ist ein Hotspot. Viele Menschen. Überall. "Das stört mich eigentlich nicht", sagt Broszeit. Will heißen, die Leute müssen auf sich selbst aufpassen. Der Fahrer nimmt noch einen großen Schluck aus der Wasserflasche. Dann schwenkt er nach links in die Neugablonzer Straße. Sein Sattelschlepper Torsten rollt nun wieder geradeaus. 

Wäre hinten nicht einen millionenschwere Ladung, könnte sich Broszeit glatt entspannen. Seine Fahrerkabine ist ein Wohnzimmer. Geräumig, umgeklappte Koje hinter dem Fahrersitz, Getränke, Gardinchen und - ja- sogar Teppichboden, den man mit Straßenschuhen besser nicht betreten sollte. Ein Arbeitsplatz mit Stil eben. Aber der Feierabend lässt auf sich warten. Broszeit hat noch eine ganze Nacht vor sich.

Links und rechts an der Straße liegen Straßenschilder und Ampeln flach. Der Kaufbeurer Bauhof hat im Vorfeld ganze Arbeit geleistet. Etliche provisorische Parkverbotsschilder halten der Fracht mit den ausladenden Tragflächen die Seiten frei. "Jetzt kommt unsere Ampel", grummelt Broszeit. Das Lichtzeichen musste vor vier Wochen kurzfristig umgelegt werden, weil es im Weg stand. Heute liegt es flach, als der Tross passiert. Broszeit macht kurz die Kabinenbeleuchtung an und posiert für einen Soldaten, der Fotos schießt. Das gehört dazu. Man kennt sich schon, man schätzt sich. An den Fenstern der Wohnblöcke stehen Menschen und winken. "Verrückt, die Kaufbeuer", sagt Broszeit lächelnd.

 

Update 20.40 Uhr: "Heute wird's voll" 

"Heute wird's voll", murmelt Broszeit. Immer mehr Zuschauer sammeln sich am Straßenrand. Vielleicht ein bisschen Ersatz für die ausgefallenen Tänzelfestzüge vor zwei Wochen. Volksfeststimmung draußen, drinnen höchste Konzentration.  "Langsam, langsam, langsam", ist Speditionschef Anton Wocken aus dem Funkgerät zu hören. "Rechts ist so'n oller Pfosten", sagt Broszeit. Helfer biegen Baumäste weg. Zentimeter bugsiert er die wuchtige Fracht an einer Ampelanlage vorbei. In Schrittgeschwindigkeit rollt der Sattelschlepper Richtung Spittelmühlkreuzung. 

Hier, vor dem Modepark Röther, lief beim vergangenen Transport vor gerade mal vier Wochen am Fahrzeug eine Kupplung des Nachläufers heiß und sorgte für eine kurze Unterbechung. "Gute Werbung für den Modepark", sagt er lachend. "Wegen der vielen Fotos." Diesmal schaut Broszeit zufrieden auf die Lämpchen am Armaturenbrett. Alles im grünen Bereich. Damals erhielt die Luftwaffenschule einen neuen Jet für die Ausbildung, einen mit lediglich 1200 Flugstunden. 

Fast neuer Eurofighter wird abtransportiert

Dagegen ist der Eurofighter, der nun im Gegenzug abtransportiert wird, fast neu. Er hat lediglich 115 Flugstunden auf dem Buckel. Seinen sogenannten Einflug hatte der Jet am 5. August 2009. Elf Jahre stand er nun in der Ausbildungshalle in Kaufbeuren. Demnächst erhält er seine Flugzulassung zurück. Als erstes Flugzeug der Bundeswehr ziert es übrigens eine der gelben Schleifen, die nun überall in Kaufbeuren die Patenschaft und die Verbundenheit der Stadt und der  Luftwaffenschule symbolisieren sollen. "Unsere Bürger, unsere Soldaten" steht darauf. Zu sehen sind die Wappen der Schule und der Stadt. Ob die Schleife an der Außenhaut hinter der Tragfläche die Gnade der Airbus-Techniker finden und auch künftig den fliegenden Eurofighter schmücken wird, darf allerdings bezweifelt werden.

 

Update 20.30 Uhr: Wer ist eigentlich Trucker-Fahrer Torsten Broszeit? 

Mit Schrittgeschwindigkeit steuert Broszeit auf einen Kreisverkehr zu. Er, 54, ein kleiner drahtiger Mann, kurze Hose, T-Shirt, braungebrannt, tätowierte kräftige Unterarme, freundlicher norddeutscher Akzent. Und die Ruhe selbst. Manchmal spricht er ins Funkgerät, manchmal mit den Kollegen aus dem Fenster heraus. Manchmal, so scheint es, mit sich selbst. Minutenlanger Stopp, angeblich kreuzt gleich ein Rettungswagen. Auf der Straße sammeln sich immer mehr Zuschauer. Kein Rettungswagen. "Es geht weiter", sagt der Emsländer. Am Ktreisverkehr gilt es mit dem 25 Meter langen Schlepper in perfekter Linie einzufahren. "Rangieren ist nicht", sagt Broszeit gelassen. Einerseits. Anderseits. Sein Kollege, der Wingman, kann den Auflieger fernsteuern. "Wir nehmen den Kreisverkehr englisch", sagt Broszeit ins Funkgerät. Will heißen, in die entgegengesetzte Richtung.

Eurofighter-Veteran hat Fanbase in Kaufbeuren

Der Sattelschlepper heißt wie sein Fahrer auch Torsten, deutlich sichtbar an der Windschutzscheiben. "Torsten, Torsten" rufen die Kaufbeurer an der Straße. Der Mann hat seinen Fanclub. "Verrückte Hühner hier"", sagt er leise, aber auch ein bisschen angetan. Er hat schon mehrmals Jets, Hubschrauber und andere Geräte der Bundeswehr transportiert. "Der Eurofighter mit der Breite ist natürlich immer wieder ein Highlight", sagt er. Auf einem Parkplatz hat die Freiwillige Feuerwehr die Drehleiter ausgefahren, die Einsatzkräfte blicken von oben auf das Geschehen. Obwohl Broszeit aus dem Emsland kommt, kennt er in Kaufbeuren jeden Meter zwischen dem Fliegerhorst und der Auffahrt auf die B12, jede Ampel, so gut wie jedes Verkehrsschild - alles potenzielle Hindernisse für den elfeinhalb Meter breiten und elf Tonnen schweren Flieger auf der Ladefläche. Also: "Ruhig bleiben", sagt er, das große Lenkrad fest mit beiden Händen packend. Aber eben auch sensibel, wenn es drauf ankommt. Es geht um Zentimeter in den engen Straßen der Stadt.

 

Update 20 Uhr: Der Überschalljet hat in Kaufbeuren immer Vorfahrt

Fahrer Torsten Broszeit rollt mit seiner wertvollen Fracht aus dem Nebentor des Kaufbeurer Fliegerhorstgeländes. Gerade auf die Straße. "Was ist das hier links?" fragt erins Funkgerät. Alles klar. Broszeit schwenkt auf die Apfeltranger Straße ein. "Geradestehen", heißt es danach. "Gerade ist immer besser", sagt er und jeder Kleinwagenfahrer weiß beim Blick in den Rückspiegel genau, was er meint. Zahlreiche Sicherheitsleute, Feldjäger, Polizei, und Mitarbeiter des Kaufbeurer Bauhofes begleiten mit viel Blaulicht den Tross.

Alle bester Laune und trotz der Routine auch etwas aufgeregt. Die ersten Zaungäste haben sich in der Apfeltranger Straße postiert. Hin und wieder erleben die Kaufbeurer den An- und Abtransport eines Eurofighters, an dem in der Luftwaffenschule bundesweit eingesetzte Luftfahrzeugtechniker ausgebildet werden. Aber eben auch nicht alle Tage. Heute, Dienstag, rollt das Hightech-Flugzeug auf der Ladefläche zur besten Sendezeit durch die Stadt. Die Luft ist warm, das vorhergesagte Gewitter lässt (noch) auf sich warten. Es nieselt in bisschen. Zum Glück: Wenn es blitzt, muss der Konvoi aus Sicherheitsgründen stehenbleiben. Erdung ist dann wichtig. Jetzt aber rollt der Schlepper mit 10 Stundenkilometern die lange Apfeltranger Straße hinunter ins Stadtzentrum.

Unser Autor im Sattelschlepper

Huckepack auf einem Sattelschlepper: In der Nacht zum Mittwoch rollt wieder ein Eurofighter durchs Allgäu. Elf Jahre lang diente er als Schulungsobjekt am Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe in Kaufbeuren, bevor er nun vom Hersteller Airbus Defence & Space in Manching bei Ingolstadt auf den neuesten technischen Stand gebracht wird und seine Flugzulassung wiedererhält. Zwei Tage, besser gesagt Nächte, dauert die Fahrt nach Oberbayern - wegen einer Baustelle auf der A96 führt die Route vom Kaufbeurer B12-Kreisverkehr Richtung Kempten, über die A7 und die A8 ans Ziel. 

Knifflig ist die Fahrt vom Kaufbeurer Fliegerhorst durch das Kaufbeurer Stadtgebiet. Was die Fahrt so schwierig macht, wie sich eine viele Millionen Euro teure Fracht im Nacken anfühlt und warum Hektik am Steuer Gift ist, schildert unser Reporter Alexander Vucko, der neben Fahrer Torsten Broszeit von der Spedition Wocken im Sattelschlepper sitzt.

 

So verläuft die Route durch Kaufbeuren:

  • vom Fliegerhorst Kaufbeuren über die Apfelstranger Straße
  • weiter auf die Kemptener Straße
  • über die Josef-Landes-Straße zur Spittelmühlkreuzung
  • dann auf die Neugablonzer Straße
  • von dort über die Moosmangstraße zur Augsburger Straße
  • und dann auf die B12 Richtung Kempten

So verläuft die Route über Bundesstraßen und Autobahn:

  • über die B12 nach Kempten
  • von Kempten auf die A7
  • auf der A7 vorbei an Memmingen bis Ulm
  • bei Ulm auf die A8 Richtung Augsburg
  • auf der A7 vorbei an Augsburg
  • danach über Bundesstraße Richtung Manching

Der Transport dauert diesmal zwei Tage: Für die notwendige Pause wird an der A8 zwischen Ulm und Augsburg extra ein Rastplatz gesperrt, auf dem der Sattelschlepper – gut bewacht – abgestellt werden kann.

Wegen einer Baustelle auf der A96 muss der Eurofighter über die B12 Richtung Süden und dann über die A7 und A8 Richtung Augsburg transportiert werden.

 

Länge, Geschwindigkeit, Kosten: Zahlen und Fakten zum Eurofighter

  • Länge: 16 Meter
  • Breite: 11 Meter
  • Höhe: 5,3 Meter
  • Gewicht: ca 11 Tonnen (Leergewicht)
  • Flügelfläche: 50 Quadratmeter
  • Maximalgeschwindigkeit: 2500 km/h
  • Preis: bis zu 130 Millionen Euro (pro Stück)

 

Video: So lief der Eurofighter-Transport im Juni: