Einmal um die halbe Welt

Indischer Pfarrer findet neue Heimat im Ostallgäu

Pater Jakob Biessenhofen

Pater Jakob, der mit bürgerlichem Namen Sajimon Philip Panankala heißt, lebt seit knapp 20 Jahren im Allgäu. Wegen des Priestermangels in Deutschland bat sein Orden den gebürtigen Inder 2018, Pfarrer in Biessenhofen zu werden.

Bild: Mathias Wild

Pater Jakob, der mit bürgerlichem Namen Sajimon Philip Panankala heißt, lebt seit knapp 20 Jahren im Allgäu. Wegen des Priestermangels in Deutschland bat sein Orden den gebürtigen Inder 2018, Pfarrer in Biessenhofen zu werden.

Bild: Mathias Wild

Pater Jakob verschlug es 2002 wegen des Pfarrermangels ins Allgäu. Trotz seines anfänglichen Kulturschocks blieb er, heute wirkt er in Biessenhofen.
20.08.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Bereits an seinem zweiten Tag im Allgäu feierte der indischstämmige Pater Jakob mit den Gläubigen die Messe. „Ich habe damals gar nicht verstanden, was ich vorgelesen habe“, sagt der 49-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Sajimon Philip Panankala heißt. Er stammt ursprünglich aus Kerala in Südindien.

Inzwischen arbeitet der Geistliche aus dem Herz-Jesu-Orden seit 19 Jahren in Deutschland. Hierzulande ist er gefragter als in Indien, denn Pfarrer sind rar. Während er am Anfang wegen seiner fehlenden Sprachkenntnisse nur Gottesdienste feiern konnte, hält der Pater nun auch mal Schwätzchen mit den Kirchengängerinnen und Kirchengängern und nimmt die Beichte ab.

Indischer Pfarrer kam 2002 als Kaplan ins Allgäu

Er war noch nie in Europa gewesen und überhaupt zum ersten Mal fort von seinem Zuhause, als Pater Jakob 2002 die Reise zu seiner neuen Stelle als Kaplan in Bad Hindelang (Oberallgäu) antrat. Deutsch hatte er zuvor nur einen Monat lang gelernt. Nach seinen ersten Gottesdiensten in Deutschland ist er immer schnell verschwunden – denn ein Gespräch mit den Gläubigen hätte er zu diesem Zeitpunkt kaum zustande gebracht. „Am Anfang habe ich vor Heimweh öfter geweint“, erinnert sich Pater Jakob an die Zeit nach seinem Umzug ins Allgäu. Zudem erlebte er einen Kulturschock. „Ich war überrascht, als nur Menschen über 60 in die Kirche kamen.“ In Kerala besuchten Menschen allen Alters die Gottesdienste.

Doch er gewöhnte sich bald an die neue Umgebung, zudem bekam er von vielen Seiten Hilfe. So hat sich zum Beispiel an seinem nächsten Wirkungsort – Gundelfingen – eine pensionierte Lehrerin seiner angenommen. Sie übten zusammen Deutsch und verbesserten seine Fehler in der Messe. Auch andere Menschen kamen auf ihn zu. Inzwischen hat der Pfarrer viele gute Freunde im Allgäu. „Ich habe hier eine neue Heimat gefunden“, sagt er im Rückblick.

Wegen des Pfarrermangels kehrte Pater Jakob ins Allgäu zurück

Nach mehreren Stationen in Deutschland kehrte Pater Jakob 2017 für ein Jahr nach Indien zurück, um am Priesterseminar zu arbeiten. „Eigentlich wäre ich danach gerne zuhause geblieben.“ Doch er sei in Deutschland einfach zu begehrt, da es hierzulande einen Pfarrermangel gebe. So zog er 2018 erneut ins Allgäu – diesmal nach Biessenhofen. Fünf Pfarreien – Biessenhofen, Altdorf, Ebenhofen, Bernbach und Bidingen – und eine „Filiale“ – Hörmanshofen – betreut Pater Jakob seitdem.

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Der gebürtige Inder fühlt sich wohl in seiner neuen Heimat Biessenhofen. Trotzdem vermisst er sein altes Zuhause manchmal: „Bei Sterbefällen bin ich meistens nicht da und kann nicht bei meiner Familie sein.“ Hochzeiten werden dafür extra in die Wochen im Jahr gelegt, wenn er zu Besuch kommt.

Jüngere sind in Indien gläubiger als in Deutschland

Zwischen seiner alten und seiner neuen Heimat sind Pater Jakob schnell einige Unterschiede aufgefallen. „In Deutschland leben eher die älteren Menschen christliche Werte.“ Zu diesen Werten zählen für ihn zum Beispiel Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Jüngere wiederum würden vermehrt nur an sich selbst denken und dabei das Wohl der anderen übersehen. Das liegt laut Pater Jakob vermutlich daran, dass die Älteren während und nach dem Krieg viel Leid und Elend erlebt haben. Zu dieser Zeit brauchten sie Halt und einen Gott. „Viele Junge heutzutage haben alles und sehen nicht, weshalb sie Gott brauchen sollten.“

In Indien sei das anders. Dort seien auch viele junge Menschen gläubig. Dafür gebe es zwei Gründe. „Religion ist in unserer Kultur verwurzelt, es gibt eine grundlegende Spiritualität bei den Menschen.“ Zudem lebten viele Menschen in Indien weiter in Bedürftigkeit und fänden in ihrer Not Halt in Gott.

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