Handball SG Kaufbeuren

„Je näher das Spiel, desto nervöser die Jungs“ - Kaufbeurer A-Jugend ist Meister

So sehen Sieger aus: die A-Jugend der SG Kaufbeuren mit Trainer André Seidel (links) nach ihren Finalsieg.

So sehen Sieger aus: die A-Jugend der SG Kaufbeuren mit Trainer André Seidel (links) nach ihren Finalsieg.

Bild: Seidel

So sehen Sieger aus: die A-Jugend der SG Kaufbeuren mit Trainer André Seidel (links) nach ihren Finalsieg.

Bild: Seidel

André Seidel hat die A-Jugend der SG Kaufbeuren/Neugablonz zu Titeln und aktuell zur souveränen Meisterschaft in der ÜBOL geführt. Jetzt will der 53-Jährige aufhören – aber hat noch ein Projekt.
13.04.2022 | Stand: 11:15 Uhr

Drei Titel in vier Jahren – die A-Jugend der SG Kaufbeuren/Neugablonz hat einen fast perfekten Durchmarsch ins sportliche Erwachsenenwerden gemacht. Und den Höhepunkt hatten die Jugendlichen auch noch im letzten Spiel der Saison: quasi ein Endspiel um die Meisterschaft im bezirksübergreifenden Jugendspielbetrieb (ÜBOL).

Der Auswahlcoach

Die A-Jugend der SG war vor der Saison erfolgsverwöhnt: „Außer dem Jahr in der C-Jugend hat die Mannschaft jede Liga gewonnen, in der sie angetreten ist“, erzählt Trainer André Seidel. Er hat sein Handwerk in Aue und Leipzig gelernt und spielte sogar in Jugend-Auswahlmannschaften der DDR, danach bei den Herren wieder in Aue. „Bis zur Wende 1989 – dann war alles wichtiger als Handball“, sagt der 53-Jährige. Bis sein Sohn eines Tages „meine Medaillen und Pokale auf dem Dachboden gefunden hat“. Da musste Seidel den Filius auch zum Handball bringen, und zwar zur SG – und die brauchten gerade einen Coach. „Da wir an der Sportschule ohnehin jedes Jahr einen Trainerschein machen mussten, wollte ich das mal probieren – und jetzt bin ich immer noch dabei“, erzählt Seidel. Als Co-Trainer fungiert die SG-Institution Christian Sobl: „Ich habe ihn in erster Linie gebraucht, weil er der beste Athletik-Coach ist, der im Allgäu rumläuft“, meint Seidel lakonisch.

Die Voraussetzung

Die SG startete zwar nervös, aber trotzdem erfolgreich in die Saison – und steigerte ihre Leistung bis zum Finale in Dietmannsried. Ein Zwischentief war im Februar und März, als viele Spieler mit Corona infiziert waren. Doch zum Endspiel war alles wieder gerichtet. „Wir Trainer haben uns darauf gefreut. Wir wollten endlich sehen, ob sich das harte Training ausgezahlt hat und ob wir die Jungs in den Herrenbereich entlassen können“ erzählt Seidel.

Flugzeuge im Bauch

Doch bei den jungen Spielern wuchs wohl eher ein flaues Gefühl im Magen: „Je näher das Spiel kam, umso nervöser wurden die Jungs. Im Bus hat kaum einer geredet, jeder war mit sich beschäftigt.“ Doch als die Spieler in die Halle gingen und vertrauten Boden unter den Füßen hatten, „kamen das Selbstbewusstsein und vor allem das Vertrauen in die eigene Stärke zurück und alle waren fokussiert. Wir als Trainer mussten nur noch die Taktik vorgeben und die Jungs haben geliefert“, berichtet Seidel.

Wenn es mal knapp ist: die A-Jugend der SG Kaufbeuren mit Coach während einer Auszeit im „Endspiel“ gegen Dietmannsried.
Wenn es mal knapp ist: die A-Jugend der SG Kaufbeuren mit Coach während einer Auszeit im „Endspiel“ gegen Dietmannsried.

Das Herausragende

Die SG stellte sowohl bei den Einzelspielern wie auch als Team Bestmarken auf: Tim Huber wurde mit 60 Treffern in sechs Spielen Torschützenkönig der Liga. Matthias Seidel ist mit 15 erfolgreichen Würfen – bei 16 Versuchen – sicherster Siebenmetern-Schütze in der ÜBOL. Damit hat er eine Quote von 93,75 Prozent. Die Mannschaft wiederum warf die meisten Tore in der Saison (215) und ließ zugleich die wenigsten (140) zu.

Happy End mit Beigeschmack

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Nach dem Sieg und dem standesgemäßen Diving vor den Fans ging die Feier gleich in der Kabine los – und verlagerte sich dann vor die Halle. „Da viele Eltern und Freunde von den Jungs dabei waren, hatten wir das ganze Spiel Heimspielkulisse“, erzählt Seidel. Nach einem Abstecher nach Hause trafen sich die Spieler und Verantwortlichen im Gasthaus Häring zum Essen. „Wir waren danach gerade eine Stunde zu Hause, da bekomme ich ein Foto, wie es im Häring brennt“.

Die Wermutstropfen

Die A-Jugend ist quasi das Ende der jugendlichen Fahnenstange. Nur sieben Spieler haben noch das Alter und dürfen ein weiteres Jahr bei der SG-Jugend spielen – sie werden von fünf Nachrückern verstärkt. Fünf Akteure wiederum werden den Verein wohl verlassen. „Wo die spielen werden, ist schwer zu sagen. Aber da hat mir Corona mal locker 1,5 Jahre Training geklaut, um sie sicher in die Erste unterzubringen“, erklärt der Coach.

Aufstieg, Prognose und Projekt

Theoretisch könnten die älteren A-Jugendlichen ja die Männer der SG verstärken, die seit Jahren versuchen, in die Landesliga aufzusteigen. Heuer haben sie schon die Meisterrunde erreicht. Seidel hofft, dass das Herrenteam möglichst zügig für Jugendliche attraktiver wird: „Die SG steigt schon dieses Jahr auf“, meint er augenzwinkernd. Der Erfolgscoach wiederum wollte sich nun zur Ruhe setzen: „Ich hab die Jungs von der D- bis zur A-Jugend gebracht, eigentlich wollte ich jetzt aufhören. Aber es macht mir doch mehr Spaß als gedacht. Mal schauen, ich habe da noch so ein Projekt im Kopf, vielleicht lässt mich die SG das ja machen.“

Die Kaufbeuren/Neugablonz

  • A-Jugend: Max Alles, Bastian Bartel, Bence Dömsödi, Richard Gehri, Philipp Höhne, Kilian Hohenreiter, Tim Huber, Jakob Niebling, Matthias Seidel, Niklas Senftl, Daniel Sobl, Alex Weber.
  • Trainer: André Seidel, 53 Jahre aus Kaufbeuren. Seit 2011 Coach bei der SG. Zuvor fing Seidel mit sechs Jahren Handball in Aue an, durchlief die üblichen Auswahlmannschaften und kam mit 14 an die Sportschule DHFK Leipzig. Dort gab es ein paar Berufungen für die Jugend-Nationalmannschaft der DDR. Mit 18 ging Prestele zurück nach Aue und spielte dort bis 1989. Co-Trainer: Christian Sobl.
  • SG-Handballteams (Saison 2021/22): Zwei Herren-Mannschaften, eine Damen-Mannschaft, acht Jugend-Mannschaften.

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