Naturschutz in Thailand

Kaufbeurerin kämpft gegen Plastikmüll am Traumstrand

Anna Neumann Mehrwegflasche für Thailand

Die Kaufbeurer Studentin Anna Neumann will auf der thailändischen Insel Ko Kut Trinkwasser anbieten, das in wiederverwendbare Glasflaschen abgefüllt wird. Dadurch soll viel Plastikmüll vermieden werden.

Bild: Mathias Wild

Die Kaufbeurer Studentin Anna Neumann will auf der thailändischen Insel Ko Kut Trinkwasser anbieten, das in wiederverwendbare Glasflaschen abgefüllt wird. Dadurch soll viel Plastikmüll vermieden werden.

Bild: Mathias Wild

In Thailand wird Trinkwasser hauptsächlich in nicht wiederverwendbaren Plastikflaschen angeboten. Anna Neumann aus Kaufbeuren will das ändern.
14.07.2021 | Stand: 17:28 Uhr

Überbordender Plastikmüll im Meer und an den Traumstränden, achtlos weggeworfene Einwegflaschen im tropischen Regenwald – das möchte Anna Neumann nicht länger mit ansehen. Die 22-Jährige Kaufbeurerin baut gemeinsam mit einem 12-köpfigen Team von Münchner Studenten eine Wasserabfüllanlage auf der kleinen thailändischen Insel Ko Kut auf.

Glasflaschen für Thailand

Über 17.000 wiederbefüllbare Glasflaschen aus Deutschland haben sie von Sponsoren erhalten und bereits auf die Insel im Golf von Thailand, unweit der Grenze zu Kambodscha, verschifft. Sie haben dort ein Grundstück mit einer Quelle gefunden und darauf mit Hilfe von örtlichen Unterstützern ein Gebäude errichtet, die Wasserabfüllanlage soll bei einem thailändischen Hersteller beschafft werden, sobald die Finanzierung dafür stehe. „Wir möchten die Mehrweg-Glasflasche, so wie wir sie hier in Deutschland kennen, in Thailand etablieren“, fasst sie das Ziel des Projekts zusammen.

In diesem Gebäude soll die Wasserabfüllanlage auf der thailändischen Insel Ko Kut entstehen.
In diesem Gebäude soll die Wasserabfüllanlage auf der thailändischen Insel Ko Kut entstehen.
Bild: Anna Neumann

Plastikflaschen landen achtlos am Strand

Denn in dem südostasiatischen Land werde Trinkwasser hauptsächlich in nicht wiederverwendbaren Plastikflaschen angeboten, die nach Gebrauch nicht selten achtlos weggeworfen werden und die Strände und die Natur vor Ort belasten. Anders als in Deutschland fehle in Thailand ein funktionierendes Müllmanagement, berichtet sie. „Gleichzeitig kannst du das Leitungswasser nicht aus dem Wasserhahn konsumieren“, sagt Neumann. Während die Einheimischen ihr Wasser oftmals in großen Kanistern von einer Quelle bezögen, bliebe den zahlreichen Touristen nur der Griff zur Plastikflaschen. Daher hat sie vor allem die Reisenden im Auge.

Wettbewerbsfähige Alternative zu Plastikflaschen

„Es ist uns aber wichtig, nicht nur ein nachhaltiges Luxusprodukt für die Touristen zu erschaffen, die es sich leisten können, sondern eine wettbewerbsfähige Alternative zu Trinkwasser aus der Plastikflasche anzubieten.“

Glassic nennt sich das Projekt der studentischen Initiative Enactus München, dessen Leitung Neumann seit diesem Jahr innehat. Als Kunden wollen sie zu Beginn in erster Linie die örtliche Gastronomie und Hotellerie gewinnen. „Es ist viel leichter, da den Kreislauf zu schaffen, dass die Flaschen auch wirklich zu uns zurück kommen“, verrät sie. Ein Pfand- und Rücknahmesystem für in Supermärkten verkaufte Flaschen sei von der Infrastruktur her deutlich anspruchsvoller aufzubauen, sagt sie.

Startschuss im Herbst

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Die ersten Flaschen sollen zu Beginn der Hauptsaison im Herbst 2021 ausgeliefert werden. Auf der Insel existiere bereits seit dem Jahr 2008 eine vergleichbare Abfüllanlage, die allerdings nur von einem einzelnen Ressort intern genutzt werde. Die Betreiber haben zwar kein Interesse daran, ihr Wasser auch anderen Kunden anzubieten, stehen den Studenten aber mit Rat und Tat zur Seite und teilen ihre Erfahrungen mit ihnen.

Unterstützung per Crowdfunding

Das Sozialprojekt finanziert sich derzeit hauptsächlich aus Spenden und über Crowdfunding-Kampagnen. Für die Restfinanzierung der Abfüllanlage benötigen sie noch etwa 4000 Euro, weitere 2000 Euro werden für die Ausstattung des Gebäudes benötigt und 4000 Euro kostet die anstehende Zertifizierung der Wasserqualität. Die Geldbeschaffung sei die größte Herausforderung bei dem Vorhaben, sagt Neumann.

Geschenke für Unterstützer

Für Unterstützer der Kampagne haben die Teammitglieder sich Dankeschöns in Form von Unterstützer-Shirts oder selbst hergestellten Muschelketten ausgedacht.

Wegen der Corona-Pandemie und den damit zusammenhängenden Reisebestimmungen konnte Neumann bislang noch nicht vor Ort sein, hofft aber, die Anlage zu besuchen, sobald es die Situation zulässt. Die Geschäfte sollen von thailändischen Mitarbeitern geführt werden, einen Manager haben sie schon rekrutiert. „Wir etablieren die Idee, aber es soll eigentlich ein von Einheimischen geführtes Getränkeunternehmen sein“, erklärt sie. „Wenn wir mit unserem ersten Standort gezeigt haben, dass es funktioniert, wollen wir langfristig auf andere Inseln erweitern.“

Bewusstsein schärfen

Dabei haben sie auch weitere Plastikgüter in Hotels wie Shampoos und Seifen im Blick und wollen nachhaltige Alternativen in Mehrwegbehältern schaffen. Mit den erwirtschafteten Gewinnen möchte das Sozialunternehmen in Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen Aufräumaktionen an Stränden und Bildungskampagnen zu Plastikmüll vor Ort ermöglichen und das Bewusstsein für Müllmanagement schärfen.