Wegfall der Förderung geplant

Stehen kleine Wasserkraftwerke in Kaufbeuren und dem Ostallgäu bald vor dem Aus?

Die Mühle in Pforzen ist ein Museum - sie wurde wohl 1573 gebaut. Momentan werden dort drei Wasserkraftanlagen betrieben und der erzeugte Strom nach dem Einspeisegesetz vergütet. Fällt die Unterstützung weg, könnte sich der Betrieb der Anlage nicht mehr rentieren, befürchtet der Betreiber.

Die Mühle in Pforzen ist ein Museum - sie wurde wohl 1573 gebaut. Momentan werden dort drei Wasserkraftanlagen betrieben und der erzeugte Strom nach dem Einspeisegesetz vergütet. Fällt die Unterstützung weg, könnte sich der Betrieb der Anlage nicht mehr rentieren, befürchtet der Betreiber.

Bild: Mathias Wild

Die Mühle in Pforzen ist ein Museum - sie wurde wohl 1573 gebaut. Momentan werden dort drei Wasserkraftanlagen betrieben und der erzeugte Strom nach dem Einspeisegesetz vergütet. Fällt die Unterstützung weg, könnte sich der Betrieb der Anlage nicht mehr rentieren, befürchtet der Betreiber.

Bild: Mathias Wild

Die Bundesregierung will die Einspeisevergütung für Wasserkraftanlagen mit weniger als 500 Kilowatt Leistung nicht mehr fördern. Betreiber sind verunsichert.
07.07.2022 | Stand: 08:09 Uhr

Der Ukraine-Krieg treibt die Energiepreise nach oben. Die Bundesregierung will reagieren und plant auch deshalb ein Gesetz für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien – das EEG 2023. In dem Entwurf heißt es: „Kleine Wasserkraftanlagen mit einer Leistung bis 500 kW werden aus ökologischen Gründen künftig nicht mehr gefördert.“ Nun herrscht Verunsicherung bei Betreibern – gilt das auch für alte Wasserkraftanlagen?

Wasserökologie werde beeinträchtigt

Nein, erklärt Christopher Stolzenberg, Sprecher im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz: Der Wegfall der EEG-Förderung gelte nur „für neue – ab dem 1. Januar 2023 in Betrieb genommene – Wasserkraftanlagen kleiner als 500 kW, sowie für neue Leistungserhöhungen bei Bestandsanlagen kleiner als 500 kW“.

Stolzenberger begründet das so: „Hintergrund sind gravierende Umweltauswirkungen, die mit Wasserkraft verbunden sind. Der Betrieb der Vielzahl von Klein- und Kleinstwasserkraftanlagen führt zu erheblichen Beeinträchtigungen der Gewässerökologie und Biodiversität an Gewässern.“

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102 Wasserkraftanlagen in Kaufbeuren und im Ostallgäu

Betroffen von dem Gesetz sind im Ostallgäu und in Kaufbeuren derzeit 102 Wasserkraftanlagen. „Die Gesamtausbauleistung beträgt circa 95 Megawatt (MW). Die elf Kraftwerke mit Anlagen größer 500 Kilowatt haben davon circa 90 MW an Leistung, die Anlagen zwischen 50 und 500 KW liefern circa drei MW. Die restlichen zwei MW verteilen sich auf die 70 kleinen Anlagen“, berichtet Karl Schindele, Leiter Wasserwirtschaftsamt Kempten.

Für ein Museum wird es schwer

Betroffen ist auch Daniel Rotter, der die 1573 erstmals erwähnte Mühle in Pforzen betreibt. Dort werden drei Kraftwerke am Mühlbach genutzt und der Strom nach dem EEG-Gesetz vergütet. „Die dadurch erzielten Einnahmen erhalten hauptsächlich die Bausubstanz der alten Gebäude“, sagt Rotter, denn die Mühle ist zugleich Museum, das sich nicht selbst finanziell trägt. „Es stehen immer wieder enorme Investitionen an, die ohne EEG-Vergütung nicht zu bewerkstelligen sind“, so Rotter. „Was aus diesen Anlagen wird, wenn sie keine Möglichkeit mehr haben, nach EEG vergütet zu werden, wird die Zeit zeigen.“

Notfalls für den Eigenbedarf

Da hat es die Stadt leichter, die seit 1993 eine Wasserkraftanlage in Oberbeuren betreibt und eine maximale Leistung von sieben kW ins Netz einspeist, berichtet Dieter Frei vom Städtischen Wasserwerk Kaufbeuren. „Sollte die Einspeisevergütung wegfallen, nutzen wir die Energie zur Eigenstromversorgung“, erläutert Frei. Für die Betreiber von Anlagen am Mühlbach in Kaufbeuren ist die Sache noch unklar: „Wir warten aktuell noch ab, was der Gesetzgeber für eine Entscheidung trifft“, erklärt Benedikt Geiger von der Firma Dobler.

"Nicht nennenswerte Strommengen"

Doch es gibt auch Fürsprecher für das neue Gesetz: So sagt Professor Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbandes: „Es ist völlig unbestritten, dass solche Kleinanlagen nicht nennenswerte Strommengen produzieren.“ Vielmehr erzeugten 4000 Anlagen in Bayern nur 1,5 Prozent des Stroms im Freistaat, seien aber mitverantwortlich für „einbrechende oder schon zusammengebrochene Populationen an Aalen, Äschen, Haseln, Huchen und Nasen“, meint Göttle. Und Schindele gibt zu bedenken, dass neue Anlagen „für den Eigenbedarf sehr komplex und teuer“ seien. Zudem gebe es zurzeit mehr Geld für Strom auf dem freien Markt als durch das EEG – doch die Selbstvermarktung des Stroms aus den Kleinanlagen sei ein großes Problem.

Perspektive werde genommen

Unterstützung bekommen die Betreiber aber von der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern: „Im Gesetzentwurf zum EEG 2023 wird die kleine Wasserkraft diskriminiert. Ohne Perspektive und Einspeisevergütung werden Wasserkraftanlagen nicht modernisiert, sondern langfristig zurückgebaut“, teilt der Verein mit. Das befürchtet auch Rotter: „Das ist vermutlich nicht auszuschließen.“

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