Tag der Arbeit

Maikundgebung in Kaufbeuren steht auch inhaltlich im Zeichen der Pandemie

Etwa 50 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die Reden bei der Maikundgebung im Kaufbeurer Spitalhof.

Etwa 50 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die Reden bei der Maikundgebung im Kaufbeurer Spitalhof.

Bild: Mathias Wild

Etwa 50 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die Reden bei der Maikundgebung im Kaufbeurer Spitalhof.

Bild: Mathias Wild

Gesundheit schützen, Beschäftigung sichern: Das fordern die Redner bei der Kaufbeurer DGB-Veranstaltung, die coronabedingt im Freien stattfand
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Von Klaus Thiel
02.05.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Trotz Coronabeschränkungen – im vergangenen Jahr musste die Kundgebung zum 1. Mai wegen der Pandemie ausfallen – veranstaltete das Ortskartell Kaufbeuren im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) die von der Stadtverwaltung genehmigte, traditionelle Maifeier im Kaufbeurer Spitalhof.

Rund 50 Frauen und Männer waren der Einladung gefolgt und zeigten den Rednern mit viel Zwischenbeifall ihre Zustimmung. Kämpferisch, nachdenklich, kritisch – so lässt sich die Stimmung auf dem Platz beschreiben. Das Gewerkschaftsmotto „Solidarität ist Zukunft“ beherrschte die Thematik der Redebeiträge und gewann durch die Einflüsse der anhaltenden Pandemie eine besondere Dramatik.

"Flagge zeigen" für die Demokratie

Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse lobte die Gewerkschaften für das „Flagge zeigen“ als Wächter der demokratischen Gesellschaft. Er verurteilte das Bemühen der Querdenker, das demokratische System zu destabilisieren und die aktuelle Bedrohung zu verleugnen. „Lassen Sie uns vernünftig bleiben und die aktuell schwierige Zeit gemeinsam überstehen“, forderte der OB die Anwesenden auf.

Klare Positionierung gegen Corona-Leugner

Festredner Werner Bareth, Betriebsratsvorsitzender der Ronsberger Firma Huhtamaki und in einigen Gremien der Gewerkschaft Verdi tätig, bestätigte diese Einschätzung des Kommunalpolitikers. Die AfD habe sich der „Internationale“ der Coronaleugner wie Trump und Bolsonaro angeschlossen und sei zu deren parlamentarischen Arm der Corona-Leugner und -Leugnerinnen geworden. Gewerkschaften und politische Institutionen hätten schnelles und gemeinsames Handeln gezeigt. Gesundheit schützen, Beschäftigung sichern, wirtschaftlichen Absturz verhindern seien die Grundelemente des Kampfes gegen die Pandemie.

In seinem umfassenden Querschnitt durch die aktuelle Politik wie Ausbildungsmarkt, Klimaschutz und Pflegeberufe sprach Bareth sich im Besonderen für die Gleichstellung der Frauen in der Arbeitswelt aus – dies gehöre unbedingt auf die Agenda von Politik und Arbeitsrecht.

Pflegepersonal: Applaus allein reicht nicht

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Allgäuer Gewerkschafts-Vertreter: „Homeoffice muss besser geregelt werden“

Susanne Ferschl, Ostallgäuer Bundestagsabgeordnete der Partei „Die Linke“, stellte in ihrem Grußwort die Situation im Pflegebereich in den Vordergrund. Politiker und Arbeitgeber hätten zu Beginn der Pandemie Beifall geklatscht – in der Tarifrunde sei es vorbei gewesen mit Solidarität und Applaus. Seit Jahren fehlen laut Ferschl 100 000 Pflegekräfte. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten am Limit – die Folge: über 9000 haben ihren Beruf gewechselt. Ein Drittel der Intensivkräfte wolle in den kommenden zwölf Monaten seine Arbeitsstelle aufgeben. Bessere Arbeitsbedingungen mit einem festen Personalschlüssel seien notwendig.

Kritik am Ausbau der B12: "Passt nicht zu Forderung nach Klimaschutz"

Paul Meichelböck, Vorsitzender des DGB-Ortskartells und Veranstaltungsleiter, stellte traditionell den lokalen Bezug zur städtischen Kommunalpolitik her und missbilligte den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße B 12. Es passe überhaupt nicht zu den Forderungen nach mehr Klimaschutz, Millionen von Euro in Teerflächen stecken die dann für den Individualverkehr ein paar Minuten Ersparnis bringen. Das sei Politik von gestern.

Das kürzlich vorgestellte Radwegekonzept für die Stadt Kaufbeuren bedürfe aber der schnellstmöglichen Umsetzung, nicht erst in einem Zeithorizont von Jahrzehnten. Zur Verbesserung des „Stadtklimas“ plädierte Meichelböck dafür, miteinander zu sprechen, zuzuhören und Argumente auszutauschen, denn „Solidarität ist unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft“.