Kaufbeuren

Neuer Schulalltag: Zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht

Endlich wieder im Klassenzimmer: Lehrer Maximilian Eigler unterrichtet eine Gruppe Neuntklässler der Sophie-La-Roche-Realschule.

Endlich wieder im Klassenzimmer: Lehrer Maximilian Eigler unterrichtet eine Gruppe Neuntklässler der Sophie-La-Roche-Realschule.

Bild: Mathias Wild

Endlich wieder im Klassenzimmer: Lehrer Maximilian Eigler unterrichtet eine Gruppe Neuntklässler der Sophie-La-Roche-Realschule.

Bild: Mathias Wild

Weitere Klassen kehren diese Woche in die Kaufbeurer Schulen zurück. Worauf die Lehrer nun Wert legen.
13.05.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Langsam, behutsam, vorsichtig – so kehrt die Realität für die bayerischen Schüler zurück. Seit Montag dürfen auch die vierten Klassen sowie die Jugendlichen, welche kommendes Jahr ihren Abschluss machen, wieder an die Schulen – allerdings nicht jeden Tag, nur ein paar Stunden lang und unter strengen Hygienemaßnahmen. Ansonsten sind sie weiter im Homeschooling. Lehrer versuchen nun, entstandene Defizite aufzufangen und den Schülern ein stückweit Normalität zurückzugeben.

„Jetzt können wir die Schüler regelmäßig sehen und ihnen Materialien in die Hand drücken“, erläutert Christian Gebauer, Rektor der Jörg-Lederer-Mittelschule einen Vorteil der neuen Regelung. Das mit dem Homeschooling habe unterschiedlich gut funktioniert, ein Problem sei beispielsweise, dass manche keinen Drucker zuhause hätten.

An der Mittelschule sind diese Woche die achten und die neunten Klassen – beide haben kommendes Jahr Prüfungen – zurückgekommen. Die achten Klassen kommen momentan nur zu zwei Präsenztagen die Woche, da erhalten sie, auf zwei Gruppen verteilt, jeweils drei Stunden Unterricht. Die Lehrer können im Unterricht Schwerpunkte auf Themen setzen, bei denen die Schüler noch Defizite haben, die aber essentiell für das kommende Schuljahr sind. „Das Mittelalter kann man noch nachholen“, grundlegende Mathematik könne man jedoch nicht verschieben, erklärt Gebauer den Grundgedanken.

 

Zusätzliches Engagement der Lehrer

Der zunehmende Präsenzunterricht entlastet auch die Lehrer. Dennoch fahren oder laufen manche, zum Beispiel Ramona Ehrenreich, regelmäßig zu ihren Schülern und tauschen Materialien aus. Zudem rufen die Lehrer ihre Schüler einmal wöchentlich zuhause an, erzählt der Direktor, um den Austausch mit ihnen aufrechtzuerhalten. Viele Eltern zeigen sich dankbar für das Engagement, zum Beispiel mit Gebäck für die Lehrer.

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Nach fast zweimonatiger Abwesenheit und einem stark veränderten Schulalltag beobachtet Gebauer eine Veränderung im Verhalten der Schüler: „Am ersten Schultag wirkten alle recht eingeschüchtert, sie haben sich kaum getraut, miteinander zu sprechen“, schildert er. Einerseits hätten sie sich zwar gut an die Abstandsregeln gehalten, andererseits „ist die Stimmung im Haus eine ganz andere“.

Auch an der Sophie-La-Roche-Realschule kehren die Schüler nicht in den Alltag zurück: Seit dieser Woche gibt es nur noch kurze, beaufsichtigte Pausen im Klassenzimmer, erzählt Konrektor Hans Rether. Vergangene Woche hatte noch jede Gruppe ihren eigenen Pausenplatz zugeteilt bekommen.

Das Home Office stellt Schüler, Eltern und Lehrer weiterhin vor Herausforderungen: „Es ist nicht damit getan, den Schülern nur Material zuzuschicken, wir geben auch Feedback und möchten wissen, wie es unseren Schülern geht, daher halten wir zum Beispiel regelmäßig Klassenleiterstunden per Videochat ab“, so Cornelia Klocke-Lipinski, Direktorin der Sophie-La-Roche-Realschule. Außerdem stünden die üblichen Beratungsangebote der Schulpsychologin, Beratungslehrer oder Sozialpädagogin weiterhin zur Verfügung. Die Schüler können sich dann zum Beispiel über die Online-Videoplattform Go-To-Meeting beraten lassen. „Es nehmen mehrere Schüler dieses Angebot in Anspruch – sie haben das Bedürfnis, sich mitzuteilen“, erklärt Klocke-Lipinski. Zusätzlich riefen die Kollegen auch bei einzelnen Schülern an, wenn sie das Gefühl hätten, „dass der Schuh drückt oder es dem Einen oder Anderen gerade nicht so gut geht“.

 

Nebenfächer sollen nicht untergehen

Trotz der begrenzten Möglichkeiten sollen Fächer wie Kunst oder Sport nicht unter den Tisch fallen. „Wir versorgen unsere Schüler auf digitalem Weg mit Noten und spielen die Stücke auch so ein, dass die Schüler sie Zuhause als Begleitung nutzen können“, erklärt Margarete Bauer, Koordinatorin der Streicherklasse. Ein weiterer Service: „Die Schüler können ihre Instrumente in der Schule abgeben und gestimmt wieder mitnehmen.“ Auch die Bewegung kommt nicht zu kurz, so bietet Sportlehrer Oliver Knecht Taekwondo-Training via Webcam an.

Andreas Haas leitet die Kaufbeurer Beethoven-Grund-und Mittelschule. Bei ihm sind seit Montag die Viert-und Achtklässler wieder im Haus. „Ich bin positiv überrascht, wie gut die Viertklässler sich verhalten“, schildert Haas seine ersten Eindrücke. „Interessant wird es, wenn die Erstklässler kommen“, meint er.