Prozess in Kaufbeuren

Ostallgäuer verschickt verfremdete Hitlerbilder: Wie er den "Scherz" erklärt

Ein 35-jähriger Ostallgäuer hatte vor zwei Jahren verfremdete Hitlerbilder in einer Whatsapp-Gruppe verschickt. Eine Aktion, die ihn vor das Kaufbeurer Amtsgericht brachte.

Ein 35-jähriger Ostallgäuer hatte vor zwei Jahren verfremdete Hitlerbilder in einer Whatsapp-Gruppe verschickt. Eine Aktion, die ihn vor das Kaufbeurer Amtsgericht brachte.

Bild: David Ebener/dpa (Symbolfoto)

Ein 35-jähriger Ostallgäuer hatte vor zwei Jahren verfremdete Hitlerbilder in einer Whatsapp-Gruppe verschickt. Eine Aktion, die ihn vor das Kaufbeurer Amtsgericht brachte.

Bild: David Ebener/dpa (Symbolfoto)

Auch wenn es sich bei den Bildern "nicht um harte Nazi-Propaganda" handle, ändere das laut Staatsanwalt nichts an der Strafbarkeit der Aktion.
21.07.2021 | Stand: 06:33 Uhr

Wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen musste sich jetzt ein 35-jähriger Ostallgäuer vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. Er hatte vor fast genau zwei Jahren in einer fünfköpfigen Whatsapp-Gruppe drei verfremdete Bilder von Adolf Hitler verschickt. Auf einem trug dieser eine Zipfelmütze, auf einem anderen war er unter dem Titel „Adolf Hitler-Stallone“ als eine Art Rambo-Verschnitt dargestellt.

Der Staatsanwalt ging in seinem Plädoyer zwar nicht von einer rechtsradikalen Gesinnung des reuigen und einsichtigen Angeklagten aus, sondern eher von einem „etwas geschichtsvergessenen, infantilen Sinn für Humor“. Auch wenn es sich bei den Bildern „nicht um harte Nazi-Propaganda“ handle, ändere dies aber nichts an der Strafbarkeit der Aktion.

Prozess in Kaufbeuren: Ostallgäuer erhält Geldstrafe

So sah es auch der Richter. Er folgte dem Strafantrag des Staatsanwalts und verurteilte den mehrfach, aber nicht einschlägig vorbestraften Angeklagte unter Einbeziehung einer früheren Geldstrafe zu einer Gesamtstrafe von 170 Tagessätzen zu 25 Euro – insgesamt also zu einer Geldstrafe in Höhe von 4250 Euro. Das Strafmaß für den aktuellen Fall betrug dabei 60 Tagessätze. Der 35-Jährige fand die Entscheidung „super“ und nahm das Urteil sofort an.

Das Verfahren war ins Rollen gekommen, nachdem die Polizei bei Ermittlungen in der Drogenszene Handys von Verdächtigen ausgewertet hatte und dabei auch auf die Hitlerbilder gestoßen war. Zum Auftakt der Verhandlung war der Angeklagte jetzt voll geständig und sprach von einem „überhaupt nicht angebrachten Scherz“.

35-Jähriger beteuert: Keine rechte Gesinnung

Anders als heute sei er sich bei seiner Aktion der Opfer des Holocaust und des zweiten Weltkriegs nicht bewusst gewesen. Die Whatsapp-Gruppe, in der er die Bilder verschickt hatte, habe fast ausschließlich aus „Leuten aus der Drogenszene“ bestanden, zu der er heute keinerlei Kontakt mehr habe. Er sei extra in einen anderen Landkreis umgezogen und habe inzwischen auch eine unbefristete Arbeitsstelle.

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Als der Richter ihn konkret nach einer rechtsradikalen Gesinnung fragte, versicherte der 35-Jährige, dies sei bei ihm „ganz und gar nicht“ der Fall. Der Vorsitzende nahm ihm dies zwar durchaus ab, hielt aber die verhängte Strafe für „absolut angebracht“.

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