Bundestagswahl

Susanne Ferschl (Die Linke) steht für rotes Kontrastprogramm im Allgäu

Susanne Ferschl Die Linke Porträt

„Im Bundestag werden die Rahmenbedingungen für gute Arbeit geschaffen.“ Susanne Ferschl aus Kaufbeuren will eine weitere Legislaturperiode Politik in Berlin machen.

Bild: Mathias Wild

„Im Bundestag werden die Rahmenbedingungen für gute Arbeit geschaffen.“ Susanne Ferschl aus Kaufbeuren will eine weitere Legislaturperiode Politik in Berlin machen.

Bild: Mathias Wild

Susanne Ferschl (Linke) setzt sich für Soziales und Toleranz ein. Damit macht sie sich auch Feinde. Warum Ferschl nach einer Legislaturperiode erneut antritt
27.08.2021 | Stand: 05:00 Uhr

Gute Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit – mit diesen Zielen möchte die Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl (48) ihr Mandat in Berlin nach einer Legislaturperiode fortsetzen. Abermals tritt sie als Direktkandidatin bei der Wahl am 26. September im Wahlkreis Ostallgäu an, der auch Kaufbeuren, Memmingen und große Teile des Unterallgäus umfasst. „Ich habe mir im Allgäu viele Kontakte aufgebaut“, sagt sie.

Das Ringen um faire Löhne und Arbeitsbedingungen zieht sich wie ein roter Faden durch Ferschls berufliches und politisches Leben: Gewerkschafterin, Betriebsratsvorsitzende bei Nestlé Deutschland. Die Linke als politische Heimat, nachdem – wie sie sagt – „die Agenda-Politik den Sozialstaat verstümmelt hat“. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag sitzt im Ausschuss für Arbeit und Soziales, leitet den Arbeitskreis Arbeit, Soziales und Gesundheit. „Im Bundestag werden die Rahmenbedingungen für gute Arbeit geschaffen“, sagt sie.

Ferschl sieht es so: Sie setzt bislang in der Opposition des Parlaments das fort, wofür sie sich früher im Betrieb engagiert habe. Für ein Land, in dem Reichtum das ist, was allen gehöre, wie ihre Partei postuliert. Ferschl will unbefristete Arbeitsverhältnisse, Mitbestimmung und sichere Einkommen, womit das Leben vor allem für junge Menschen planbar werde. Den Mindestlohn würde sie mit ihrer Partei umgehend auf zwölf Euro erhöhen. Keine prekäre Arbeit mehr, keine Altersarmut, sagt sie.

Eine Besonderheit des Wahlkreises ist die Konstellation mit dem CSU-Abgeordneten Stephan Stracke, der wie Ferschl im Ausschuss für Arbeit, Soziales und Gesundheit arbeitet und aus dem Raum Kaufbeuren stammt. Man duzt sich seit dem vergangenen Wahlkampf, aber damit hat es sich schon mit den Gemeinsamkeiten. „Oft die gleichen Themen, aber unterschiedliche Standpunkte“, sagt Ferschl. „Für die Wähler ist das doch interessant.“ B12-Ausbau? Lehnt sie ab. Aus Umweltgründen und weil die Verkehrsader dann noch mehr Autos in den Süden des Allgäus schwemme. Ferschl fordert statt Straßenausbau und Flughafen-Förderung, den Schienenverkehr für Menschen und Güter auszubauen, Bahnhöfe attraktiver und barrierefrei zu machen. Amazon-Ansiedlung in Memmingen? Laut Ferschl allenfalls mit Tarifbindung und fairen Wettbewerbsbedingungen. Sie begleite die strukturellen Veränderungen in der regionalen Krankenhauslandschaft und der Pflege kritisch im Sinne der Beschäftigten und Patienten, sagt Ferschl. „Dort legen wir die Finger in die Wunde.“

Die Schattenseiten des Mandats

Die Schattenseiten des Mandats hat die Abgeordnete kennengelernt, als sie Anfang des Jahres eine Todesdrohung über ein soziales Netzwerk erhielt. Sie erstattete Anzeige, die Ermittlungen hätten bislang zu keinen Ergebnissen geführt. Nach Hassbotschaften in den Briefkästen ihrer Bürgerbüros und Aufkleber der rechtsextremen Identitären Bewegung sei zumindest ein Verdächtiger ermittelt worden. „Das hörte dann auch auf“, sagt sie und lobt die Unterstützung durch die Polizei. Sie lasse sich nicht einschüchtern, wenngleich ihr die Sorge um die Mitarbeiter niemand nehmen könne.

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Ein Fazit nach vier Jahren Bundestag: „Wir sind mit unserer Arbeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Zur Eröffnung ihres Wahlkreisbüros in Kaufbeuren kamen seinerzeit der CSU-Bürgermeister, Stadträte von SPD und Grünen. Die Nachfrage nach Terminen in der Bürgersprechstunde? Anfangs mau. „Mittlerweile bin ich mitunter Wochen vorher ausgebucht“, sagt sie. Vom Unternehmer bis zur Rentnerin sei jeder dabei. Sie besuche als Abgeordnete Schulen, die jüngste Buchlesung ihrer Parteikollegin, Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, in Kaufbeuren sei hervorragend besucht gewesen. Der Blickwinkel auf Die Linke, sagt die Kandidatin, habe sich auch im Allgäu längst gewandelt.

Zur Person

  • Persönliches: Geboren in Schwaz (Österreich), aufgewachsen im Allgäu. Lebt mit ihrem Ehemann in Kaufbeuren. Verreist gern im Campingbus. Wanderleiterin im Deutschen Alpenverein.
  • Ausbildung: Abitur, gelernte Chemielaborantin, Ausbildung zu Business-Coach und Mediatorin, Gewerkschafterin, bis 2018 Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei Nestlé Deutschland.
  • Ämter: Bundestagsabgeordnete, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, Sprecherin für Gute Arbeit in der Fraktion, Leiterin des Arbeitskreises Arbeit, Soziales und Gesundheit, Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand Bayern der Partei.