Tänzelfest-Serie

AZ-Redakteurin erinnert sich: "Das Tänzelfest ist wie ein alter Freund aus Kindertagen"

Früher großer Rummel-Fan, heute eher angetan vom Lagerleben: AZ-Redakteurin Jessica Stiegelmayer war schon als Kind auf dem Tänzelfest, viele Jahre später auch als Erwachsene.

Früher großer Rummel-Fan, heute eher angetan vom Lagerleben: AZ-Redakteurin Jessica Stiegelmayer war schon als Kind auf dem Tänzelfest, viele Jahre später auch als Erwachsene.

Bild: Mathias Wild, Stiegelmayer

Früher großer Rummel-Fan, heute eher angetan vom Lagerleben: AZ-Redakteurin Jessica Stiegelmayer war schon als Kind auf dem Tänzelfest, viele Jahre später auch als Erwachsene.

Bild: Mathias Wild, Stiegelmayer

So viel, so bunt, so lebendig: Jessica Stiegelmayer erlebte den Trubel als Kind und kam erst Jahre später zurück. Über Großstadtgefühle in Kaufbeuren.
13.07.2021 | Stand: 06:03 Uhr

In Kaufbeuren wäre in diesen Tagen die fünfte Jahreszeit. Eigentlich. Zum zweiten Mal fällt das Tänzelfest wegen der Corona-Pandemie aus. Die Kaufbeurer hoffen nun auf 2022. Bis dahin helfen Erinnerungen. Mitglieder unserer Redaktion blicken in den nächsten Tagen auf ganz persönliche Erlebnisse rund um Festzüge, Lagerleben und Rummel zurück.

Lang nicht gesehen und doch gleich erkannt; das Tänzelfest ist für mich wie ein alter Freund aus Kindertagen. Man erinnert sich verschwommen, dichtet vermutlich vieles dazu, und ist sich doch im Grunde sicher, dass es eine schöne Zeit war. In dieser Stadt, die mir als Kind so groß und aufregend vorkam. Als ich bei meiner Tante übernachtete, das Fenster gekippt, Gelächter in den Altstadtgassen hörte, Kofferrollen über Straßenpflaster.

Kein klassisches Tänzelfestkind

Auf dem Tänzelfest war ich schon als Baby. Sagen meine Eltern, erinnern kann ich mich daran natürlich nicht. Geboren im Ostallgäu war ich allerdings kein klassisches Tänzelfestkind. Bin nie beim Festzug mitgelaufen oder habe Waren auf dem Häfelesmarkt feil geboten. Trotzdem faszinierte mich das bunte Treiben, auch wenn mir die vielen Menschen erst nicht so ganz geheuer waren, sagt meine Mama.

Meine Tante, die eigentlich meine Großtante ist, aber als Kind ist das egal, wohnte früher in der Kaufbeurer Altstadt. Sie wirkte sogar beim Lagerleben der ersten Stunde mit, bei den Kunstreitern. Schwedenbraten, Schmalzbrote, Weinstube. Fand ich damals vermutlich nicht so interessant. Aber als ich Jahre später wieder nach Kaufbeuren kam, mich durchs Lagerleben treiben ließ, von Hinterhof zu Hinterhof, war ich begeistert.

Was macht das Kaufbeurer Tänzelfest aus?

Wenn ich mit Kaufbeurern über das Tänzelfest spreche, frage ich oft, was das Fest ausmacht. Und höre dann oft: Tänzelfest ist die Zeit im Jahr, in der alle nach Kaufbeuren zurückkehren. Sich wiedertreffen, Freunde, Verwandte, alte Weggefährten. Die Stadt ist voller Leben und das spürt man während dieser Tage an jeder Ecke.

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Bevor ich in die Schule kam, zogen wir um, vom Allgäu nach Franken. Aufs Tänzelfest folgten Kiliani und Barbarossa-Spectaculum, danach Dult und Regensburger Spectaculum.

Nach vielen Jahren zurück in Kaufbeuren

Erst viel später, mit Anfang 20, stand ich wieder vor den Toren. Schrieb das erste Mal über Festzug und Lagerleben. Doch die Erinnerung traf mich schon davor. Als mir meine Kollegin mein Festabzeichen gab, musste ich lächeln. Weil ich auf diese kleine Holzplakette schaute und zugleich das Bild vor Augen hatte, wie ich mein erstes Tänzelfestabzeichen stolz herumzeigte und später in mein Kinderzimmer hing.

Vermutlich hatte mir meine Mutter ihr Abzeichen damals geschenkt und wahrscheinlich war es auch nicht das erste, das ich fröhlich durch die Gegend trug. Aber wie das mit Kindheitserinnerungen so ist, vermischt sich vieles, mit anderen Erinnerungen, mit Erzählungen. Bis am Ende ein Gefühl bleibt, von freudiger Aufregung, einer pulsierenden Stadt und kindlicher Unbedarftheit.

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