Statt Tänzelfest

Vom Zunftleben und von einem brennenden Turm

KW kaufbeurer Geschichten II

Thomas Garmatsch und Simone Dopfer präsentierten im Hof des Stadtmuseums eine Sonderausgabe der Kaufbeurer Stadtgeschichten.

Bild: Harald Langer

Thomas Garmatsch und Simone Dopfer präsentierten im Hof des Stadtmuseums eine Sonderausgabe der Kaufbeurer Stadtgeschichten.

Bild: Harald Langer

Sonderausgabe der Stadtgeschichten tröstet Kaufbeurer über das ausgefallene Tänzelfest hinweg.
11.07.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Sitzkissen, Liegestühle und Decken auf dem Rasen zwischen hochragenden Gebäuden und mittendrin im Innenhof des Stadtmuseums 31 Personen (Mädels und Buben, Mamas und Papas, Omas und Opas) bildeten den ungewöhnlichen Rahmen für eine ungewöhnliche Theatervorstellung. Die Kulturwerkstatt betätigte sich als Nothelfer für den erneuten coronabedingten Ausfall des Tänzelfestes und verabreichte dem gespannt wartenden Publikum ein Trostpflaster mit einer Sonderausgabe der Kaufbeurer Stadtgeschichten. Simone Dopfer und Thomas Garmatsch wirbelten als Frau Maierhof und Herr Wiedemann über die Bühne und durch die Geschichte von Buronia.

Originelle Spontaneität

Das Paar beeindruckte mit einer sprühenden und nie um originelle Spontaneität verlegenen Spiellaune. Die Darsteller scheuten sich nicht, manch spannende und ernste Episode in herrliches Chaos und kräftig gewürzten Klamauk aufzulösen – sehr zur Freude des Publikums. Frau Maierhof und Herr Wiedemann demonstrierten spielerische Harmonie, sprachen vor allem die Kinder direkt an und forderten sie zum interaktiven Mitmachen auf.

In Schubladen versteckt

Die Geschichten waren in Schubladen versteckt, die während des Spiels ausgepackt wurden. So schilderten Garmatsch und Dopfer das Zunftleben etwa der Metzger, der Weber und der Bäcker in der mittelalterlichen Stadt. Eine Sonderstellung nahm die Brauerzunft ein. Sie war durch die Auflösung der Schusterzunft entstanden: „Schuhe waren viel zu teuer, kauft man nicht mehr“ oder „vom Schuh zum Bierkrug“ wie Herr Wiedemann genüsslich bemerkte. Höhepunkt war die nachgespielte, berüchtigte Schwörszene eines nicht namentlich genannten bayerischen Regenten. Frau Maierhof in kaiserlichem Gewande, auf die Spitze der Kulisse geklettert, ließt den darunter knienden Bürger Wiedemann schwören, dass er all sein Hab und Gut der Obrigkeit schenkt. Auch die Geschichte der Türme in der Stadt wurde erläutert. Als der Fünfknopfturm brannte löschten die wackeren Kaufbeurer etwa in Ermangelung von Wasser die Flammen mit Milch und brannten nebenbei Waffeln.

Jubelnder Applaus

Es ist die Leichtigkeit, mit der die oft schwere und ernste Historie aufgelöst wird, die sich zu einem pädagogischen Prinzip entwickelt hat und nachhaltiges Lernen ermöglicht, so erklärt Frau Maierhof den intellektuellen Ansatz einer im positiven Sinne verrückten Idee. Es sei ein Klasse-Theaternachmittag gewesen, so im jubelnden Applaus zu vernehmen.

Lesen Sie dazu auch: Statt Tänzelfest in Kaufbeuren Konzerte und Familienpark

Lesen Sie auch
##alternative##
Kabarett in Kaufbeuren

Arnulf Rating rechnet im Kaufbeurer Podium mit Politikern ab