"Es war nie vorbei"

Wie die Kaufbeurer Kulturwerkstatt die Corona-Pause überstanden hat

Kulturwerkstatt Plakat Verrückte Zeiten

„Verrückte Zeiten“ hat die Kulturwerkstatt Kaufbeuren in den vergangenen Monaten hinter sich. So trägt die Zwischenspielzeit, die Mitte Juli startet, diesen Titel. Ein Banner am Theater Schauburg wirbt dafür.

Bild: Mathias Wild

„Verrückte Zeiten“ hat die Kulturwerkstatt Kaufbeuren in den vergangenen Monaten hinter sich. So trägt die Zwischenspielzeit, die Mitte Juli startet, diesen Titel. Ein Banner am Theater Schauburg wirbt dafür.

Bild: Mathias Wild

Förderer wie die Sparkasse stehen zu dem Kaufbeurer Kinder- und Jugendtheater. Das plant die Einrichtung jetzt.
04.07.2020 | Stand: 12:30 Uhr

Eine Frage mag Kulturwerkstatt-Leiter Thomas Garmatsch derzeit gar nicht: „Geht es bei Ihnen dann auch wieder los?“ Freilich hätten die Corona-Einschränkungen dafür gesorgt, dass der Proben- und Aufführungsbetrieb beim Kaufbeurer Kinder- und Jugendtheater komplett zum Erliegen gekommen ist. Aber: „Es war nie vorbei“, betont Garmatsch. Auch während des Shutdowns hätten er und seine Kollegen intensiv pädagogisch und kreativ gearbeitet. Nachdem jetzt wieder Gruppenarbeit und Aufführungen vor kleinem Publikum möglich sind, hat die Kulturwerkstatt kurzerhand die Sommerpause gestrichen und startet in eine Zwischenspielzeit mit vielen Unbekannten.

„Wir haben in der Krise viel gelernt“, sind sich Garmatsch und seine Kollegin Martina Quante einig. Das Kulturwerkstatt-Team hat ausprobiert, wie Gruppenstunden auch online funktionieren können. Zusammen mit den Kindern und Jugendlichen wurden während der Bühnen-Zwangspause drei komplett neue Theaterstücke entwickelt. Die Gruppenleiter haben ihre Schützlinge auch zu Hause besucht, um den Kontakt nicht abreißen zu lassen, haben sich kleine Herausforderungen für sie einfallen lassen und ins Internet gestellt. Zudem habe sich das KW-Team in die Kunst des Filmemachens und -schneidens eingearbeitet. „Ich denke, wir gehen gestärkt aus der Sache raus“, sagt Garmatsch zum künstlerischen Aspekt der Corona-Pause.

Jugendliche haben reale Gruppenstunden vermisst

Allerdings sei deutlich zu spüren, dass die Kinder und Jugendlichen die realen Gruppenstunden im Theater als Treffpunkt und Kommunikationsmöglichkeit mit ihren Freunden „sehnlichst vermisst“ haben, weiß Quante. Auch wenn diese seit gut zwei Wochen wieder laufen, sei an Theaterproben im klassischen Sinn noch nicht zu denken. Die Vorschriften zum „pandemiesicheren Arbeiten auf der Bühne“ schreiben beispielsweise ein Kontaktverbot vor. Das sei mit den jungen Mimen kaum umzusetzen. Deshalb konzentriert man sich bei der Kulturwerkstatt derzeit auf die Textarbeit und längerfristig auf das Theaterprojekt „Wolfswald“, bei dem wieder an verschiedenen Stellen im Wald am Bärensee gespielt wird.

Und wie sieht die wirtschaftliche Bilanz des Kinder- und Jugendtheaters nach dem Shutdown aus? Die Eintrittsgelder machten nur einen kleinen Teil der Einnahmen der Kulturwerkstatt aus, berichtet Garmatsch. Deshalb hätten die abgesagten Aufführungen keine allzu dramatischen Auswirkungen. Als Einrichtung des Stadtjugendrings Kaufbeuren steuert letztlich die Stadt Kaufbeuren einen beträchtlichen Teil des Budgets bei. Dazu kommen die finanziellen Beiträge der Eltern für die Theaterarbeit ihrer Kinder, und „die sind uns glücklicherweise treu geblieben“, freut sich Garmatsch.

Förderer und Sponsoren bleiben der Einrichtung treu

Dies gelte auch für die Förderer und Sponsoren der Einrichtung, etwa die Sparkasse Kaufbeuren, mit der die Kulturwerkstatt seit vielen Jahren eng verbunden ist. „Unserer Partner lassen uns nicht hängen, und das tut schon gut“, bekennt der Theaterchef. Finanzielle Löcher tun sich durch die Corona-Krise aber trotzdem auf. So falle vermutlich noch längere Zeit der Thekenbetrieb im Theater Schauburg weg. Das von Mitgliedern des Fördervereins ehrenamtlich betriebene gastronomische Angebot haben im Jahr rund 10 000 Euro in die Theaterkasse gebracht. Die fallen heuer wohl fast komplett weg.

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„Verrückte Zeiten“ eben. So ist denn auch die kommende Spielzeit betitelt, die vorerst bis Weihnachten vor allem Repertoirestücke bietet. Da dabei zumeist wenige Kulturwerkstatt-Profis auf der Bühne stehen, kann die Vorschrift des „kontaktfreien Spiels“ gut eingehalten werden. „Über ein Stück mit 30 Jugendlichen auf der Bühne brauchen wir derzeit nicht nachzudenken“, sagt Quante. Da im Theater Schauburg maximal 54 Zuschauer sitzen dürfen, hat die Kulturwerkstatt den idyllischen Hof des Stadtmuseums als neue Freiluft-Spielstätte für sich entdeckt.

Dort startet am Samstag, 11., und Sonntag, 12. Juli, die Zwischenspielzeit mit einer Spezialausgabe der „Stadtgeschichten“. Thema ist natürlich das Tänzelfest, das an diesem Wochenende eigentlich hätte stattfinden sollen. Aufführungen sind samstags und sonntags jeweils um 11 und um 14 Uhr - vorausgesetzt, das Wetter ist trocken. (Ein ausführlicher Artikel zur kommenden Kulturwerkstatt-Saison folgt).

Karten gibt es im Vorverkauf beim Stadtmuseum Kaufbeuren, bei allen Reservix-Verkaufsstellen sowie im Internet.