Mit Video

Wie Fallschirmsprung-Profis jetzt auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst trainieren

Einen Punkt mit nur zwei Zentimetern Durchmesser auf der Matte mit der Ferse zu treffen, ist das perfekte Ergebnis für einen Zielspringer.

Einen Punkt mit nur zwei Zentimetern Durchmesser auf der Matte mit der Ferse zu treffen, ist das perfekte Ergebnis für einen Zielspringer.

Bild: Mathias Wild

Einen Punkt mit nur zwei Zentimetern Durchmesser auf der Matte mit der Ferse zu treffen, ist das perfekte Ergebnis für einen Zielspringer.

Bild: Mathias Wild

Der Fliegerhorst beherbergt gerade Fallschirmspringer und Hubschrauberbesatzungen. Weltmeister gehören auch dazu. So sieht es aus, wenn die Profis trainieren.
27.08.2020 | Stand: 18:07 Uhr

„Ein Fliegerhorst ohne Flugbetrieb ist wie Weihnachten ohne Weihnachtsbaum“, sagt Oberst Martin Langer. Der Kaufbeurer Kommandeur freut sich deshalb, dass in seinem Fliegerhorst wenigstens vorübergehend wieder ein wenig Flugbetrieb herrscht. Deshalb nahm er sehr gerne sowohl die Sportfördergruppe Fallschirmspringen aus dem oberbayerischen Altenstadt als auch das Transporthubschrauberregiment aus dem baden-württembergischen Niederstetten für diese Woche auf.

Die beiden unterschiedlichen Teams üben harmonisch nebeneinander bei der Start- und Landebahn. Über deren Stilllegung wird wie berichtet gerade beraten. Ein Eurofighter darf nicht mehr auf ihr landen, weshalb die Ausbildungsmaschinen neuerdings vom Lechfeld aus auf der Straße nach Kaufbeuren transportiert werden müssen. Doch für die Cessna der Fallschirmspringer und die Rettungshubschrauber eignet sich das Gelände weiterhin sehr gut. Langer macht sich ohnehin dafür stark, den Flugplatz in Kaufbeuren zu behalten. Die Entscheidung darüber „wurde angehalten“, berichtet er – eventuell ein erstes positives Zeichen. Die Gäste jedenfalls fühlen sich sehr wohl im Fliegerhorst und möchten ihn gerne auch wieder einmal nutzen.

Bilderstrecke

Fallschirmspringer der Sportfördergruppe aus Altenstadt trainieren auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst.

Die Fallschirmspringer waren laut Leiter Oliver Vent früher schon immer mal wieder in Kaufbeuren zu Gast. Irgendwann sei diese Tradition eingeschlafen, um jetzt wiederbelebt zu werden. Unter Vents Leitung üben gerade 14 Leistungssportler, darunter zwei Frauen, mit ihren beiden Trainern. Sie bereiten sich auf die offenen tschechischen Meisterschaften vor, die nächste Woche stattfinden, falls die Corona-Pandemie es nicht noch verhindert. Eine Woche darauf kehren die Sportler nochmals nach Kaufbeuren zurück.

Eine von einem privaten Dienstleiste angemietete Cessna bringt die Fallschirmspringer in die Luft. Von einer Höhe von bis zu 3650 Metern fallen sie dann je nach Disziplin vom Himmel. Sie üben Formations-, Stil- und Zielspringen (siehe unten). Mit dabei sind die beiden amtierenden Weltmeister Stefan Wiesner und Elischa Weber. Die ganze Gruppe ist laut Vent seit Jahren „nicht mehr aus der Weltspitze wegzudenken“. Zuletzt holte sie vier Goldmedaillen bei den Sommer-Militärweltspielen 2019 in Wuhan/China. Es folgte die Corona-Pandemie, die alle weiteren internationalen Wettbewerbe ausfallen ließ. Das Training läuft dennoch planmäßig weiter. Jedes Mitglied der Fallschirmspringergruppe absolviert laut Vent 600 bis 700 Sprünge pro Jahr. In Kaufbeuren fühlen sie sich „super aufgehoben“.

Die Disziplinen der Fallschirmspringer

Zielspringen Der Athlet versucht nach dem Absprung aus 1000 Metern Höhe, mit der Ferse einen Punkt von zwei Zentimetern Durchmesser zu treffen.

Stilspringen Der Sportler springt aus 2200 Metern ab und muss ein Bewegungsprogramm absolvieren. Es besteht aus je zwei Drehungen, und je einem Rückwärtssalto in zweimaliger Abfolge. Der Athlet erreicht Spitzengeschwindigkeiten bis zu 340 Stundenkilometern.

Formationsspringen Die Mannschaft besteht aus vier Aktiven und einem Kameramann. Sie springt aus einer Höhe zwischen 3200 und 4000 Metern und wiederholt festgelegte Formationen.