Mit App und Co.

Wie Kaufbeuren zu einer digitalen Stadt werden will

Alexander Uhrle ist der neue Beauftragte des Stadtrats für die Digitale Stadt. Im IT-Labor Bayern LAB können die Kaufbeurer schon jetzt neueste Technik anfassen und ausprobieren.

Alexander Uhrle ist der neue Beauftragte des Stadtrats für die Digitale Stadt. Im IT-Labor Bayern LAB können die Kaufbeurer schon jetzt neueste Technik anfassen und ausprobieren.

Bild: Mathias Wild

Alexander Uhrle ist der neue Beauftragte des Stadtrats für die Digitale Stadt. Im IT-Labor Bayern LAB können die Kaufbeurer schon jetzt neueste Technik anfassen und ausprobieren.

Bild: Mathias Wild

Alexander Uhrle ist Beauftragter des Stadtrats. Wie er die Bürger einbinden möchte

04.09.2020 | Stand: 06:15 Uhr

Im Laufe des nächsten Jahres möchte Alexander Uhrle mit seinen Mitstreitern eine Agenda für die nächsten fünf Jahre erarbeitet haben, die Kaufbeuren auf dem Weg in die Digitale Stadt voranbringt. Der 37-Jährige ist in diesem Bereich neuer Beauftragter des Stadtrats. Unterstützt wird der stellvertretende Fraktionssprecher der Kaufbeurer Initiative dabei von Mitgliedern der Generation KF, allen voran Max Nocker und Moritz Lill.

Das ist Uhrle wichtig, denn er möchte wissen, was die jungen Menschen denken. „Ich möchte erst einmal die Erwartungen abklopfen, wissen, wie sich die Menschen die Weiterentwicklung der Digitalisierung vorstellen“, sagt Uhrle. Demnächst soll es deshalb einen offenen Stammtisch für Bürger und Wirtschaftsvertreter zu dem umfassenden Thema geben.

Gremium mangelt es an IT-Kompetenz

Uhrle beschäftigt sich seit vielen Jahren hauptberuflich damit. Nach seiner Lehre zum Informatikkaufmann bei der Sparkasse Kaufbeuren arbeitete er bei international tätigen Firmen und betreute unter anderem IT-Projekte in Asien und Südamerika. Dadurch erlangte er ein breites Fachwissen, das er nun dem Stadtrat zugutekommen lassen möchte.

Dem Gremium fehle die IT-Kompetenz derzeit noch komplett, sagt Uhrle. Das habe er schon bemerkt, als er 2019 für Alexius Batzer in den Stadtrat nachrückte. Nach der Wahl 2020 habe auch die Generation KF den Wunsch gehegt, einen Digitalbeauftragten zu installieren. Und nachdem er der einzige hauptberufliche Informatiker im Gremium sei, sei die Wahl auf ihn gefallen. Für den Stadtrat selbst könnte er sich vorstellen, den Papierverbrauch zu reduzieren und mehr Transparenz für die Bürger zu schaffen. „Das ist wichtig, auch als Selbstschutz“, sagt Uhrle. Er möchte die Bürger motivieren, bei der Stadtpolitik mitzumachen.

Ansprechpartner sein statt Vorschriften erlassen

Und er will als Beauftragter für die Digitale Stadt offen für die Anregungen aus der Bevölkerung und der Wirtschaft sein. „Es kann ja sein, dass ich eine völlig falsche Denkweise habe“, sagt er. Deshalb sei ein Austausch sehr wichtig. „Ich möchte der Wirtschaft nichts vorschreiben, sondern nur Ansprechpartner in Zusammenarbeit mit der Stadt sein“, so Uhrle weiter. Potenzial sieht er für digitalen Handel.

Gut angekommen sei die Buron-App. Die offizielle App der Stadtverwaltung bietet den Nutzern News, Veranstaltungskalender und Informationen zur Stadt. Leider wüssten viele junge Kaufbeurer gar nichts von der Existenz der App, bedauert Uhrle. Deshalb möchte er weiterhin mit den Schulen zusammenarbeiten, um die Jugend direkt informieren zu können.

Angebot des digitalen Bürgerservice sei "rudimentär"

Als „sehr rudimentär“ bezeichnet er das momentane Angebot des digitalen Bürgerservice. Bevor dieser erweitert werde, müsse jedoch abgeklopft werden, was die Menschen überhaupt wollen. Darüber stehe er in gutem Austausch mit dem städtischen IT-Chef Jürgen Wittek und Referatsleiter Thomas Zeh. Uhrle könnte sich vorstellen, dass die Bürger künftig etwa nicht nur telefonisch, sondern auch online Termine im Bürgerbüro buchen oder in der Stadtbücherei Lesestoff online suchen können. Wichtig ist es Uhrle, sich am tatsächlichen Bedarf der Kaufbeurer zu orientieren, um nicht „Zeit und Geld zu verbrennen“.

Insgesamt habe Deutschland im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung viel aufzuholen. In der Corona-Pandemie sei etwa deutlich geworden, wie wenig Kompetenz es an den Schulen gebe. Es reiche nicht, sie technisch auszustatten. Es brauche auch jemanden, der die IT dort betreue. Auch beim E-Government (die Möglichkeit, Behördengänge online zu erledigen) schlafe Deutschland „massiv“. „Digitalisierung passiert nicht in Zukunft, sie findet in der Gegenwart statt, wir sind mittendrin“, sagt Uhrle.