Investor und Stadt uneins

Zoff um geplantes Wohnquartier am Afraberg in Kaufbeuren

Das alte Brauereigelände über der Altstadt von Kaufbeuren: Dort soll einmal ein Wohngebiet entstehen.

Das alte Brauereigelände über der Altstadt von Kaufbeuren: Dort soll einmal ein Wohngebiet entstehen.

Bild: Harald Langer

Das alte Brauereigelände über der Altstadt von Kaufbeuren: Dort soll einmal ein Wohngebiet entstehen.

Bild: Harald Langer

Stillstand auf dem Afraberg: In Kaufbeuren gibt es Streit um das geplante Wohngebiet auf dem alten Brauereigelände. Warum sich die Stadt und der Investor uneins sind.
18.05.2021 | Stand: 18:29 Uhr

Schon lange tut sich kaum etwas auf dem alten Brauereigelände am Afraberg, das Investor Florian Biasi von der Panntum Projektentwicklung in München zu einem Wohnquartier umwandeln möchte. Der Grund: Zwischen Eigentümer und Stadt knirscht es. Beide Seiten haben unterschiedliche Vorstellungen, mit welchem Planungsverfahren das Gelände zwischen der alten Gießerei im Süden und dem Hauberrisserhaus im Norden zu einem Wohngebiet mit 350 Einheiten entwickelt werden soll.

Dem Investor geht es zu langsam

Biasi ist sauer. Aus seiner Sicht könnte es viel schneller gehen auf der Brache über der Altstadt, die er im Jahr 2018 der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG abgekauft hat. Dort gibt es verfallene Gebäude, denkmalgeschützte Bauten und die stadtbildprägende Zeppelinhalle. „Das ist etwas ganz anderes als das Forettle“, sagt er zu dem knapp viereinhalb Hektar großen „hochkomplexen“ Baugebiet. Biasi würde das Areal gerne teilen, mit zwei Bebauungsplänen entwickeln. „Im Süden könnten wir viel weiter sein“, sagt er. Es gebe Interessenten. Rund um und in der Gießerei sind Wohnungen und eine Kita geplant.

So stellen sich die Planer die Bebauung des Geländes westlich der Altstadt von Kaufbeuren vor.
So stellen sich die Planer die Bebauung des Geländes westlich der Altstadt von Kaufbeuren vor.
Bild: 3+Architekten Glogger, Müller

Komplizierter gestaltet sich der nördliche Teil, wo mehrere Wohnblöcke im denkmalgeschützten Umfeld geplant sind, die Zeppelinhalle mit öffentlicher Nutzung weiterentwickelt und mit einer Art Schrägaufzug von der Altstadt aus zugänglich gemacht werden soll. Dort kann sich Biasi auch Partner vorstellen, die einzelne Projekte unter eigener Regie weiter vorantreiben.

Stadt will das ganze Gelände überplanen

Die Stadt pocht indes auf einen sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der für das ganze Areal gilt. Dieses Verfahren empfehlen laut Baureferent Helge Carl auch der Gestaltungsbeirat und die Rechtsberatung der Stadt. Solche Regelwerke in Verbindung mit einem Durchführungsvertrag gehen ins Detail, beantworten die wesentlichen planerischen Fragen, legen einen Zeitplan für die Umsetzung fest und binden den Grundstückseigentümer an die Vereinbarungen.

Auch in der Füssener Straße geht nichts voran

Carl verweist auf das geplante Baugebiet an der Füssener Straße, wo seit Jahren nichts vorangeht und lediglich zwei Gebäude im Rohbau stehen. Baurecht werde künftig nur noch dann geschaffen, wenn es für die Verwirklichung klare vertragliche Regeln und Fristen gibt, so Carl. Investoren hätten natürlich jederzeit das Recht, Grundstücke wieder zu veräußern. Die Stadt müsse aber sicherstellen, dass auch in solchen Fällen die vereinbarten Ziele erreicht werden. „Wir würden das Areal am Afraberg gerne mit Herrn Biasi entwickeln“, sagt Carl, der dort große Chancen für die Stadtentwicklung sieht.

Verbindungen zur Altstadt

Zumal der Planungsumgriff wegen der Verflechtung mit der Altstadt um den Hang rund um den Hirschkeller vergrößert wurde. Dort könnte laut Carl der ehemalige Stadtgraben wieder hergestellt und die Aufzugsanlage gebaut werden. Auch die Aktienbrauerei ist in das Verfahren einbezogen, da Brauwasser aus dem Afraberg gewonnen wird.

Bald soll es weitere Gespräche geben

Investor Biasi hofft indes auf ein weiteres Gespräch mit den Vertretern der Stadt nach den Pfingstferien. Bleibe die Stadt bei ihrer Vorstellung, müsse er weitere zwei Millionen Euro allein für die Planung in die Hand nehmen. Bis zum Baurecht würde es noch einmal vier Jahre dauern.