Tag der Arbeit

Allgäuer Gewerkschafts-Vertreter: „Homeoffice muss besser geregelt werden“

Allgäuer Gewerkschaften fordern bessere Regeln fürs Homeoffice. Am "Tag der Arbeit" geht es ihnen außerdem insbesondere um Solidarität.

Allgäuer Gewerkschaften fordern bessere Regeln fürs Homeoffice. Am "Tag der Arbeit" geht es ihnen außerdem insbesondere um Solidarität.

Bild: Fabian Strauch, dpa

Allgäuer Gewerkschaften fordern bessere Regeln fürs Homeoffice. Am "Tag der Arbeit" geht es ihnen außerdem insbesondere um Solidarität.

Bild: Fabian Strauch, dpa

Wegen Corona verzichten Gewerkschaften am "Tag der Arbeit" auf ihre Kundgebung. Dennoch fordern sie mehr Solidarität. Über Tarife, Missstände und "Querdenker".
01.05.2021 | Stand: 12:19 Uhr

Die Corona-Krise trifft zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hart. Einige Menschen leben seit einem Jahr vom Kurzarbeitergeld und müssen, um sich zu finanzieren, an ihr Erspartes gehen oder gar einen Kredit aufnehmen. Andere sehen sich im Homeoffice vor neue Herausforderungen gestellt: Wie trenne ich Berufliches und Privates? Bin ich überhaupt ausreichend ausgestattet? Die Allgäuer Gewerkschafts-Vertreter haben aktuell eine Menge Themen im Blick, die sie am liebsten laut anprangern würden. Doch angesichts der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen in der Region sagten sie ihre für Samstag zum „Tag der Arbeit“ geplante Kundgebung ab. Die Gewerkschaften meldeten sich daher vorab zu Wort. Ihr Motto: „Solidarität ist Zukunft“.

DGB fordert: Nur Aufträge an Unternehmen mit Tarifbindung

Die zentrale Forderung dabei: die Tarifbindung stärken. Nur Tarifverträge garantieren, dass Arbeitnehmer zusammen mit ihren Gewerkschaften auf Augenhöhe mit den Arbeitgebern über Löhne und Arbeitsbedingungen verhandeln können, sagt Ludwin Debong, Allgäuer Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Auch Arbeitgeber profitieren seiner Ansicht nach davon, denn Flächentarifverträge seien die Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb. Deshalb fordert der DGB Allgäu unter anderem Kommunen auf, dass Unternehmen ohne Tarifverträge künftig keine Aufträge mehr erhalten. Gerade im Allgäu herrsche bei diesem Thema großer Nachholbedarf, sagt Debong.

"Solidarität ist Zukunft" lautet das Motto der Gewerkschaften. Die geplante Kundgebung in Kempten fiel am "Tag der Arbeit" wegen der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen aus. Stattdessen positionierten sich einige Vertreter kurz für ein Foto auf dem Hildegardplatz.
"Solidarität ist Zukunft" lautet das Motto der Gewerkschaften. Die geplante Kundgebung in Kempten fiel am "Tag der Arbeit" wegen der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen aus. Stattdessen positionierten sich einige Vertreter kurz für ein Foto auf dem Hildegardplatz.
Bild: Matthias Becker

Die Corona-Krise hat im vergangenen Jahr einiges in der Arbeitswelt verändert – oder stärker in den Fokus gerückt. Zu den Branchen, für die die Gewerkschafter besonders dringenden Handlungsbedarf erkennen, zählen unter anderem die Fleischindustrie und die Pflege. Neuerdings gehen bei der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft (Verdi) wöchentlich Anfragen von Pflegepersonal ein, das sich nach der Kündigungsfrist erkundigt, berichtet Bezirksgeschäftsführer Werner Röll. „Wir können nicht nur klatschen, wir müssen auch Taten folgen lassen“, sagt er und fordert bessere Arbeitsbedingungen – welche längst überfällig seien.

Claudia Weixler, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Allgäu, hat die Mitarbeiter in der Gastronomie im Blick. Es gebe Beschäftigte, die aufgrund der Corona-Krise mittlerweile an der Armutsgrenze leben. Deswegen fordert Weixler ein Mindest-Kurzarbeitergeld in Höhe von 1200 Euro.

Ja zu Homeoffice - aber mit Regeln

Viele Betriebe haben aufgrund der Pandemie beispielsweise mobiles Arbeiten und Homeoffice eingeführt. Das ist gut so, sagt Röll. Doch er betont: Homeoffice müsse künftig ein Recht für Arbeitnehmer sein, aber keine Pflicht. Dem stimmt Dietmar Jansen, Geschäftsführer der IG Metall Allgäu in Kempten, zu und fordert: „Homeoffice muss besser geregelt werden.“ Er verweist auf ungeklärte Fragen beim Sicherheits- und Arbeitsschutz. Der Arbeitgeber müsse zudem die nötige Ausstattung zur Verfügung stellen. Darüber hinaus warnt Jansen vor der Entwicklung, dass große Unternehmen ihre Bürokapazitäten bisweilen reduzieren und die Arbeitnehmer im Unternehmen keinen festen Platz mehr haben.

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Für viele Angestellte stelle Homeoffice aber gar keine Option dar. „Ich kann keine Maschine und keinen Traktor von zu Hause aus bauen“, sagt Jansen. Deswegen seien gute Hygienekonzepte in den Betrieben wichtig. Nicht alle, aber viele Unternehmen in der Region seien da vorbildlich. Das verpflichtende Corona-Testangebot in Betrieben hält der Gewerkschaftler dennoch für wichtig. „Den guten Arbeitgebern macht das nichts aus.“ Schwierig sei es allerdings, wenn sich einzelne Kollegen weigerten, sich testen zu lassen. „Das geht nicht, das muss sich ändern“, sagt Jansen.

Gewerkschafter positionieren sich klar zur "Querdenker"-Bewegung

Auch zur „Querdenker“-Bewegung positionieren sich die Gewerkschafter deutlich: „Wir sind immer für Meinungsfreiheit“, sagt Jansen. Doch man müsse sich fragen: „In welcher Situation gehe ich mit welchen Menschen für was auf die Straße?“ Es sei bekannt, dass unter den „Querdenkern“ auch Rechte seien. Und: „Jeder, der mit Nazis mitläuft, unterstützt Nazis.“

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