Kryptowährungen

In Kempten liegt ein Schatz von 53 Millionen Euro in Bitcoins – doch er ist unerreichbar

Die Staatsanwaltschaft sitzt sozusagen auf einem viele Millionen Euro schweren Bitcoin-Schatz. Nur die Passwörter dazu fehlen.

Die Staatsanwaltschaft sitzt sozusagen auf einem viele Millionen Euro schweren Bitcoin-Schatz. Nur die Passwörter dazu fehlen.

Bild: Pavlo Gonchar/OPA Images via ZUMA Wire, dpa

Die Staatsanwaltschaft sitzt sozusagen auf einem viele Millionen Euro schweren Bitcoin-Schatz. Nur die Passwörter dazu fehlen.

Bild: Pavlo Gonchar/OPA Images via ZUMA Wire, dpa

Die Staatsanwaltschaft Kempten hat 1730 Bitcoins, aber die Passwörter fehlen. Die Kryptrowährung lässt sich auch im täglichen Leben nutzen, etwa für Pizza.
04.02.2021 | Stand: 16:04 Uhr

Ein Schatz schlummert bei der Staatsanwaltschaft Kempten – zumindest bildlich gesprochen. Immerhin geht es um etwa 53 Millionen Euro. Mal mehr, mal weniger. Die liegen nicht in Gold im Keller, sondern kompliziert verschlüsselt in einer digitalen Geldbörse. Es handelt sich um Bitcoins, eine Kryptowährung. Die wird im Internet gehandelt und ist ein hochspekulatives Investment. Dennoch könnte man in Kempten mit digitalem Geld zumindest an einem Imbiss zahlen oder sich eine Pizza liefern lassen.

„Lieferando“ etwa ermöglicht für verschiedene Kemptener Lokale Heimbestellungen. Über die Website der Lieferplattform lässt sich das Essen mit Bitcoin bezahlen (nicht aber über die Lieferando-Handy-App). Zudem gibt es Kempten wenigstens eine Imbissbude, die Zahlungen per Bitcoin akzeptiert. Ob solche Möglichkeiten viele nutzen, ist eine andere Frage. Das Interesse an Kryptowährungen jedoch steigt, nicht zuletzt, weil Wertzuwächse gerade beim Bitcoin die Fantasie von Anlegern beflügeln.

Wie beim Aktien- und Immobilienmarkt wirken Null- und Minuszinsen als Brandbeschleuniger für spekulative Investitionen. Fachleute warnen jedoch, dass der Bitcoin extremen Kurssprüngen unterliege. So sieht es auch Heribert Schwarz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu: Für ihn ist der Bitcoin nichts für normale Anleger – nicht einmal für die Sparkasse selbst. So habe die Sparkasse Allgäu auch keine Produkte und Beratungen zu Kryptowährungen.

„Hinter dem Bitcoin steht kein Versprechen“, betont Schwarz. Die digital erzeugte Währung sei kein gesetzlich garantiertes Zahlungsmittel, schwer zu durchschauen und ohne transparente Preisfindung. Der Kurs kann beliebig in die Tiefe rauschen. Wenn Anleger die Passwörter für ihre Bitcoins verlieren, kommen sie nicht mehr ran. Ein spektakulärer Fall zog jüngst durch die Medien: Laut New York Times vergaß ein deutscher Programmierer, der in San Francisco lebt, sein Passwort und so den Zugang zu gut 7.000 Bitcoins. In Euro wäre das ein dreistelliger Millionenbetrag. Achtmal habe er ein falsches Passwort eingegeben, beim zehnten Mal seien die Bitcoins für immer verloren ...

Dennoch müssen digitale Zahlungsmittel nicht per se schlecht sein. Das ist auch Bankchef Schwarz bewusst. Sie ermöglichen neue Formen von Geldströmen, was etwa für Firmen mit Auslandsgeschäft interessant sein könnte, sagt Schwarz. Zum Beispiel, wenn man den Warenverkehr mit automatischen Zahlungen verknüpft. Das wäre viel weitreichender, als die bei den meisten Banken Europas mögliche Echtzeit-Überweisung. Auch die Europäische Zentralbank denkt über einen digitalen Euro für schnelle Finanzflüsse nach. Schwarz sieht den Entwicklungen gespannt entgegen. Das Thema werde an Aufmerksamkeit und Relevanz gewinnen.

Die Bitcoin-Kurse gehen auf und ab

Lesen Sie auch
Auf einem Monitor ist Kursverlauf des Bitcoin auf der Kryptobörse bybit zu sehen.
Bitcoin

Investieren in Kryptowährungen: Was ist dran am Bitcoin-Hype?

Und was hat es mit dem Schatz der Kemptener Justiz auf sich? Im April 2014 hatte das Landgericht einen damals 29-Jährigen unter anderem wegen Computerbetrugs verurteilt. Er besaß über 1.800 Bitcoins, die damals nur einen Bruchteil des heutigen Werts hatten. Davon waren 86 unverschlüsselt und wurden 2018 für 510.000 Euro verkauft. Das Geld floss laut Oberstaatsanwalt Sebastian Murer in die Staatskasse.

Doch die restlichen 1.730 Bitcoins sind passwortgeschützt. Sie konnten laut Murer bisher nicht verwertet werden „und sind vor einem unberechtigten Zugriff gesichert“. Ob die Staatskasse jemals an die Bitcoins herankommt, ist abzuwarten. Bis dahin wird ihr Kurswert weiter auf und ab gehen. Aktuell sind es um die 53 Millionen Euro. Vor eine Woche waren es sechs Millionen weniger.

Kryptowährungen machen auch immer mal wieder negative Schlagzeilen

Es gibt weltweit tausende Kryptowährungen – der Bitcoin ist die populärste mit dem größten Marktanteil. Schlagzeilen machen Kryptowährungen auch, weil sie für Geldwäsche, verbotene Geschäfte im Darknet und bei Erpressungen genutzt werden.

Es gibt sogar erfundene Währungen. Für den „Onecoin“ sollen Betrüger bei Anlegern über vier Milliarden Dollar eingesammelt haben. Ein mutmaßlicher Kopf dahinter hatte vor knapp einem Jahrzehnt als Investor das Gusswerk Waltenhofen an die Wand gefahren.

Allein der Bitcoin verbraucht weltweit im Jahr mehr Strom als die gesamte Schweiz. Mit 648 Kilowattstunden Stromverbrauch für eine Bitcoin-Transaktion könne man 429.000 Kreditkarten-Transaktionen machen, rechnete im November das Magazin Wirtschaftswoche.

Lesen Sie auch: Bitcoin auf Rekordjagd: Digitalwährungen knacken Eine-Billion-Marke.