Buch über den Wald

Buchen und Tannen zum Wohl der Enkel

15590 Holztransport mit Pferdestärke 1939

Holztransport mit einer Pferdestärke: Eine Aufnahme der Sonthofer Fotografin Lala Aufsberg aus dem Jahr 1939. Sie ist neben vielen anderen historischen und aktuellen Bildern in dem Buch „Generationenvertrag Wald“ von Dr. Ulrich Sauter zu finden.

Bild: Lala Aufsberg

Holztransport mit einer Pferdestärke: Eine Aufnahme der Sonthofer Fotografin Lala Aufsberg aus dem Jahr 1939. Sie ist neben vielen anderen historischen und aktuellen Bildern in dem Buch „Generationenvertrag Wald“ von Dr. Ulrich Sauter zu finden.

Bild: Lala Aufsberg

Forstwissenschaftler Ulrich Sauter erklärt in „Generationenvertrag Wald“, wieso Fichtenkulturen im Allgäu durch ursprünglichen Bergmischwald ersetzt werden sollten.
15.04.2020 | Stand: 22:14 Uhr

Was wünscht sich der Mensch mehr: grüne Wiesen, dunkle Wälder, tiefblaue Seen, klare Flüsse, majestätische Berge. Sie prägen das obere Allgäu. Solche Bilderbuchlandschaft möchte man am liebsten für immer konservieren. Doch auch in der Landschaft sei der Wandel das einzig Beständige, erklärt Dr. Ulrich Sauter , Bereichsleiter Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Diese Erkenntnis liegt seinem Buch „Generationenvertrag Wald – Verantwortung und Leidenschaft“ zugrunde. In ihm erläutert der Forstwissenschaftler, wie der Oberallgäuer Wald in Zeiten des Klimawandels fit für die Zukunft gemacht werden sollte – und wie sich dadurch die Landschaft verändern könnte.

Reich bebildert

Seine leicht verständlich formulierten Gedanken bettet Sauter in größere Zusammenhänge ein, erläutert historische Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse, wagt Prognosen und untermauert sie mit Erfahrungsschatz. Zahlreiche Abbildungen illustrieren die sachlichen Ausführungen und bildhaften Vergleiche: Historischen Aufnahmen der Sonthofer Fotografin Lala Aufsberg – vorwiegend aus den 30er Jahren – stehen aktuelle Fotos gegenüber. So ist ein aufwendig gestaltetes Buch entstanden, das viele Disziplinen miteinbezieht und Brücken zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schlägt.

„Waldwirtschaft umfasst Zeiträume, die weit über den eigenen Erfahrungshorizont einzelner Menschen hinausreichen“, schreibt Sauter: „Eine Waldgeneration kann leicht drei Menschengenerationen überdauern. Wer in der Gegenwart Bäume pflanzt, tut dies zum Wohle der (Ur-)Enkel. Man erntet, was die Großeltern gesät haben.“ Solcher „Generationenvertrag“ baue darauf, dass jeder Mensch Verantwortung für morgen trage, argumentiert der Oberallgäuer Forstchef. Und daraus folgt: „Wir haben das Erbe bestmöglich zu verwalten.“ Doch diese Verwaltung stellt Waldbesitzer und Forstwirtschaftler heute vor eine Herausforderung.

Zuviel an Stickstoff als Problem für Allgäuer Wälder

Jahrhundertelang durfte man „Bodenqualität, Wasserhaushalt und Temperaturverlauf, die entscheidenden Faktoren für Waldwachstum, als Konstanten ansehen“. Durch die Immissionen der industrialisierten Welt, den Eintrag von Luftschadstoffen, in den Wald werde die Forstwirtschaft schwerer kalkulierbar, erklärt Sauter.

Das Problem des sauren Regens habe man zwar in den Griff bekommen, aber nun bereite ein Zuviel an Stickstoff Probleme. Viele Wälder reagieren bereits gesättigt, warnt Sauter und befürchtet: Der Stickstoff könne als Nitrat im Trinkwasser, in den Brunnen landen. Zudem wandle sich durch zuviel schädliche Abgase wie etwa Kohlendioxid das Klima: Bäume verlieren an Vitalität, Wirt-Parasit-Beziehungen geraten aus dem natürlichen Gleichgewicht.

Lesen Sie auch
##alternative##
Wildverbiss in heimischen Wäldern

Allgäuer Wälder unter der Lupe: Förster untersuchen den Baumnachwuchs

Der Klimawandel erzwinge eine Anpassung der Wälder an die Wuchsbedingungen von morgen. Sauter empfiehlt statt der dominierenden reinen Fichtenkulturen den ursprünglichen Bergmischwald: Der sei von Buche und Tanne dominiert gewesen, „ganz bescheiden begleitet von der Fichte“. Erst in höheren Berglagen „ist die Fichte in ihrem Element und gibt den Ton“. Ein solcher Bergmischwald bilde für die Tallagen einen Schutzschild, „so stabil und kostengünstig, wie man das mit moderner Technik kaum nachahmen kann“. Er sei Garant gegen Schneelawinen, Steinschlag und Hochwasser. Zudem seien Wälder der größte, beeinflussbare Kohlendioxid-Speicher der Welt. Der beste Klimaschutz lasse sich in einem bewirtschafteten Wald erzielen, erklärt Sauter. Man müsse ihn so pflegen, dass er nachhaltig optimal wachse und viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre abziehe.

Unter dem Durchschnitt

Der Anteil des Waldes an der Gesamtfläche liege im Allgäu mit 35 Prozent etwas unter dem bayerischen Durchschnitt, aber weit unter dem Vergleichswert anderer Alpenregionen. Im 19. Jahrhundert war das obere Allgäu am waldärmsten. Wald bedeckte nur noch ein Viertel der Gesamtfläche, nachdem für die Milchwirtschaft eine Rodungswelle eingesetzt hatte, um Kuhweiden zu gewinnen. Auch Jahrhunderte zuvor hatte man Wälder rücksichtlos gerodet, um an den Bau- und Brennstoff Holz zu gelangen. Dann reifte im Zeitalter der Aufklärung der Gedanke der Nachhaltigkeit: Man darf nicht mehr verbrauchen, als nachwächst.