Bundestagswahl 2021

Direktkandidatin Annette Hauser-Felberbaum (FW) im Interview: „Wir müssen weiter aufs Impfen setzen“

Annette Hauser-Felberbaum (59) ist Direktkandidatin der Freien Wähler im Wahlkreis Oberallgäu, zu dem die Stadt Kempten sowie die Landkreise Oberallgäu und Lindau gehören.

Annette Hauser-Felberbaum (59) ist Direktkandidatin der Freien Wähler im Wahlkreis Oberallgäu, zu dem die Stadt Kempten sowie die Landkreise Oberallgäu und Lindau gehören.

Bild: Ralf Lienert

Annette Hauser-Felberbaum (59) ist Direktkandidatin der Freien Wähler im Wahlkreis Oberallgäu, zu dem die Stadt Kempten sowie die Landkreise Oberallgäu und Lindau gehören.

Bild: Ralf Lienert

Annette Hauser-Felberbaum (59) tritt als Freien-Wähler-Direktkandidatin an. Wie sie einen erneuten Lockdown verhindern will und welche Themen ihr wichtig sind.
09.09.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Sie sind seit dieser Legislaturperiode im Kemptener Stadtrat, kandidieren nun für den Bundestag. Was reizt Sie an einem politischen Mandat?

Annette Hauser-Felberbaum: Ich glaube, ich habe schon viel erlebt, habe keine berufliche Karriere mehr nötig und während Corona gemerkt, dass viele Probleme auf kommunaler und Landesebene nicht geregelt werden kann. Deshalb will ich jetzt nach Berlin.

Haben Sie Ihrer Einschätzung nach ausreichend politische Erfahrung, um sich in Berlin zu behaupten?

Hauser-Felberbaum: Ja, weil ich die Themen, die ich vertrete, lange kenne. Dazu gehören Gleichberechtigung und Chancengleichheit, Pflege, Kultur und Bildung, soziale Gerechtigkeit, Regionalität und bezahlbares Wohnen.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?

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Hauser-Felberbaum: Verantwortung, Teamgeist, Loyalität und Respekt.

Das sagt Annette Hauser-Felberbaum zu Pflegepolitik und bezahlbarem Wohnraum

Kultur ist nicht nur Ihr berufliches Feld. Sie haben in Ihren Zielen für Berlin als ersten Punkt die Absicherung von Kulturschaffenden in Krisenzeiten genannt. Hat das für Sie Priorität?

Hauser-Felberbaum: Das ist eines von vielen Themen. Für Kulturschaffende müsste es beispielsweise einen Fonds für Krisenzeiten geben. Eines der sehr wichtigen Themen ist für mich die Pflege.

Hier streben Sie einen Strukturwandel an. Wie soll das konkret aussehen?

Hauser-Felberbaum: Seit Jahrzehnten werden im Pflegebereich Stellen kaputtgespart und zu viel Bürokratie draufgepackt. Wir müssen Wertschätzung für diesen Beruf vermitteln, Krankenpflegeschulen publik machen. Gesetzlich regeln muss man eine gerechte Bezahlung. Und der oder die Gesundheitsminister/-in sollte aus dem Gesundheitswesen kommen.

Und wie sehen Ihre Pläne für bezahlbare Wohnungen aus?

Hauser-Felberbaum: Grundstücke und Baumaterial sind teurer geworden. Deshalb müssen wir junge Menschen unterstützen, damit sie sich Eigentum überhaupt noch leisten können. Wichtig sind Nachverdichtungen, ergänzende Bebauungen, sozial geförderte Mieten und Förderungen im Wohnungsbau. Und wir sollten privaten Eigentümern Anreize zum Bauen geben. Zudem sollte langfristig ein Umdenken einsetzen: Menschen, die allein in einem großen Haus leben, könnten zum Beispiel frühzeitig in andere (etwa barrierefreie) Wohnprojekte eingebunden werden.

Wo sehen Sie in Ihrem Wahlkreis besonderen Handlungsbedarf?

Hauser-Felberbaum: Vor allem im Pflegebereich, in Bildung und Kultur. Und die Chancengleichheit muss verbessert werden. Es müssen mehr Frauen in Führungspositionen vermittelt werden. Ohne Quote geht es hier nicht.

Sie posten auf Facebook derzeit Ihr persönliches ABC. Bei dem Buchstaben „G“ äußern Sie sich kritisch zum Thema Gendern. Warum?

Hauser-Felberbaum: Gendern ist wichtig, aber andere Dinge – wie gleiche Bezahlung – sind wichtiger. Mir ist es lieber, dass Frauen zuerst den gleichen Standard wie Männer bekommen. Und dann können wir gendern.

Hauser-Felberbaum zu Corona-Einschränkungen: "Der „Freedom Day“ muss kommen"

Wie kann sich das Allgäu konkret am Klimaschutz beteiligen?

Hauser-Felberbaum: Extrem wichtig ist es, die Natur, zu erhalten. Nachhaltig eingreifen mit erneuerbaren Energien ist mein Ansatz. E-Mobilität und Wasserstoff müssen weiter entwickelt werden. Dazu sollten die Hochschulen und Unis noch stärker mit ins Boot geholt werden. Dringend ausgebaut werden sollte überdies die Elektrifizierung der Bahn. Im Busverkehr sollte mehr auf Kleinbusse und bei der Ernährung auf Regionalität gesetzt werden.

Was halten Sie vom „Freedom-Day“? Ihr FW-Vorsitzender Hubert Aiwanger schlug dafür den 11. Oktober vor. Halten Sie das Datum als Ende für die Corona-Maßnahmen für realistisch?

Hauser-Felberbaum: Der „Freedom Day“ muss kommen. Für ein konkretes Datum müssen die nächsten Wochen angeschaut werden. Ein weiterer Lockdown geht nicht. Wir müssen weiter aufs Impfen setzen und möglichst viele davon überzeugen: zum Beispiel in Bürgersprechstunden oder Veranstaltungen.

Ist es nicht schwierig für Sie, den Menschen das Impfen zu vermitteln, wenn sich Ihr Parteichef dagegen sträubt?

Hauser-Felberbaum: Nein, das ist mit der richtigen Überzeugungsarbeit sicherlich aufwendig, aber nicht schwierig. Eine Impfpflicht darf jedenfalls nicht kommen.

Partner oder doch Gegner? Das sagt Hauser-Felberbaum zum Verhältnis der Freien Wähler zur CSU

Eine Stimme für die Freien Wähler sei eine verschenkte Stimme. So appelliert CSU-Chef Markus Söder an die Wähler. Was sagen Sie dazu, dass Ihr Partner auf Landesebene derart über die Freien Wähler spricht?

Hauser-Felberbaum: Das gehört sich nicht. Söder schürt das Feuer, weil die Union im Abwärtstrend ist. Für die Freien Wähler zählen die erste und die zweite Stimme.

Sollten die Freien Wähler in den Bundestag kommen, ist allein nichts auszurichten. Welchen Parteien würden Sie sich anschließen?

Hauser-Felberbaum: Auf keinen Fall der AfD und den Linken. Mit demokratischen Parteien kann man einen Konsens finden.

Was erwarten Sie sich von Ihrem Wahlergebnis?

Hauser-Felberbaum: Da mache ich mir keine Gedanken. Ich weiß es schlichtweg nicht.

Wer ist Annette Hauser-Felberbaum?

  • Alter: 59
  • Beruf: selbstständige Kulturmanagerin einer eigenen Kongress- und Konzertagentur.
  • Familienstand: verheiratet, vier Kinder.
  • Partei: Seit 2013 Mitglied der Freien Wähler, seit 2017 Vorsitzende in Kempten.
  • Ehrenämter: Stadträtin in Kempten seit 2020, hier Kulturbeauftragte. Zudem im Aufsichtsrat der Theater Kempten gGmbH, Verwaltungsrat Kemptener Kommunalunternehmen, Integrationsbeirat, seniorenpolitischer Beirat, Zweckverband Berufsschulzentrum, Regio Allgäu, VHS und Sing- und Musikschule. Ehrenamtliche Richterin, Vorsitzende Theater- und Musikgesellschaft, Deutsche Sebald Gesellschaft, Vorstand Europäisches Kolleg für Chancengleichheit.