Sozialarbeit

Corona: In den Jugendhäusern in Kempten herrscht Flaute

Auch in den Jugendzentren wie hier auf dem Bühl hat Corona vieles verändert. Der Andrang hat nachgelassen, auch wegen der Hygienevorschriften.

Auch in den Jugendzentren wie hier auf dem Bühl hat Corona vieles verändert. Der Andrang hat nachgelassen, auch wegen der Hygienevorschriften.

Bild: Ralf Lienert

Auch in den Jugendzentren wie hier auf dem Bühl hat Corona vieles verändert. Der Andrang hat nachgelassen, auch wegen der Hygienevorschriften.

Bild: Ralf Lienert

Jugendäuser müssen aufgrund der Pandemie auf einige ihrer Angebote verzichten und arbeiten vermehrt online. Warum Beratungen dennoch schwierig sind.
31.08.2020 | Stand: 17:45 Uhr

„Manche packen es besser, für andere ist es schwieriger“, sagt Nicole von Struensee zur sozialen Isolation von Jugendlichen während der Pandemie. Die Jugendhäuser sind momentan nicht so gut besucht wie sonst, zudem müssen sie ihr Angebot den Hygienevorschriften anpassen. Die Mitarbeiter haben sich indes allerhand einfallen lassen, um mit den Teenagern in Kontakt zu bleiben.

Draußen brauchen die Jugendlichen keine Masken

Von Struensee leitet das Jugendzentrum Bühl und den Sozialraum Ost. Sie schätzt, dass momentan 30 Prozent der Jugendlichen nicht in den Treff kommen, weil sie sich nicht auch noch in ihrer Freizeit an die Hygieneregeln halten wollen. Deshalb nutzen die Mitarbeiter bei gutem Wetter den Bauwagen an der Iller und unternehmen viel draußen mit den Heranwachsenden: „Da brauchen sie keine Masken.“ Manche Teenager kämen tatsächlich nur, wenn Angebote im Freien stattfinden.

Während der Sommerferien findet im Juze Bühl trotz der Einschränkungen ein Ferienprogramm mit Open-Air-Kino und Graffiti-Sprühen statt. „Es ist wichtig, Normalität herzustellen und Dinge zu tun, die die Jugendlichen zuvor auch gemacht haben“, sagt von Struensee dazu. „Trotzdem fehlt das offene Kommen und Gehen sowie das Zusammensein.“ Das und Aktionen wie gemeinsames Kochen sei momentan einfach nicht möglich.

Es fehlt der Raum für private Gespräche

Schwierig sei in der aktuellen Situation auch, einen Raum zu schaffen, in dem die Teenager sich öffnen und von ihren Problemen erzählen können. „Sonst würden wir mal zu zweit im Büro abhängen, irgendwann würde dann die Tür zugehen und die Jugendlichen würden erzählen“, sagt von Struensee. Aus Sicherheitsgründen ist das Büro für Besucher momentan jedoch geschlossen. Sie vermutet, dass der Redebedarf jedoch durchaus besteht und dass die Jugendlichen auf sie zukommen werden, wenn man wieder den Raum für private Gespräche anbieten könne.

Als das Kemptener Jugendhaus während des Lockdowns schließen musste, blieben die Mitarbeiter laut Sozialarbeiter Dominik Schick mithilfe der sozialen Medien in Kontakt mit den Teenagern. Dort veranstalteten Schick und seine Kollegen sogenannte „Challenges“ mit den Jugendlichen, die im Schnitt zwischen 16 und 17 Jahren alt sind. Dabei mussten die Teilnehmer ein Foto von einer bestimmten Aktion machen und auf eine Internet-Plattform hochladen. Am Ende wurde ein Gewinner ermittelt. Auch die Ostereisuche fand online statt. Außerdem konnten die Teenager um Hilfe bitten, zum Beispiel beim Schreiben von Bewerbungen. Zusätzlich hatte das Jugendzentrum während des Lockdowns viele Angebote auf die Website von „Kempten Zuhause“ verlagert.

Was fehlt ist der Umgang mit Gleichaltrigen

Die Atmosphäre im Haus hat unter den mit der Pandemie einhergehenden Einschränkungen gelitten: „Wir mussten das Interieur teilweise ausräumen und durften zum Beispiel keine Sessel und Polstermöbel mehr belegen“, erzählt Schick. Der Grund: Diese können nicht coronakonform gereinigt werden. „Deshalb ist es jetzt etwas unbequem.“ Auch deswegen seien täglich im Schnitt nur 15 Jugendliche da, obwohl bis zu 30 erlaubt seien.

Die Jugendhilfe habe versucht, mithilfe der Homepage „Kempten Zuhause“ ansprechbar zu sein, sagt Jugendamtsleiterin Kerstin Engelhaupt. In Einzelfällen haben Mitarbeiter sich per Video, per Telefon oder im Freien mit Hilfesuchenden getroffen. Ein Manko: Der Umgang mit Gleichaltrigen, der für Jugendliche besonders wichtig sei, sei sehr lange weggefallen.