Corona-Krise

Corona trifft Tanzschulen hart - wie ein Kemptener Beispiel zeigt

Schwierige Situation wegen Corona bei der Tanzschule J & J Dance

Jeannine Bravo im leeren Saal ihrer Kemptener Schule.

Bild: Harald Holstein

Jeannine Bravo im leeren Saal ihrer Kemptener Schule.

Bild: Harald Holstein

Tanzschulen wie J & J Dance in Kempten trifft die Pandemie hart. Was das Ehepaar Bravo unternimmt, um wirtschaftlich zu überleben.
18.05.2021 | Stand: 12:18 Uhr

Je länger die Pandemie andauert, desto aussichtsloser wird für manche Tanzschule die Situation. Als private Einrichtungen sind sie auf Kursbuchungen und Präsenzunterricht angewiesen. So auch die Tanzschule J & J Dance, deren Situation sich mit jedem weiteren Tag der coronabedingten Beschränkungen verschärft.

Vor sechs Jahren haben Jeanine und Jairo Bravo ein Studio in Obergünzburg gegründet, seit fünf Jahren sind sie auch in Kempten vertreten. Zuletzt unterrichteten sie mit fünf festen Lehrerinnen rund 180 Schüler – Kinder und Erwachsene. Allerdings stehen sie nach über einem Jahr Pandemie vor einer grundlegenden Entscheidung. „Nach so langem Durchhalten sind wir jetzt in einer sehr schwierigen Lage“, sagt Jeanine Bravo. „Wir müssen prüfen, ob wir die Tanzschule überhaupt noch aufrecht erhalten können.“

Kunden lassen ihre Verträge auslaufen

Immer mehr Kunden lassen ihre Verträge auslaufen. Seit der Pandemie ist die Zahl der Kursteilnehmer um 60 Prozent zurückgegangen. Wirtschaftlich ist das schon lange nicht mehr, denn Miete und Nebenkosten sowie Honorare für Lehrer laufen weiter. „Sehr oft hören wir: Wenn alles öffnet, dann kommen wir auch wieder. Aber wir brauchen die Kursteilnehmer jetzt“, sagt Jeanine Bravo.

Daher startete sie über die sozialen Medien einen Appell an ihre Kunden, durchzuhalten und möglicherweise im Freundeskreis trotz der Verlagerung auf Online-Unterricht Kunden zu gewinnen. Ein letztes Aufbäumen, um eine finale Entscheidung über das Ende der Schule noch hinausschieben zu können. Doch schon nach wenigen Tagen kamen positive Rückmeldungen: Viele möchten, dass die Schule erhalten bleibt und haben sich vor allem für zertifizierte Online-Kurse wie „Rücken aktiv“ und „Body Workout“ angemeldet, berichtet Bravo. „Wir versuchen, eine familiäre Atmosphäre aufzubauen.“ Dieser Ansatz mache sich nun positiv bemerkbar.

Zunächst war die Tanzschule gut durch die Corona-Pandemie gekommen

Zunächst war die Tanzschule, in der neben klassischem Ballett, Hip Hop, Jazz, Salsa und Standardtänzen auch Tanzgymnastik, Pilates und Zumba angeboten wurden, relativ gut durch die Pandemie gekommen. Im ersten Lockdown blieben Kunden bei der Stange und ließen Verträge trotz ausgefallener Stunden weiterlaufen. Die Soforthilfe des Bundes kam zwar an, doch sei sie – bei einer dreimonatigen Laufzeit – zu kurz bemessen gewesen. Daher griff Jairo Bravo auf sein Studium zurück: Seit August letzten Jahres arbeitet er auch als Informatiker. Das half erst einmal, durch den Winter und das Frühjahr zu kommen. Inzwischen ist – nach großem bürokratischem Aufwand – ein erster Teil der Überbrückungshilfe III angekommen, berichten die Bravos. Eine erlösende Nachricht, die sie in ihrem Entschluss bestärkt, nicht aufzugeben und stattdessen weiterzumachen.

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Auch wenn sie Verständnis für die Maßnahmen gegen die Pandemie habe und alle Beschränkungen mittrage, wünsche sie sich von der Politik eine differenziertere Sichtweise, erklärt Jeanine Bravo. Die Umsetzung von Hygienekonzepten und vorhandene Möglichkeiten zur räumlichen Distanz müssten mehr berücksichtigt werden.

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