Rechte von Frauen in Not

„Für keine Frau ist das eine leichtfertige Entscheidung" - Demo gegen Abtreibungsparagraf in Kempten

Mit 120 weiteren Organisation protestiert Pro Familia am Samstag gegen den sogenannten Abtreibungsparagraf 218.

Mit 120 weiteren Organisation protestiert Pro Familia am Samstag gegen den sogenannten Abtreibungsparagraf 218.

Bild: Paul Zinken (Symbolbild)

Mit 120 weiteren Organisation protestiert Pro Familia am Samstag gegen den sogenannten Abtreibungsparagraf 218.

Bild: Paul Zinken (Symbolbild)

Wenn Frauen in Kempten ungewollt schwanger werden, suchen viele Hilfe bei Pro Familia. Welche Hürden Betroffene erwarten und wie der Verein ihnen hilft.
15.05.2021 | Stand: 11:30 Uhr

„Ein trauriges Jubiläum“, findet Lisa Slavicek: Seit 150 Jahren gelten Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland laut Paragraf 218 als Straftat. Slavicek will etwas dagegen tun. Sie ist im Vorstand des Vereins Pro Familia, der in einer bundesweiten Aktion zum coronakonformen Protest aufruft – in Kempten an diesem Samstag um 11.30 Uhr vor dem Rathaus.

Abbruch oder Schwangerschaft? Pro Familia in Kempten unterstützt Frauen bei jeder Entscheidung

Pro Familia ist als Beratungsstelle nicht nur Anlaufpunkt in Sachen sexuelle Bildung und Familienplanung. Die Mitarbeiterinnen beraten auch Frauen, die über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenken. „Für keine Frau ist das eine leichtfertige Entscheidung, wir unterstützen sie aber in jedem Entschluss“, sagt Slavicek. Entscheide sich eine Frau für einen Abbruch, sei das mit vielen Hürden verbunden.

Dazu gehören die verpflichtende Konfliktberatung, die zum Beispiel bei Pro Familia stattfindet, und ein Beratungsgespräch bei einem Arzt. Oft finde das unter Zeitdruck statt, da ein Abbruch nur bis zu zwölf Wochen nach der Empfängnis straffrei bleibt. Slavicek findet, der Paragraf 218 gehöre restlos gestrichen. „Seit 150 Jahren werden Frauen so kriminalisiert“, sagt sie. Stattdessen müsse sich ein unterstützendes Netzwerk aus Ärzten und freiwilligen Beratungsstellen bilden, das Frauen schneller und unkomplizierter helfen könne. Neben der Kriminalisierung führe der Paragraf aber auch dazu, dass das Thema Abtreibung weiterhin ein Tabu bleibe.

Die freiwilligen Helfer von Pro Familia begleiten Frauen zur Abtreibung

So gebe es im Allgäu nur einen einzigen Arzt der Schwangerschaftsabbrüche durchführe. Allein das sei unzumutbar für die Betroffenen. „Ein Abbruch muss wohnortnah möglich sein“, sagt Slavicek. Gerade für Frauen, die Kinder haben, arbeiten müssen oder nicht mobil sind, sei die Fahrt vom Allgäu in eine Klinik nur mit viel Planung möglich.

Lisa Slavicek von Pro Familia.
Lisa Slavicek von Pro Familia.
Bild: Martina Diemand (Archivbild)

Auch hier helfe Pro Familia. Freiwillige begleiten die Frauen in die Klinik und fahren sie nach dem Eingriff wieder nach Hause. Doch nicht jede Frau, die abtreibt, entscheide sich für diesen Weg. Denn die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen führe nicht dazu, dass es weniger Abbrüche gibt, sagt Slavicek: „Es gibt so nur mehr illegale Abbrüchen, was insbesondere ärmere Frauen betrifft.“

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Betroffene seien entmündigt. Pro Familia fordert deshalb Recht statt Verurteilung, sagt Slavicek: „Jede Frau soll selbst über ihren Körper bestimmen können.“

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