Stammtisch

Fachsimpeln und Frotzeln: Wie es beim Treffen der Bürgermeister im Oberallgäu zugeht

Am Stammtisch fachsimpeln – humorvoll und ernsthaft – amtierende und ehemalige Bürgermeister aus dem nördlichen Landkreis: Aus Buchenberg Ernst Windmüller (von links) mit seinem Nachfolger Toni Barth, Thomas Eigstler (Wiggensbach), Alt-Landrat Anton Klotz, Gerhard Hock (Durach), Josef Wölfle (Haldenwang), Alt-Landrat Gebhard Kaiser, die ehemaligen Rathauschefs Robert Wegscheider (Waltenhofen), Heribert Kammel (Altusried), Arno Zengerle (Wildpoldsried), Hans-Peter Koch (Dietmannsried), Berthold Ziegler (Lauben) und Heribert Guggenmos (Wiggensbach) sowie Florian Gröger (Amtsinhaber in Lauben) und Weitnaus Alt-Bürgermeister Alexander Streicher.

Am Stammtisch fachsimpeln – humorvoll und ernsthaft – amtierende und ehemalige Bürgermeister aus dem nördlichen Landkreis: Aus Buchenberg Ernst Windmüller (von links) mit seinem Nachfolger Toni Barth, Thomas Eigstler (Wiggensbach), Alt-Landrat Anton Klotz, Gerhard Hock (Durach), Josef Wölfle (Haldenwang), Alt-Landrat Gebhard Kaiser, die ehemaligen Rathauschefs Robert Wegscheider (Waltenhofen), Heribert Kammel (Altusried), Arno Zengerle (Wildpoldsried), Hans-Peter Koch (Dietmannsried), Berthold Ziegler (Lauben) und Heribert Guggenmos (Wiggensbach) sowie Florian Gröger (Amtsinhaber in Lauben) und Weitnaus Alt-Bürgermeister Alexander Streicher.

Bild: Matthias Becker

Am Stammtisch fachsimpeln – humorvoll und ernsthaft – amtierende und ehemalige Bürgermeister aus dem nördlichen Landkreis: Aus Buchenberg Ernst Windmüller (von links) mit seinem Nachfolger Toni Barth, Thomas Eigstler (Wiggensbach), Alt-Landrat Anton Klotz, Gerhard Hock (Durach), Josef Wölfle (Haldenwang), Alt-Landrat Gebhard Kaiser, die ehemaligen Rathauschefs Robert Wegscheider (Waltenhofen), Heribert Kammel (Altusried), Arno Zengerle (Wildpoldsried), Hans-Peter Koch (Dietmannsried), Berthold Ziegler (Lauben) und Heribert Guggenmos (Wiggensbach) sowie Florian Gröger (Amtsinhaber in Lauben) und Weitnaus Alt-Bürgermeister Alexander Streicher.

Bild: Matthias Becker

Immer wieder mittwochs treffen sich die ehemaligen und amtierenden Landbürgermeister und eine Bürgermeisterin. Der Austausch steht im Vordergrund.
28.02.2022 | Stand: 14:00 Uhr

Es ist ein Stammtisch der besonderen Art, der am Mittwoch im „Stift“ in Kempten tagt. Ein Stammtisch, an dem bis auf eine Frau nur Männer sitzen, die einst Rathauschefs in ihren Gemeinden waren oder derzeit sind: die Bürgermeister – und mit Renate Deniffel – eine Bürgermeisterin aus dem nördlichen Oberallgäu. Immer wieder mittwochs kommen sie zum „Bürgermeister-Stammtisch“, einem Treffen, das vor 100 Jahren – in anderer Zusammensetzung – seinen Anfang genommen hat.

Wer erstmals an diesem Stammtisch Platz nimmt, muss eines wissen: „Wir können austeilen, aber auch einstecken.“ Das, spricht Wiggensbachs Bürgermeister Thomas Eigstler seinen Kollegen an diesem Mittag aus dem Herzen, sei das Schöne bei diesem Treffen. Und so wird auch im Beisein der AZ kräftig ausgeteilt: „Ja schau, der Herr Zengerle kommt flott daher vom Fitness.“ Wildpoldrieds langjähriger Rathauschef nimmt‘s mit Humor.

Drei Generationen Bürgermeister im Oberallgäu sitzen am Tisch

Auch Heribert Kammel, Vorgänger von Altusrieds Bürgermeister Joachim Konrad und passionierter Golfer, lacht, als er zu hören bekommt: „Sind die Golfbälle rot im Winter, damit sie im Schnee besser zu sehen sind?“ Und Heribert Guggenmos, vor Eigstler auf dem Bürgermeisterstuhl in Wiggensbach, antwortet unter Gelächter auf die Frage, was er denn im Ruhestand so mache, augenzwinkernd: „Nichts.“

Drei Rathauschef-Generationen sitzen oft am Stammtisch. An diesem Mittag war Wiggensbach mit zwei Ehemaligen (darunter Alt-Landrat Gebhard Kaiser) und dem Amtsinhaber vertreten. Doch nicht immer durften die „Neulinge“ unter den Bürgermeistern im erlauchten Kreis der Amtierenden offen sprechen. „Erst musste man nur mal na sitzen und zuhören“, erinnern sich die Ruhestands-Bürgermeister an früher. Ein wenig trocken sei das Ganze schon gewesen, kommt es lachend aus der Runde.

Eine Flasche Wein für positive Berichterstattung

Abhilfe gegen diese Art der Trockenheit hat dann eine Aktion gebracht, die sich auf folgenden humorvollen Nenner bringen lässt: Wer es als Gemeindechef schaffte, mit einer mehrspaltigen Berichterstattung (positiver Art) in die Zeitung zu kommen, musste pro Spaltenbreite eine Flasche Wein ausgeben. Ein Ritual, das bis heute – anders und in Maßen – beibehalten wurde.

Der fachliche Austausch jedoch kam und kommt nicht zu kurz. Der Erfahrungsaustausch war nämlich vor 100 Jahren der Anlass überhaupt für einen solchen Stammtisch. Alt-Landrat Anton Klotz weiß das aus der Geschichte. Die schreibt auch, dass der Mittwoch früher der Bauerntag war. „Man hat in der Stadt Amtsgeschäfte wie den Notarbesuch erledigt,“ erzählt Klotz. Und anschließend zusammen zu Mittag gegessen. So habe sich dieser Tag als Stammtisch-Tag für Land-Bürgermeister eingebürgert. Noch heute erledigt manch einer seine Formalitäten vor dem Mittagessen mit den Amts- oder Ex-Amtskollegen.

Bürgermeister-Stammtisch diskutiert "Menschliches"

Mit ihnen, sagen langjährige Stammtisch-Gäste wie Ernst Windmüller, einst Bürgermeister in Buchenberg und sein Nachfolger Toni Barth, werde auch Menschliches diskutiert – von Nachbargemeinde zu Nachbargemeinde. „Probleme trägt man ein bisschen Miteinander“, ergänzt Guggenmos. (Lesen Sie auch: Omikron und Kinder: Zahlen hoch, Gefahr klein)

Auch zwischen Stadt und Land? Oder gilt der jahrelang strapazierte Satz „Stadt und Land, Hand in Hand“ nicht mehr? Mit zwei Alt-Landräten wie Kaiser und Klotz ist auch das immer wieder ein Thema. Grundsätzlich gut, benotet Klotz das Verhältnis, nur mit städtischen Zuschüssen für manche Projekte (wie ÖPNV) gebe es Differenzen. Und bei der Seilbahnidee hätte man ruhig das Umland einbinden können, um auch nach Buchenberg oder Wiggensbach zu schweben. Ein Hinweis, der unter die Kategorie „ironischer Seitenhieb auf Kempten“ fällt. Davon ist dann beim jährlichen „Derblecken“ am Stammtisch einiges mehr zu hören. Dann kommen laut Alexander Streicher (Weitnaus Alt-Bürgermeister) meist etwa 30 Gäste.

Das letzte Wort hat die Bürgermeisterin

Humorvoll betitelt wird übrigens dieses Treffen unter Rathaus-Mitarbeitern als „Feldherrentreffen“ – bei allem Respekt natürlich für Herrn Bürgermeister und Frau Bürgermeisterin. Und ihr, Renate Deniffel, einzige Frau unter den Stammtisch-Brüdern, gebührt zumindest an dieser Stelle das letzte Wort: „Ich fühle mich wertschätzend aufgenommen, meine Fragen, die ich mitbringe, werden auf Augenhöhe beantwortet.“

(Lesen Sie auch: Schutz vor einem Atom-Angriff: Das unscheinbare Frühwarnsystem steht vor der Haustür)