Generationen beim Frauenbund

Kemptener Frauenbund in der Zwickmühle: Wie jungen Nachwuchs finden?

Nachwuchprobleme beim katholischen Frauenbund

Brigitte Krug ist Schriftführerin im Frauenbund Kempten. Das Programm der meist betagten Mitglieder lockt kaum mehr jungen Nachwuchs.

Bild: Harald Holstein

Brigitte Krug ist Schriftführerin im Frauenbund Kempten. Das Programm der meist betagten Mitglieder lockt kaum mehr jungen Nachwuchs.

Bild: Harald Holstein

Der Kemptener Frauenbund passt sein Programm auf seine betagten Mitglieder an – und findet keinen jungen Nachwuchs für Ehrenämter.
10.01.2021 | Stand: 16:40 Uhr

Der Kemptener Zweig des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) möchte seinen Vorstand erneuern, findet jedoch nur schwer Nachwuchs. Da geht es dem KDFB wie vielen Vereinen. Dieser jedoch blickt auf eine lange Tradition und illustre Gründungsmitglieder zurück.

Schon 1908 wurde der Zweigverein in Anwesenheit der Gründerin des katholischen Bayerischen Frauenbundes, Ellen Ammann, aus der Taufe gehoben. Die gebürtige Schwedin war eine der ersten Frauen im Bayrischen Landtag und setzte sich für die Bildung und Gleichberechtigung der Frau ein. Trotz der schillernden Gründungspersönlichkeit und der langen Geschichte fällt es dem Zweigverein schwer, ehrenamtliche Nachfolgerinnen zu finden.

Nach 40 Jahren Ehrenamt im Frauenbund "ist auch mal gut"

Das bisherige, vierköpfige Vorstandsteam lässt sich aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen nicht erneut aufstellen. Schriftführerin Brigitte Krug etwa möchte nach 40 Jahren Ehrenamt nicht mehr antreten. „Irgendwann ist auch mal gut“, sagt die 72-Jährige. Es fehlen jüngere Frauen zwischen 30 und 50. Dabei tue sich gegenwärtig im Katholischen Diözesanverband sehr viel: Neben Unterschriftenaktionen für ein Tempolimit auf Autobahnen und Hilfe für Lesbos setzt sich der Verband für Lohngerechtigkeit, die Weihe von Diakoninnen und für mehr Frauen in kirchlicher Leitung ein.

Die kirchlichen Themen würden jedoch zunehmend von der Cityseelsorge übernommen und Kurse wie Gedächtnistraining und Yoga bietet auch die Volkshochschule an. In der Stadt gebe es ein Überangebot an Möglichkeiten, sich zu engagieren. Zudem hätten sich Frauenbild und Lebensentwürfe stark geändert. Viele Frauen sind heute berufstätig, daneben bringen sie sich in Elternbeiräten ein oder sind in Sportvereinen, um etwas für sich selbst zu tun.

Tagesausflüge, Frühstück, Mittagsmessen - und kein Computer

„Wir müssen die Arbeit in unserem Verein total umkrempeln. Weil unsere Mitglieder mittlerweile zwischen 75 und 95 Jahren alt sind, machen wir jetzt auch mehr Altenarbeit. Das interessiert die jungen Frauen natürlich weniger.“ Aktivitäten wie Tagesausflüge sind kaum mehr möglich. Corona hat die Lage zusätzlich verschärft, denn auch Vorträge beim Frauenfrühstück über Hildegard oder Theresa von Avila oder die monatlichen Mittagsmessen mussten ausfallen. Die Frauen können sich nicht treffen und die wenigsten haben einen Computer für digitale Kommunikation.

Lesen Sie auch
##alternative##
Katholischer Fraunenbund Marktoberdorf

„Die Merkel geht, ich gehe auch“: Vorsitzende nimmt nach 20 Jahren Abschied

Trotzdem biete das Bildungswerk des KDFB zahlreiche Möglichkeiten, etwas für sich zu tun – von der Persönlichkeitsbildung über Mutter-Kind-Gruppe und fundierte Weiterbildung.

Lesen Sie auch: "Die Vorstellung, dass Frauen Eigentum sind, ist in den Köpfen noch sehr verwurzelt".