Kempten

Freizeitbranche hätte gern früher geöffnet

Freizeit Injoy Dennis Gries und Benjamin Melder im erneuerten Gymnastikraum (002)

Dennis Gries (links) und Benjamin Melder, Geschäftsführer des Fitnessstudios Injoy, haben den Corona-Lockdown genutzt, um zum Beispiel den Gymnastikraum zu erneuern.

Bild: Harald Holstein

Dennis Gries (links) und Benjamin Melder, Geschäftsführer des Fitnessstudios Injoy, haben den Corona-Lockdown genutzt, um zum Beispiel den Gymnastikraum zu erneuern.

Bild: Harald Holstein

Während des Corona-Lockdowns mussten auch Freizeitanbieter ihr Geschäft dichtmachen. Wie sie die Zeit erlebt haben und der Neustart gelingt – drei Beispiele
18.06.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Ähnlich wie Gaststätten sind auch Freizeiteinrichtungen auf Laufkundschaft angewiesen. Daher ist es nicht leicht für sie, den Corona-Lockdown zu bewältigen. Manche haben immer noch geschlossen. Von heute auf morgen fallen Einnahmen weg. Viele schon vorgenommene Buchungen wurden bis Ende des Jahres storniert.

Der Freizeitanbieter „Room of Secrets“ aus der Live-Escape-Games-Branche hat zudem keine festen Mitglieder, die regelmäßig Beiträge bezahlen: Das Team um Felix Orth ist darauf angewiesen, dass Kunden in den thematisch und atmosphärisch speziell dafür eingerichteten Räumen Rätselspiele buchen. Damit war seit Mitte März erst einmal Schluss. Orth schaffte es jedoch, zwei für später geplante Online-Spiele schnell umzusetzen und nach nur zwei Wochen auf der Homepage anzubieten.

Das Online-Spiel habe viel aufgefangen, sagt Betreiber Orth. Aber eben längst nicht alles. Die fixen Ausgaben für Räume und seine zwölf Mitarbeiter blieben. „Ich habe am Ende stark gekämpft, weil ich dachte, es geht nicht mehr. Dabei ist unser Angebot eigentlich am allerverträglichsten mit der gegenwärtigen Situation.“

Offener Brief an Regierung

Daher hat Felix Orth mit einigen der etwa 40 „Escape Games“-Betreibern in Bayern einen offenen Brief an die bayerische Staatsregierung initiiert, um auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen. Anfang des Monats kam dann im Zuge der Lockerungen die Erlösung. Jetzt können immerhin maximal sechs Personen in einem Team und Gruppen aus zwei Haushalten in den Spielräumen wie „Kommissar Kluftinger“ oder „Rabbit Hole“ aus Alice im Wunderland wieder knifflige Aufgaben lösen.

Der Deutsche Alpenverein hat Mitglieder, die feste Beiträge bezahlen. Auch nach dem Stillstand kam es nur wenig zu Kündigungen. „Allerdings sind die Einnahmen der kleinen Kletterhalle komplett weggebrochen. Das merkt man deutlich in der Kasse“, sagt der Geschäftsführer der Sektion Allgäu-Kempten Michael Turobin-Ort. Dennoch mussten keine festen Mitarbeiter entlassen werden. Mit Urlaubsabbau, Kurzarbeit und vorgezogenen Reinigungs- und Reparaturarbeiten im Kletterzentrum konnten dauerhaft Angestellte weiter beschäftigt werden. Seit 8. Juni ist nun wieder geöffnet, allerdings wie überall mit Einlassbeschränkungen.

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Beim Bouldern (Klettern ohne Seil) werden nur 65, beim Seilklettern 60 Personen zugelassen. 60 Prozent der Kletterplätze lassen sich online buchen. Spontane Besucher können auf der Internetseite sehen, ob noch Plätze frei sind. Kletterer benutzen Kreide für ihre Hände, um einen guten Halt an den Griffen zu haben. Derzeit gibt es diese in flüssiger Form. Diese wirkt zugleich desinfizierend. Der Hüttenbetrieb bleibt allerdings sehr eingeschränkt. Es wird noch getestet, mit welcher Kapazität die Hütten unter Hygienevorgaben zu belegen sind.

Kunden zeigen sich solidarisch

Auch bei „Injoy Fitness“ ist Geschäftsführer Benjamin Melder sehr dankbar für die Solidarität seiner Kunden, die zum größten Teil ihre Beiträge weiter gezahlt haben. Er hätte sich jedoch eine bedeutend frühere Öffnung gewünscht. „Wir waren richtig enttäuscht und es war ein zermürbendes Gefühl, da wir uns als Gesundheitsanbieter nicht ernstgenommen fühlten.“ Dabei tragen seiner Ansicht nach Fitnessstudios sehr viel für die Gesundheit bei. „Wir sind ein Gesundheitsstudio, bei dem die Betreuung im Vordergrund steht“, sagt Melder.

Jetzt sei er glücklich, dass es wieder losgeht. In der zweiten Woche nutzten schon fast 70 Prozent der Kundschaft trotz strenger Hygienebestimmungen wieder das Studio.

Auch Melder musste keine Mitarbeiter entlassen und hat die Zeit genutzt, Renovierungsarbeiten durchzuführen, für die man hätte schließen müssen. Der Gymnastikraum wurde neu gestaltet und Umkleideraum und Duschen wurden komplett erneuert.

Der Geschäftsführer ist sehr zufrieden, hofft dennoch auf weitere Lockerungen, da in Bayern das Duschen in Fitnessstudios bisher immer noch nicht gestattet ist. Er sieht in der Krise sogar eine Chance. Da dieses Jahr voraussichtlich weniger Leute in den Urlaub fahren, hofft er, dass der eine oder andere stattdessen ins Fitnessstudio geht.

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