Debatte um Jugend in der Corona-Pandemie

"Future for Kempten"-Stadtrat schreibt an OB: "Feiernde Jugendliche sind kein Problem"

Ein Kemptener Stadtrat bittet, jungen Leuten an öffentlichen Orten wie den Ilerauen mehr Freiraum zu geben.

Ein Kemptener Stadtrat bittet, jungen Leuten an öffentlichen Orten wie den Ilerauen mehr Freiraum zu geben.

Bild: Angelika Warmuth, dpa (Symbolfoto)

Ein Kemptener Stadtrat bittet, jungen Leuten an öffentlichen Orten wie den Ilerauen mehr Freiraum zu geben.

Bild: Angelika Warmuth, dpa (Symbolfoto)

Julius Bernhardt, ein junger Stadtrat von "Future for Kempten", sieht Jugendliche als Verlierer der Corona-Pandemie. Deshalb schrieb er einen Brief an den OB.
12.07.2021 | Stand: 12:26 Uhr

„Vergessen Sie uns, die Jugendlichen nicht“, appelliert Julius Bernhardt in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Thomas Kiechle. Der Vertreter von „Future for Kempten“ im Stadtrat hat die Sorge, dass junge Menschen weiter Verlierer der Pandemie bleiben. Er fürchtet, dass im Herbst wegen „fehlender Weitsicht“ im Corona-Management“ Studierende und Schüler wieder als erste vor dem Bildschirm daheim sitzen müssen. Bernhard artikuliert drei klare Wünsche:

  • Der OB und die Stadt sollen jungen Menschen (unter Berücksichtigung der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung) an öffentlichen Orten Freiraum geben. Die Illerauen seien als Treffpunkt etabliert. „Lassen Sie das zu und verzichten Sie auf die Durchsetzung des Alkoholverbotes. Feiernde Jugendliche sind kein Problem, sondern Ausdruck einer lebenswerten Stadt.“
  • Bei weiteren Impfaktionen müsse man auch an junge Menschen denken und etwa an der Hochschule, im Künstlercafé, an der Berufsschule und im Kino impfen.
  • Die Stadt solle alle Vorkehrungen treffen, um im Herbst die Infrastruktur junger Menschen offen zu halten, und die Schulen mit Luftfiltern ausstatten.

Besonders die junge Generation habe viel zurückstecken müssen, erinnert Bernhardt. Viele Studierende seien bereits im dritten Online-Semester. Schülerinnen und Schüler würden unter Wissenslücken und Zukunftsängsten leiden. Sie hätten kaum Möglichkeiten gehabt, sich auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen.

Junge Leute durch die Polizei verbannt

Doch gerade junge Menschen lebten ihre sozialen Kontakte im öffentlichen Raum aus – sie würden aber durch die Polizei von dort verbannt. „Sie haben keine Orte, an denen sie sich treffen können, um nachzuholen, was sie verpasst haben.“

Illerauen ein passender Ort für feierende junge Leute

Auch Bernhardts Future-for-Kempten-Kollege Dominik Tartler wirbt im Gespräch mit der Allgäuer Zeitung um Verständnis für die jungen Kemptenerinnen und Kemptener. Der Jugendbeauftragte des Stadtrats wünscht sich mehr Freiraum für die Jugendlichen und nennt ebenfalls die Illerauen als passenden Ort, weil dort keine Anwohner gestört würden. Wichtig sei, die jungen Menschen bei der Suche nach Lösungen – einzubeziehen.

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