Erste Übung dieser Art im Allgäu

Ein Flugzeug stürzt nach dem Start ab: Feuerwehr und BRK proben Ernstfall am Flugplatz Durach

Feuerwehr und Bayerisches Rotes Kreuz proben den Ernstfall am Flugplatz Durach: ein Flugzeug stürzt nach dem Start ab.

Feuerwehr und Bayerisches Rotes Kreuz proben den Ernstfall am Flugplatz Durach: ein Flugzeug stürzt nach dem Start ab.

Bild: Peter Januschke

Feuerwehr und Bayerisches Rotes Kreuz proben den Ernstfall am Flugplatz Durach: ein Flugzeug stürzt nach dem Start ab.

Bild: Peter Januschke

Die Feuerwehr Durach hat mit dem Roten Kreuz am Samstag einen Flugzeugunfall geübt. Solch ein Szenario ist selten. Trotzdem muss jeder Handgriff sitzen.
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Von Redaktionsbüro Allgäu aktuell
07.08.2022 | Stand: 12:09 Uhr

Im Ernstfall muss es schnell gehen. Sehr schnell. Und es muss jeder Handgriff sitzen. Denn wenn es zum Ernstfall kommt und ein Flugzeug abstürzt, sind in aller Regel Menschen in Lebensgefahr. Zunächst einmal Pilot und Passagiere. Möglicherweise aber sogar Retter. Ein Luftfahrzeugunfall bringt besondere Herausforderungen mit sich, bei Ultraleichtflugzeugen zum Beispiel der Umgang mit Raketensystemen für Rettungsfallschirme. Damit im – unwahrscheinlichen – Fall der Fälle wirklich jeder Handgriff sitzt, hat die Feuerwehr Durach mit Unterstützung der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung am Samstag auf dem Gelände des Flugplatzes Kempten-Durach bei einer groß angelegten Rettungsübung alles nötige geübt. Es ist die erste Übung dieser Art überhaupt in der Region.

Fliegen ist eine sichere Art der Fortbewegung. Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit, im Straßenverkehr zu verunglücken, bei 1:15000, im Luftverkehr liegt der Wert bei 1:30 Millionen. Die Chance auf den Jackpot im Lotto liegt bei 1:140 Millionen. Allzu groß sind die Chancen auf einen Einsatz der für den jeweilen Flugplatz zuständigen Feuerwehr also nicht. Umso wichtiger ist, trotzdem ständig für den Ernstfall gewappnet zu sein.

Simulierter Flugunfall in Durach: Zwei Insassen verletzt, einer aus der Maschine geschleudert

Das Szenario ist eine simulierte Katastrophe: Ein Flugzeug beim Start abgestürzt, zwei Insassen verletzt und eingeklemmt, ein weiterer aus der Maschine geschleudert und zunächst für die Retter gar nicht zu sehen, ein Fußgänger ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

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Pilot und Passagier liegen in einem echten Flugzeugwrack, das Hans Rachl, Sachverständiger der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, mitgebracht hat. Rachl ist seit 35 Jahren Gutachter für Staatsanwaltschaften und Versicherungen, schult darüber hinaus Feuerwehren und Polizisten.

Feuerwehr Durach: "Alarmierungskette funktioniert"

Die erste positive Erkenntnis aus Sicht des Duracher Feuerwehrkommandanten Matthias Hauser: „Die Alarmierungskette funktioniert hervorragend.“ Nachdem die Flugleitung die Erstmeldung über das Unglück telefonisch bei der Rettungsleitstelle abgesetzt hat und die ersten Retter am Unglücksort eingetroffen sind, erkennen diese schnell: Alleine ist das nicht zu schaffen, es muss Verstärkung her.

Im Minutentakt rücken weitere Feuerwehrfahrzeuge anderer Wehren an und Rettungsfahrzeuge des Roten Kreuzes. Blaulichter am Rande der Startbahn, wohin man blickt. So wie die Feuerwehr Durach federführend für den Flugplatz Kempten-Durach zuständig ist, ist es die Feuerwehr Burgberg für das Segelfluggelände Agathazell, sagt Kreisbrandrat Michael Seger.

Rettungsrakteten können zur Gefahr für Retter werden

Die nächste positive Erkenntnis: Die Gefährdungslage wird richtig eingeschätzt. Alle Ultraleichtflugzeuge sind mit Rettungsraketen ausgerüstet, die bei einem Unfall gezündet werden können und Fallschirme aktivieren, an denen eine flugunfähige Maschine sicher zu Boden schwebt. Nicht gezündete Rettungsraketen in einem Wrack können am Boden jedoch zur Gefahr für Retter werden.

Gutachter Rachl hat bereits tragische Unfälle nach dem eigentlichen Unfall erlebt: Wenn zum Beispiel der Treibstoff zu brennen beginnt und die Rakete auslöst. Oder wenn einer der Retter versehentlich an einem falschen Griff im Cockpit zieht. Er erklärte Feuerwehrmännern und Sanitätern vor der Praxisübung mehr als zwei Stunden lang detailliert, was sie beachten müssen.

Das Problem bei den Einsätzen: Jeder Flugzeughersteller ordnet die entsprechenden Elemente anderswo an, eine Norm gibt es nicht. Orientieren kann man sich nur daran: Alle heiklen Schalter und Griffe sind überall rot. Bei der Übung am Samstag kann der Einsatzleiter aber nach 20 Minuten melden: Strom im Cockpit ausgeschaltet, Spritzufuhr unterbunden und vor allem: Rettungsrakete gesichert.

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