Energie & Klima

Heizen in Kempten: ZAK will mehr Fernwärme bieten - nur woher?

Fernwärme für Thingers: Jetzt startete ein Sieben-Millionen-Euro-Projekt von ZAK und Sozialbau. Mit dabei waren (hinten von links) Xaver Wagner (Bereichsleiter ZAK-Fernwärme), Christoph Lindermayr (Geschäftsführer ZAK Energie GmbH), Gebhard Kaiser (ZAK-Verbandsvorsitzender), Martin Langenmaier (stellvertretender Geschäftsführer Sozialbau) und Andrew Notz (Sozialbau).

Fernwärme für Thingers: Jetzt startete ein Sieben-Millionen-Euro-Projekt von ZAK und Sozialbau. Mit dabei waren (hinten von links) Xaver Wagner (Bereichsleiter ZAK-Fernwärme), Christoph Lindermayr (Geschäftsführer ZAK Energie GmbH), Gebhard Kaiser (ZAK-Verbandsvorsitzender), Martin Langenmaier (stellvertretender Geschäftsführer Sozialbau) und Andrew Notz (Sozialbau).

Bild: Peter Hausner

Fernwärme für Thingers: Jetzt startete ein Sieben-Millionen-Euro-Projekt von ZAK und Sozialbau. Mit dabei waren (hinten von links) Xaver Wagner (Bereichsleiter ZAK-Fernwärme), Christoph Lindermayr (Geschäftsführer ZAK Energie GmbH), Gebhard Kaiser (ZAK-Verbandsvorsitzender), Martin Langenmaier (stellvertretender Geschäftsführer Sozialbau) und Andrew Notz (Sozialbau).

Bild: Peter Hausner

Diskussion im ZAK: Soll der Abfallzweckverband eine weitere Heizungsanlage in Kempten bauen oder die Müllverbrennung um einen Ofen für Industriemüll erweitern.
01.06.2022 | Stand: 15:09 Uhr

Fernwärme ist in Kempten gefragter denn je. Doch mit der Erschließung des Stadtteils Thingers hat der Abfallzweckverband ZAK seine Leistungskapazität „nahezu komplett vermarktet“. Allein über den Anschluss der Wohnanlagen der Sozialbau würden zusätzlich etwa 1200 Wohnungen mit Wärme aus dem Müllheizkraftwerk versorgt. Frage ist nun, wo zusätzliche Wärme herkommen könnte. Der ZAK prüft, an anderen Standorten in Kempten Heizungsanlagen für eine Wärmeeinspeisung in sein Netz zu schaffen. Oder sollte er vielleicht einfach einen weiteren Ofen an der Müllverbrennung bauen?

Was würde denn gegen einen zusätzlichen Ofen sprechen, fragte so in der jüngsten ZAK-Verbandsversammlung der Kemptener Stadtrat Alexander Wulf Buck (FW/ÜP). Schließlich fahre die Industrie aktuell ihren Müll doch teilweise durch ganz Deutschland und sogar ins Ausland. Das könnte man sicherlich überlegen, sagte dazu Verbandsvorsitzender Gebhard Kaiser.

50.000 zusätzlicher Industriemüll für wirtschaftlichen Betrieb nötig

Bei Menschen in Kempten und angrenzenden Orten wie etwa Lauben, die eine Erweiterung der Müllverbrennung kritisch sähen, brauchen dennoch keine Alarmglocken zu läuten. Denn um eine Erweiterung der Müllverbrennung zu finanzieren, wären laut Kaiser um die 50.000 Tonnen zusätzlicher Müll pro Jahr nötig – gesichert für 20 Jahre. Das Problem: Die Industrie kann ihren Müll in Kempten abliefern, muss aber nicht.

(>>>Hier lesen sie: Wasserstoff: Stromkosten als Sargnagel für Projekt beim ZAK)

Es wäre also ein hohes wirtschaftliches Risiko, sagte ZAK-Geschäftsführer Karl-Heinz Lumer. Denn nach seiner Erfahrung bringt die Industrie ihren Müll nur solange zu einer Verbrennung, solange der Preis dort passt. „Wenn nicht, geht sie woanders hin.“ Deshalb plant der ZAK auch keinen zusätzlichen Ofen. Das gefällt Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle, der vor Diskussionen über eine Vergrößerung der Anlage warnte.

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Abfallverband Kempten

Der ZAK auf dem Weg vom Entsorger zum Versorger

Doch wenn der ZAK seine Fernwärme bereits nahezu komplett vermarktet hat – wie soll dann zum Beispiel der Anschluss von über 400 Wohnungen plus Gewerbeeinheiten klappen, die auf dem Saurer-Allma-Gelände geplant sind? Das macht Christoph Lindermayr, Geschäftsführer der ZAK Energie GmbH, keine Sorge. Die Neubauten bräuchten so wenig Wärme, dass dafür die bestehenden Leistungsreserven ausreichten, sagte er auf Nachfrage unserer Redaktion.

Um aber künftig noch mehr Fernwärme anbieten zu können, gab der ZAK im Vorjahr eine Untersuchung in Auftrag, wie er seine Leistung erhöhen und die Abwärme aus dem Müllheizkraftwerk noch besser nutzen kann. Die Studie umfasst laut Lindermayr auch acht mögliche Standorte etwa für Heizöl- und Gaskessel, Biomasse- oder Blockheizkraftwerke in Kempten. Aktuell werden die Daten ausgewertet. Noch heuer soll Aufsichtsrat konkrete Vorschläge erhalten.

Ziel ist, die Leistung um fünf Megawatt zu erhöhen; das wäre genug Wärme für etwa 1900 weitere Zweipersonenhaushalte. Zugleich will der ZAK den Erdgas- und Heizölverbrauch reduzieren, der in der Heizzentrale für Spitzenlasten anfällt. Der dortige Anteil fossiler Brennstoffe bei der Wärmeerzeugung (derzeit neun Prozent) soll halbiert werden.

ZAK-Geschäftsführer Lindermayr: "Wärme wird einem nicht geschnekt"

In der Sitzung gab Thomas Hartmann (Grüne) zu bedenken, dass Müll kein erneuerbarer Rohstoff sei. Langfristig solle sich der ZAK Gedanken machen, wie er die Effizienz des Wärmenetzes verbessern kann. Eine Überlegung: Die noch immer beträchtliche Wärme, die zurück ins Heizkraftwerk fließt, ließe sich für Häuser nutzen, deren Heizungen für Niedrigtemperatursysteme ausgelegt sind. Das hält Lindermayr für möglich, sagt allerdings auch: „Wärme wird einem nicht geschenkt.“ Denn wenn das Wasser weniger warm ins Kraftwerk zurückfließt, ist dort entsprechend mehr Energie nötig, um es wieder auf Hochtemperatur zu bringen.

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