Kirche in Kempten

In der Pubertät zum Glauben gefunden - 28-Jähriger aus Kempten wird zum Priester geweiht

Stefan Riedel

Stefan Riedel wird am 27. Juni in Augsburg zum Priester geweiht. Am 4.Juli feiert er seine Primiz in Kempten St. Michael.

Bild: Verspohl-Nitsche

Stefan Riedel wird am 27. Juni in Augsburg zum Priester geweiht. Am 4.Juli feiert er seine Primiz in Kempten St. Michael.

Bild: Verspohl-Nitsche

Für Stefan Riedel war vor dem Abitur klar, dass er Priester werden will. Ministriert hat er aber erst im Erwachsenenalter. Nun steht seine Priesterweihe bevor.
08.06.2021 | Stand: 05:00 Uhr

„Du hast Worte des ewigen Lebens (Joh. 6,68)“ lautet der Primizspruch des 28-jährigen Stefan Riedel. Der Kemptener wird am Sonntag, 27. Juni, um 14.30 Uhr, in Augsburg von Bischof Dr. Bertram Meier gemeinsam mit drei weiteren Diakonen zum Priester geweiht.

Mit einem Triduum (einem dreitägigen Gebet) lädt der Neu-Priester von Dienstag (29. Juni) bis Donnerstag (1. Juli) abends in die Pfarrkirchen seiner Heimatpfarreiengemeinschaft Kempten-West ein. Die Predigten werden von verschiedenen Geistlichen gehalten und sollen auf die Primizfeier vorbereiten.

Kirche international: Gebet und Arbeit lernte Stefan Riedel auch in Polen

Erst kurz vor seinem Abitur 2011 am Allgäu-Gymnasium war für den jungen Mann klar, dass er Theologie studieren will. „Ich habe in der Pubertät erst richtig zum Glauben gefunden“, sagt Riedel. Eine „klassische“ Laufbahn als Ministrant mit Engagement in der Pfarrei hat der Diakon nicht durchlaufen. „Ministriert habe ich erst im Erwachsenenalter, und da habe ich es sehr geliebt“, betont er. Aufgewachsenen ist er in einem katholisch geprägten Elternhaus im Stiftallmey mit zwei Schwestern und zwei Brüdern. Nach dem Abitur ging Riedel zum Studium der Theologie und Philosophie in den Schwarzwald zunächst an die Gustav-Siewerth-Akademie.

Gewohnt hat er währenddessen bei den Benediktinerinnen in Ofteringen. Hier lernte er die Tradition der ewigen Anbetung kennen, zu deren Ausübung das Kloster Marienburg vor 159 Jahren gegründet wurde. Während dieser Zeit kam er in Kontakt mit dem Orden der Pauliner, in den er 2013 eintrat. Sein Postulat absolvierte Riedel in Todtmoos, die Einführungszeit in die Gemeinschaft in Passau sowie in Polen, wo er ein internationales Noviziat bei Tschenstochau durchlief: „Hier standen Gebet und Arbeit im Vordergrund.“ Riedel wurde für eine Tätigkeit im Nutzgarten eingeteilt und war zuständig für die Tomaten. Es folgte das Studium in Heiligenkreuz (Österreich) und die Rückkehr nach Polen.

"So tief und klar": In seinem Pastoralpraktikum lernte Riedel auch Chancen der Corona-Pandemie kennen

In der Nähe von Krakau wuchs in ihm die Entscheidung, nach Deutschland zurückzukehren. Denn es sei schwierig für ihn gewesen, seinen Platz in den unterschiedlichen Kulturen zu finden. „Ich wollte doch eigentlich für die Heimat da sein“, sagt der junge Geistliche. So nahm er schließlich Kontakt mit dem Priesterseminar in Augsburg auf, trat 2016 dort ein und setzte sein Studium fort. Nach seinem Abschluss begann Riedel 2019 sein Pastoralpraktikum in der Pfarreiengemeinschaft Wallerstein. Im vergangenen Jahr wurde er von Bischof Bertram mit seinen drei Kurskollegen zum Diakon geweiht.

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Der Pastoralkurs soll die angehenden Priester in alle Aufgabenbereiche einer Pfarrei einführen. Mit den Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie seien viele Dinge nicht wie gewohnt durchführbar, schränkt Riedel ein. Dafür gebe es jedoch andererseits intensive Erfahrungen, wie er bei der Firmung im nördlichsten Dekanat des Bistums Augsburg feststellen konnte. „So tief und klar“ sei die Begegnung der jungen Firmlinge mit Gott gewesen.

Einfach da sein: So will der Kemptener im Priesteramt ankommen

Auch Abende der Versöhnung und die Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten hätten sich in dieser Zeit als wertvolle Elemente bewährt. Nach einem Bericht des heiligen Pfarrers von Ars, der ihn in seiner späten Jugend geprägt habe heißt es: „Ich schaue ihn (Gott) an und er schaut mich an.“ Riedel sagt: „Für mich ist das Faszinierende an der eucharistischen Anbetung, dass ich der Angesprochene bin und erst einmal nur da sein muss.“

Stefan Riedel hat die Erfahrung gemacht, dass er erst einmal in einer neuen Stelle ankommen müsse. Dabei fahre er seine „Antennen aus“ und nehme sich Zeit für alles – er sei einfach da. Für ihn gelte zunächst: „Die Basics gut und würdig zu machen.“

Die Primiz ist am Sonntag, 4. Juli, um 10.15 Uhr in St. Michael in Kempten. Voranmeldung ist erforderlich.

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