Kempten

In ein anderes Licht getaucht

Ausstellung Judith Rautenberg

Ausstellung Judith Rautenberg

Bild: Harald Holstein

Ausstellung Judith Rautenberg

Bild: Harald Holstein

Ausstellung Judith Rautenberg verwandelt die Galerie Kunstreich virtuos und sinnlich
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Von Harald Holstein
14.10.2019 | Stand: 17:22 Uhr

Für ihre Ausstellung „Light, Space and Body“ hat die Lichtkünstlerin Judith Rautenberg die Galerie Kunstreich komplett verwandelt und in ein ganz anderes Licht getaucht. Der Besucher betritt die Räume in der Schützenstraße durch einen Vorhang. Mehrere Lichtquellen nehmen im Eingangsbereich die massive, tragende Stütze und das alte Gebälk der ehemaligen Münze in ein buntes und bewegtes Kreuzfeuer. Die Beleuchtung mit Videosequenzen nutzt die Architektur als dreidimensionale Projektionsfläche und macht die Videoinstallation von verschiedenen Seiten erlebbar. Dafür muss man etwas Zeit mitbringen.

Die dunklen Kammern verändern das gewohnte Raumgefühl in der Galerie und man muss sich immer wieder neu orientieren. Stühle laden ein, sich niederzulassen und die ganz unterschiedlich konzipierten Lichträume in Ruhe zu erforschen. „Das ist eine langsame Ausstellung“, sagt der Vorsitzende des Artig-Vereins Stephan A. Schmidt. Nur wenige Lichtquellen lenken den Fokus auf jeweils unterschiedliche Aspekte wie Lichtraum, Spiegelung und Perspektive.

Die 37-Jährige aus Weimar hat ihre Lichtkonzepte, die sie sonst im öffentlichen Stadtraum zeigt, für das Kunstreich neu eingerichtet. Eine Woche lang dauerte die Anpassung der Ideen und die Neuprogrammierung der Beamer. Im Werk „The Void“ (Leere, leerer Raum) kommt auch Nebel zum Einsatz, der sich in Innenräumen ganz anders verhält als draußen. Aus der Bauhausästhetik entnommene Elemente wie Quadrat, Dreieck und Kreis verformen sich in den Projektionen zu traditionellen Ornamenten aus dem Stadtbild der tunesischen Stadt Djerba und schreiben immer neue Muster und Raumgefühle in den Nebel. Wie Motten ins Licht, schauen Besucher fasziniert in einen ständig sich verändernden Lichtkegel und tauchen ganz ein in immer neue Räume, die um sie herum entstehen.

Ursprünglich war die Videoprojektion „Ansichtssache“ als Licht-Landart gedacht. Das Spiel mit dem Standpunkt des Betrachters funktioniert aber auch in der Galerie. Findet man den richtigen, dann setzt sich für das Auge ein Kreis ohne Verzerrung zusammen.

Mit den Diaprojektionen „De-Lokalisierung“ wirft die Künstlerin an ganz unerwarteten Stellen der Galerie eindringliche Fragen zum Standpunkt und Standort des Menschen an die Wand: Wo willst du hin?, Was hält dich auf?, Was machst du hier? Damit hebt sie ihre Lichtinstallationen auf eine höhere Reflexionsebene.

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Rautenberg wurde 2018 für ihre Videoinstallation „Again“ mit dem Sonderpreis des Artig- Kunstpreises ausgezeichnet und weiß wieder mit ihren sinnlichen und sinnstiftenden Lichtinstallationen zu verzaubern. Ob mit dem analog ausgeleuchteten Kubus aus VHS-Magnetbändern, die im Luftzug bewegte Lichtreflexe auf das Kellergewölbe werfen oder mit dem reduzierten Spiel mit überdimensionalen Pixeln, ihre Lichtkunst erweitert die Wahrnehmung, aber auch das Bewusstsein über Sehgewohnheiten. Ihre Lichträume werden zu Erlebnisräumen.