Bilanz

In Kempten geht ein Schuljahr der Extreme zu Ende

Die Belohnung für acht Jahre Büffeln: Lehrerin Sibylle Tögel überreicht dem Absolventen Lorenz Brössner sein Abiturzeugnis.

Die Belohnung für acht Jahre Büffeln: Lehrerin Sibylle Tögel überreicht dem Absolventen Lorenz Brössner sein Abiturzeugnis.

Bild: Ralf Lienert

Die Belohnung für acht Jahre Büffeln: Lehrerin Sibylle Tögel überreicht dem Absolventen Lorenz Brössner sein Abiturzeugnis.

Bild: Ralf Lienert

Seit dem 13. März befinden sich die bayerischen Schulen im Ausnahmezustand. Trotzdem feiern Kemptener Absolventen nun ihren bestandenen Abschluss.
25.07.2020 | Stand: 12:41 Uhr

Der 13. März dieses Jahres hat für Eltern, Lehrer und Schüler gleichermaßen einen Schock gebracht: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder verkündete, dass die Schulen schließen müssen. Der Grund: Die Corona-Krise hatte Deutschland und Bayern inzwischen voll erreicht. Seit Monaten müssen Eltern sich inzwischen im Homeschooling üben, während Lehrer regelmäßig neue Richtlinien vom Kultusministerium bekommen. Trotz allem feiern Kemptener Schüler nun ihren Abschluss – der bei vielen heuer besser ausgefallen ist als erwartet.

Prost! In diesem Jahr müssen die Abiturienten mit Maske feiern.
Prost! In diesem Jahr müssen die Abiturienten mit Maske feiern.
Bild: Ralf Lienert

„Die Abiturienten haben dieses Jahr besser abgeschnitten als die Jahrgänge zuvor“, erzählt der Direktor des Allgäu-Gymnasiums, Lothar Wagner. So hätten 31 Schüler mit einer Eins vor dem Komma abgeschlossen. Wagner nimmt an, dass das auch daran liegt, dass die Abschlussjahrgänge nach den Schließungen als erste in die Schulen zurückkehrten und dann nur in ihren Abiturfächern unterrichtet wurden.

Positive Auswirkungen des Lockdowns

Auch der aufgezwungene Online-Unterricht hatte seine Vorteile: „Die Erkenntnisse, die wir mit dem digitalen Unterricht gemacht haben, will ich nicht mehr missen“, erklärt Wagner. Wenn am Gymnasium im September das neue Schuljahr beginnt, möchte Wagner deshalb Teile des digitalen Unterrichts weiterführen. Er schätzt an der Online-Lernplattform unter anderem, dass Lehrer Umfragen erstellen, Videounterricht halten oder Lernmaterialien online stellen können.

Chiara Wistrich (17) hat heuer ihr Abitur bestanden. Sie ist dankbar, dass die Abiturienten vor den Examen in die Schulen zurückkehren und sich zusammen mit ihren Lehrern auf die Prüfungen vorbereiten konnten. Die Pandemie hat auch ihre Vorbereitung für das Abitur verändert: „Ich hatte wegen Corona mehr Zeit zu lernen, und habe mich dann gut aufs Abi vorbereitet gefühlt“, erzählt Wistrich. Mit dem Endergebnis – einem Schnitt von 1,9 – ist sie sehr zufrieden.

Auch bei der Zeugnisübergabe: Abstand halten.
Auch bei der Zeugnisübergabe: Abstand halten.
Bild: Ralf Lienert

Schwierigkeiten bei der Umstellung

„Für manche Schüler war die Umstellung auf den digitalen Unterricht ein großer Brocken“, erinnert sich Bianca Meyer, Lehrerin für Deutsch und Geographie. Denn nicht alle hätten einen uneingeschränkten Zugang zu einem PC oder Tablet – zum Beispiel, wenn es mehr Kinder als Endgeräte in der Familie gibt.

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55 Schüler der Robert-Schuman-Mittelschule haben heuer ihren qualifizierenden Hauptschulabschluss bestanden – auch hier ist der Schnitt besser als erwartet ausgefallen. Schulleiterin Tanja Nieberle führt das vor allem darauf zurück, dass das Kultusministerium vorgegeben hat, dass die Noten der Schüler durch den Lockdown nicht schlechter werden dürfen. Konkret bedeutet das, dass Noten, welche nach dem 13. März geschrieben wurden, das Endzeugnis unter Umständen besser, aber auf keinen Fall schlechter machen durften. Hinzu kommt, dass niemand durchfallen musste, wenn er oder seine Eltern sich nicht freiwillig dazu entschieden. Für das kommende Schuljahr hofft Nieberle, dass die Politik schnell die Digitalisierung finanziell vorantreibt.

Die Lern-App ist beliebt

Lehrer Stefan Mayr schätzt die neue Online-Schule ebenfalls und würde für das kommende Schuljahr gerne die Arbeit mit der App beibehalten: „Da können die Schüler bei nicht verstandenen Hausaufgaben direkt nachfragen und wir können Unterrichtsmaterial reinstellen, welches die Schüler überall abrufen können“, erklärt der Lehrer. Zudem würden die Schüler ihn dann eher kontaktieren: „Manche haben sich vor der App, als es eine Telefonsprechstunde gab, nicht getraut, mich anzurufen“, berichtet er. Dabei hat die wöchentliche Telefonsprechstunde auch Vorteile gehabt: „Man lernt die Schüler besser in ihrem persönlichen Umfeld kennen und baut eine Bindung zu ihnen auf“, erklärt Mayr.

„Es war eine harte Zeit für die Kinder“, sagt David Engel, dessen Tochter in die achte Klasse der Robert-Schuman-Schule geht. Sein Kind habe vor allem Selbstständigkeit lernen müssen: „Wir sind selber berufstätig und konnten uns nicht immer neben sie stellen und ihr helfen“, sagt Engel.