Initiative für mehr Tempo-30-Zonen

Kleines „t“, großes Drama - und plötzlich wird Kempten doch keine Pilotkommune

Ups, Kempten wird also doch keine Pilotstadt für mehr Tempo-30-Zonen. Denn es gab gar keine Bewerbung. Wie ein kleines "t" für viel Verwirrung sorgte.

Ups, Kempten wird also doch keine Pilotstadt für mehr Tempo-30-Zonen. Denn es gab gar keine Bewerbung. Wie ein kleines "t" für viel Verwirrung sorgte.

Bild: Daniel Karmann dpa (Symbolbild)/Montage: AZ

Ups, Kempten wird also doch keine Pilotstadt für mehr Tempo-30-Zonen. Denn es gab gar keine Bewerbung. Wie ein kleines "t" für viel Verwirrung sorgte.

Bild: Daniel Karmann dpa (Symbolbild)/Montage: AZ

Wem bei der Meldung, dass sich Kempten als Pilotstadt für mehr Tempo-30-Zonen beworben hat, Angst und Bange wurde, kann sich beruhigen. Da gab's einen Fehler.
12.11.2021 | Stand: 16:53 Uhr

Es sind eigentlich nur zwei Striche. Ein senkrechter und ein waagrechter. Passend zusammengefügt kommt ein kleines „t“ raus. Recht unspektakulär, denken Sie? Von wegen. Welch Wellen so ein kleines „t“ schlagen kann, zeigt die Nachricht über eine Initiative des Deutschen Städtetags.

Kempten möchte Tempo-30-Modellkommune werden und fordert zusammen mit anderen Städten, dass sie mehr dieser Tempolimits anordnen kann? Beim intensiveren Nachdenken über diese Nachricht hätte man stutzig werden können, nein, sogar müssen: Die Allgäu-Metropole als Vorreiter in Verkehrsfragen? Kann doch nicht sein. Schon gar nicht ohne jahrelange intensive Diskussion. Ohne mehrere Vor-Ort-Termine und mindestens drei Gutachten. (Lesen Sie auch: Landratsamt fürchtet Klagen: Tempo 30 in Oberstdorf und Lauben gekippt)

Keine Bewerbung aus Kempten als Pilotkommune für Tempo 30

Und doch ging die Meldung bundesweit durch die Medien. Auch der Kemptener Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann wunderte sich, als spät am Donnerstag die Anfrage der Allgäuer Zeitung kam. Wer aus der Verwaltung die Bewerbung wohl abgegeben haben mag? Erst am nächsten Tag stellte sich ihm zufolge heraus: Niemand.

Und da wären wir beim Übeltäter, dem besagten kleinen „t“. Zwei unscheinbare Striche, die sich wohl in einem Büro in Berlin einfach so und völlig unbemerkt in eine Pressemitteilung hineingeschmuggelt haben. Denn, so heißt es aus der Stadtverwaltung, nicht Kempten, sondern Kempen in Nordrhein-Westfalen steht hinter der ach doch so kühnen Tempo-30-Initiative. (Lesen Sie auch: Oberallgäu: Ein Recht auf Tempo 30 in Ortsdurchfahrten?)

Nun doch nicht mehr Tempo-30-Zonen in Kempten?

Jetzt kann man vermuten, dass sich dieses närrische kleine „t“ zum Faschingsstart einen Scherz erlaubt hat. In Kempen kann man darüber womöglich auch schmunzeln. Aber in Kempten? Da steigt der Blutdruck, der Puls klettert in ungeahnte Höhen. Kleines „t“, großes Drama. Denn wie nur kann sich die Stadt an einer solchen Initiative beteiligen, die ihr am Ende mehr Entscheidungsspielraum einräumen soll?

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Zum Glück können sich die erhitzten Gemüter auf Kemptens Straßen nun wieder beruhigen und ihr Fuß auf dem Gaspedal stehen lassen. Sie müssen nicht fürchten, in Wohngebieten oder an belebten Plätzen außerhalb der Hauptverkehrsachsen ihr Tempo drosseln zu müssen. Das wäre ja auch ärgerlich. Könnte an der einen oder anderen Stelle ja für mehr Sicherheit sorgen. Und womöglich auch positive Effekte auf die Umwelt haben. Wo kommen wir denn hin?

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