Kritik an "Querdenker"-Demo in Kempten

"Kempten lässt sich nicht fluten": Bündnis stellt sich gegen "Querdenker"-Demo

Das Bündnis "Mensch sein" will mit Videobotschaften Flagge zeigen gegen die geplante "Querdenker"-Demo am Samstag.

Das Bündnis "Mensch sein" will mit Videobotschaften Flagge zeigen gegen die geplante "Querdenker"-Demo am Samstag.

Bild: Ralf Lienert

Das Bündnis "Mensch sein" will mit Videobotschaften Flagge zeigen gegen die geplante "Querdenker"-Demo am Samstag.

Bild: Ralf Lienert

Das Bündnis "Mensch sein" bezeichnet die von "Querdenkern" geplante Großdemo in Kempten als unverantwortlich. Statt Gegenprotest gibt es Videobotschaften.
15.04.2021 | Stand: 19:24 Uhr

"Kempten lässt sich nicht fluten" - unter diesem Motto zeigt das Bündnis "Mensch sein" Flagge gegen die geplante "Querdenker"-Demo am Samstag in Kempten. "Entschieden wenden wir uns gegen alle Versuche, unsere demokratische Rechtsordnung zu unterlaufen und gegen jegliche Form von Rassismus und Sündenbockmentalität. Hetze und Verschwörungstheorien haben keinen Platz in unserer offenen, menschenfreundlichen Stadt."

"Wir halten eine Veranstaltung dieser Größenordnung für unverantwortlich"

Eine Massenkundgebung wie sie die “Querdenker” für Samstag planen, lehne das Bündnis aus mehreren Gründen ab. "Zum einen halten wir eine Veranstaltung in dieser Größe angesichts der aktuellen Infektionslage für unverantwortlich." Sie missachte zudem all jene, die sich seit einem Jahr mit aller Kraft, oft bis zur Erschöpfung gegen die Pandemie stemmen. Die Opfer der Pandemie und deren Angehörige würden kein Verständnis dafür haben, dass ausgerechnet jetzt eine Demonstration zur Unterbeweisstellung der Demonstrationsfreiheit erfolgen muss. "Zum anderen passt die aufwieglerische, radikalisierende und wissenschaftsverachtende Sprache und Haltung der bekannten “Querdenker”-Redner nicht in eine demokratische Debattenkultur und zu unseren Grundwerten", heißt es in der Pressemitteilung des Bündnisses. Die Nähe zu rechtem Gedankengut und teilweise auch antisemitischen Einstellungen sei in vielen Redebeiträgen offensichtlich.

Hinter dem Bündnis "Mensch sein" stecken der Stadtjugendring Kempten, der Kreisjugendring Oberallgäu, das Haus International, die Dekanate der Stadt Kempten und die Gewerkschaftsjugend im DGB (ver.di).

Die Schwächsten gerade während der Pandemie im Blick behalten

"Wir alle leiden in unterschiedlicher Weise unter den Belastungen der Pandemie und die politische Pandemiebekämpfung ist nicht über Kritik erhaben", schreibt das Bündnis. Jede Person, die Kritik an der aktuellen Pandemiebekämpfung üben will, könne dies tun - sollte sich aber gut überlegen, an wessen Seite und in welcher Form sie dies macht. "Es ist unsere tiefe Überzeugung, dass sich Krisen wie diese Pandemie nur in einem gerechten und solidarischen Miteinander lösen lassen und immer auch die Schwächsten der Gesellschaft im Blick behalten muss."

Bewusster Verzicht auf eine Großveranstaltung

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Das Bündnis "Mensch sein" verzichte bewusst auf eine Großveranstaltung, "um keine Menschen durch Ansteckung zu gefährden und der gebotenen Vorsicht Rechnung zu tragen. Unsere Freiheit zur Meinungsäußerung sehen wir durch vielfältige Möglichkeiten in unserer Demokratie auch ohne Demonstration gewahrt." Es ruft Menschen aus der Region dazu auf bis Samstag, 17. April, um 18 Uhr Videobotschaften zu schicken an video@sjr-kempten.de. Diese werden ab Montag, 19. April, unter anderem hier veröffentlicht.

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