Mitmach-Aktion zu Kemptener Störchen

Der kleine Kemptener Storch hebt ab - Jetzt braucht er nur noch einen Namen

Kempten Storch Baby

Vor wenigen Wochen erst geschlüpft, lernt der junge Storch in Kempten jetzt schon das Fliegen. Im Kemptener Osten zieht er seine Kreise oder geht mit den Eltern auf Futtersuche.

Bild: Ralf Lienert

Vor wenigen Wochen erst geschlüpft, lernt der junge Storch in Kempten jetzt schon das Fliegen. Im Kemptener Osten zieht er seine Kreise oder geht mit den Eltern auf Futtersuche.

Bild: Ralf Lienert

Nach mehr als 100 Jahren gibt es wieder Storchen-Nachwuchs in Kempten. Wie es mit dem Jungstorch weiter geht und warum die Kreativität der Leser gefragt ist.
26.06.2021 | Stand: 09:29 Uhr

Noch dreht das Kemptener Storchenjunge kleine Kreise im Osten der Stadt. Immer wieder fliegt es zwischen dem Spitalhof und dem Horst der Vogel-Familie hin und her. Manchmal nehmen es seine Eltern sogar für kurze Strecken mit auf Futtersuche. „Sobald der junge Storch dickes Gefieder hat und selbst fliegen kann, ist er über den Berg“, sagt Thomas Blodau, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz Kempten-Oberallgäu.

Es ist eine Sensation für den Vogelexperten. Nach mehr als 100 Jahren hat es endlich mit dem Storchen-Nachwuchs in Kempten geklappt.

Auch eine traurige Nachricht: Nur ein Storchenjunges hat es in Kempten geschafft

Doch mit der frohen Botschaft schwingt auch eine traurige Nachricht mit: Ursprünglich saßen zwei kleine Störche in dem Nest auf dem stillgelegten Kamin der Firma VG Nicolaus. Geschafft hat es nur einer von ihnen. „Als ich vor mehr als einer Woche mit dem Fernglas von unten in das Nest geschaut habe, ist mir der schwächere Storch gleich aufgefallen“, sagt Blodau. Ganz verklebt sei sein noch dunkles Gefieder gewesen.

Unwetter und Starkregen seien für die Storchenküken in den ersten Wochen besonders gefährlich. Erst mit dichtem Gefieder – wie es der überlebende Jungstorch jetzt hat – können sie sich selbst schützen. „Für Vögel ist das erste Lebensjahr das Herausfordernste.“

In den Süden und zurück? So geht es für den jungen Storch weiter

Auf den jungen Storch warten nun viele aufregende Erfahrungen. Seine Eltern bereiten ihn aktuell darauf vor. In und um Kempten lerne das Jungtier gerade Stadt und Natur kennen – mit allen Herausforderungen. Stromleitungen oder Verkehr zum Beispiel seien besondere Gefahren. „Bei jungen Störchen kommt es auch immer wieder zu Unfällen“, erklärt Blodau.

Auf dem stillgelegten Kamin von VG Nicolaus brüteten die Störche im Kemptener Osten.
Auf dem stillgelegten Kamin von VG Nicolaus brüteten die Störche im Kemptener Osten.
Bild: Matthias Becker

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Flug in Richtung Süden

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Im Herbst geht es für die Storchen-Familie höchstwahrscheinlich in Richtung Süden. „Angesichts des Klimawandels bleiben Störche aber manchmal auch hier“, sagt Blodau. Doch in der Region sei das wegen des oft starken Schneefalls eher ungewöhnlich. „Wir stellen aber auch fest, dass das Allgäu immer attraktiver für Störche wird.“ So komme das Storchenpaar aller Voraussicht nach auch 2022 wieder zum Brüten nach Kempten. Blodau sagt: „Jetzt, wo es mit dem Nachwuchs geklappt hat, können wir fast sicher sein, dass sie sich in Kempten ansiedeln.“ Seit 2017 hatten die Störche es immer wieder mit Nachwuchs versucht.

Der junge Kemptener Storch könnte nächstes Jahr seine eigene Familie im Allgäu gründen

Ob auch der kleine Storch zurückfindet? Die Chancen stehen laut Blodau gut. Jungtiere würden sich oft im Umfeld ihres Geburtsortes ansiedeln. Doch in das Nest, in dem der Storch geschlüpft ist, kommt er dann nicht mehr zurück. „Der Storch wird sich mit seinem Partner oder seiner Partnerin ein eigenes Revier in der Region suchen müssen“, sagt Blodau.

Auch könne man erst dann sicher sagen, ob das Kemptener Storchenküken ein Männchen oder ein Weibchen ist. Äußerlich gebe es darauf keinen Hinweis. Und weil eine Beringung für Weißstörche nicht mehr notwendig ist, könne man das Geschlecht auch nicht aus der Nähe feststellen. „Durch das Paarverhalten im Nest wird dann aber ersichtlich sein, wer die männliche und wer die weibliche Rolle einnimmt.“

Blodau will nun einiges dafür tun, um Kempten und das Oberallgäu noch attraktiver für Störche zu machen. „Es braucht zum Beispiel Feuchtwiesen, weil dort Nahrung für die Störche wie größere Insekten oder Frösche leben.“ Und wer weiß, vielleicht dürfen sich die Kemptenerinnen und Kemptener in den nächsten Jahren wieder über ein Storchenjunges freuen.

Thomas Blodau ist Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu.
Thomas Blodau ist Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu.
Bild: Ralf Lienert

Leser-Aufruf: Wie sollen Vater, Mutter und Storchenküken heißen?

  • Die Kemptener Storchen-Familie braucht einen Namen. Deshalb sind jetzt Sie gefragt! Haben Sie eine Idee? Wie könnten Mutter, Vater und das Storchenjunge heißen? Bitte beachten Sie bei Ihren Vorschlägen, dass das Geschlecht des jungen Storches noch nicht geklärt ist.
  • Einsendungen sind bis Mittwoch, 30. Juni, möglich. Anschließend wählen wir Ihre besten und meistgenannten Namensideen für jeden der drei Störche aus und stellen diese zur Abstimmung. Wir freuen uns auf kreative Vorschläge, mit denen wir die Störche 2022 wieder begrüßen können! Senden Sie diese per E-Mail an umfrage@azv.de oder per Post an Allgäuer Zeitung, Lokalredaktion Kempten, Heisinger Straße 14, 87437 Kempten.

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