Corona-Projekt

Kemptener Theater bringt gute Laune ins Haus

An unterschiedlichen Plätzen fanden die ersten Hinterhofkonzerte statt: Die Familie Holdenrieder erlebte mit Freunden das „Regen-Konzert“ im Wohnzimmer, während die Musiker auf der überdachten Terrasse spielten.

An unterschiedlichen Plätzen fanden die ersten Hinterhofkonzerte statt: Die Familie Holdenrieder erlebte mit Freunden das „Regen-Konzert“ im Wohnzimmer, während die Musiker auf der überdachten Terrasse spielten.

Bild: Ralf Lienert

An unterschiedlichen Plätzen fanden die ersten Hinterhofkonzerte statt: Die Familie Holdenrieder erlebte mit Freunden das „Regen-Konzert“ im Wohnzimmer, während die Musiker auf der überdachten Terrasse spielten.

Bild: Ralf Lienert

Die Hinterhofkonzerte sind gestartet. Zum Auftakt animieren Stephanie Marin, Sebastian Strehler und Magnus Dauner ihr Publikum zum Mitmachen.
10.06.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Es gibt Lieder, die strotzen nur so voller Vitalität und positiver Ausstrahlung: „Je veux“ von Zaz ist so eines. „Je veux d’l’amour, d’la joie, de la bonne humeur“ (Ich will Liebe, Freude, gute Laune) heißt es im Refrain. Und Stephanie Marin singt diese Zeilen nicht nur, sie lebt sie. Das steckt an. Beispielsweise zwei zuhörende Familien. Alexander und Patricia Preß aus Oy-Mittelberg haben ihren Kemptener Freunden Miriam und Bernhard Holdenrieder ein „Hinterhofkonzert“ des Kemptener Theaters geschenkt. Und nun sitzen alle im Wohnzimmer und schauen begeistert hinaus auf die überdachte Terrasse, wo Stephanie Marin, Sebastian Strehler an der Gitarre und Magnus Dauner am Cajón eine gut 15-minütige mitreißende Akustik-Show abziehen und den Regen vergessen machen.

Startschuss der Hinterhofkonzerte des Theaters in Kempten (im Bild Stephanie Marin und Magnus Dauner) war der Innenhof der Kinderstation im Klinikum Kempten.
Startschuss der Hinterhofkonzerte des Theaters in Kempten (im Bild Stephanie Marin und Magnus Dauner) war der Innenhof der Kinderstation im Klinikum Kempten.
Bild: Harald Holstein

Als Alexander Preß von der Idee des Kemptener Theaters erfuhr, kleine private „Hinterhofkonzerte“ anzubieten, griff er gleich zu und buchte einen Termin für seine Freunde. „Ihr müsst nur da sein, lasst euch überraschen“, war die Ansage. „Es wird doch hoffentlich jugendfrei sein“, sagte Miriam Holdenrieder mit Blick auf ihre drei kleinen Söhne Mathis, Magnus und Leonard. Ihre Sorge war freilich unbegründet: Die drei Jungs hatten auch ihren Spaß.

Startschuss am Klinikum Kempten mit OB Thomas Kiechle, Theaterdirektorin Silvia Armbruster und der Kulturbeaufragten der Stadt, Annette Hauser-Felberbaum

Der Startschuss für die 66 Hinterhofkonzerte, mit der das Kemptener Theater den Menschen nach acht Monaten Pause wieder Musik und Unterhaltung näher bringen will, war zuvor am Nachmittag am Klinikum Kempten gefallen. „Auf die Balkone, fertig, los!“, riefen Theaterleiterin Silvia Armbruster, die Kulturbeauftragte des Stadtrats Annette Hauser-Felberbaum und Oberbürgermeister Thomas Kiechle in verteilten Rollen in den Innenhof der Kinderstation. Und Stephanie Marin, Sebastian Strehler und Magnus Dauner sorgten für Stimmung.

Schirmherrin der Hinterhof-Konzertreihe ist Annette Hauser-Felberbaum, die auch Vorsitzende der Theater- und Musikgesellschaft ist. Sie hatte sich schon im ersten Corona-Jahr stark dafür gemacht, Kultur wieder zu den Menschen zu bringen. So initiierte sie einen Auftritt der Impro-Theatergruppe Wendejacken auf dem Hildegardplatz. Nach dem Erfolg der Residenzhof-Konzerte im Sommer 2020 hatte sie sich auch für eine Fortführung der Open-Air-Reihe in diesem Jahr eingesetzt. Nun ist sie froh, dass rechtzeitig zum Auftakt der 66 Hinterhofkonzerte die Infektionszahlen gesunken sind.

Auch im Innenhof einer Wohnenanlage in der Innenstadt sorgten (von links) Magnus Dauner, Stephanie Marin und Sebastian Strehler für gute Laune.
Auch im Innenhof einer Wohnenanlage in der Innenstadt sorgten (von links) Magnus Dauner, Stephanie Marin und Sebastian Strehler für gute Laune.
Bild: Ralf Lienert

Innerhalb weniger Tage waren alle Termine für die Reihe im Juni und Juli ausgebucht. Das zeigt, wie groß das Bedürfnis des Publikums nach Live-Auftritten und Kultur ist. Die Grundidee der Reihe: Zwei oder drei Schauspieler aus dem Ensemble des Kemptener Theaters geben etwa 15-minütige Konzerte in Innenhöfen von Wohnblöcken, Privatgärten, auf Terrassen, an Garageneinfahrten oder in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und Seniorenheimen. Aufmunterung und positive Stimmung wollen sie den Zuhörerinnen und Zuhörern geben.

In Corona-Zeiten sind Optimismismus, Spiel- und Lebensfreude besonders wichtig, findet Theaterleiterin Silvia Armbruster

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„In diesen Zeiten sind der Optimismus, die Spiel- und Lebensfreude des Theaters wichtiger denn je“, sagte Silvia Armbruster zum Auftakt. Davon versprühten Stephanie Marin mit ihrer vollen, tragenden Stimme, Gitarrist Sebastian Strehler und Perkussionist Magnus Dauner reichlich. Ihnen hörten nicht nur die Kinder der Klinik mit strahlenden Augen zu. Beim „Mambo Italiano“ animierte Sebastian Strehler einige auch zum Mitsingen.

Die Lieder lockten sogar Mitarbeiter und Patienten aus anderen Klinikbereichen auf die Balkone. Spielfreude und Lachen verbreitete auch Magnus Dauner, als er bei der Zugabe – der Ballade „Shallow“ von Lady Gaga und Bradley Cooper – plötzlich hinter einer Mauer auftauchte und ergreifend große Becken schlug.

Trio beim Märchensommer dabei

Die Schauspieler, die alle auch beim Märchensommer Allgäu auf der Burghalde zu sehen sein werden, verzichten übrigens bei den Hinterhofkonzerten auf ihre Gage. Dafür können die Zuhörer zugunsten des Hilfswerks Bunter Kreis spenden. Der Verein kümmert sich um die klinische Nachsorge und die Hilfe zur Selbsthilfe für chronisch und schwerstkranke Kinder. Besonders aber für die Kinder, die sich noch in der Klinik aufhalten, sei der kurze Auftritt des Trios eine willkommene Auflockerung – „erst recht nach den Corona-Beschränkungen,“ sagte der leitendende Oberarzt Oliver Götz. Es kämen zwar regelmäßig Klinik-Clowns, aber so ein Auftritt könne die Kinder beschäftigen und aus negativen Gedanken herausreißen.

Auch vom Regen ließen sich Sängerin Stephanie Marin und Gitarrist Sebastian Strehler sowie die Zuhörer nicht die gute Laune vertreiben.
Auch vom Regen ließen sich Sängerin Stephanie Marin und Gitarrist Sebastian Strehler sowie die Zuhörer nicht die gute Laune vertreiben.
Bild: Ralf Lienert

„Sehr berührt“, zeigte sich Alexander Preß vom Auftritt der drei Theaterleute auf der Terrasse der Familie Holdenrieder. Nur etwas traurig war er dann doch: Denn er konnte nicht mit seinen Freunden in den Abend hineinfeiern: Denn er hatte selber noch einen Auftritt im Theater, nicht in Kempten, sondern in Memmingen. Er arbeitet nämlich als Beleuchtungsmeister am Landestheater Schwaben, und da stand die Generalprobe des neuen Stücks an.