„Mehr Verantwortung braucht mehr Respekt“

Beschäftigte aus Kempten und dem Oberallgäu fordern bei Kita-Streik Entlastung

Beschäftigte aus Kitas, Mittagsbetreuung und Sozialdienst beteiligten sich an der bundesweiten Aktion.

Beschäftigte aus Kitas, Mittagsbetreuung und Sozialdienst beteiligten sich an der bundesweiten Aktion.

Bild: Peter Hausner

Beschäftigte aus Kitas, Mittagsbetreuung und Sozialdienst beteiligten sich an der bundesweiten Aktion.

Bild: Peter Hausner

Erzieherinnen, Betreuungskräfte und Sozialarbeiter kämpfen für mehr Wertschätzung. Die Pandemie habe gezeigt, was passiert, "wenn wir ausfallen", heißt es.
08.03.2022 | Stand: 17:09 Uhr

„Mehr Verantwortung braucht mehr Respekt“ steht auf dem Transparent, das die Streikenden am Dienstagvormittag vor dem Verdi-Gewerkschaftshaus in Kempten hochhalten. Etwa 20 Beschäftigte aus Kempten und dem Oberallgäu beteiligen sich an der bundesweiten Aktion für bessere Arbeitsbedingungen in kommunalen Kindertagesstätten, Horten, Sozialdiensten und Betreuungseinrichtungen für Menschen mit Behinderung.

Die Gewerkschaft hatte dafür gezielt Mitarbeitende angesprochen, die sals Delegierte ihre Arbeit niederlegen und anschließend in ihren Einrichtungen über die Forderungen informieren sollten. Ganz bewusst sei für den Streik der Weltfrauentag ausgewählt worden, sagt Werner Röll, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Allgäu. Denn vor allem Frauen sind als Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen beschäftigt. (Lesen Sie auch: Tausende Erzieherinnen und Erzieher streiken)

Erzieherin der Kotterner Flohkiste in Kempten: Höheres Gehalt ist nur ein Teil der Anerkennung

Beteiligt an der Aktion haben sich unter anderen Mitarbeitende der Kita Kotterner Flohkiste in Kempten, der Mittagsbetreuung in Haldenwang und des Landratsamts Oberallgäu. Julia Müller und Nicole Theiss etwa arbeiten in der Krippe der Kotterner Flohkiste und fordern bessere Arbeitsbedingungen. „Das Gehalt ist ein Teil davon“, sagt Müller, aber vor allem gehe es um die Kinder, die die bestmögliche Betreuung bekommen sollten. Sie betont, dass die Mitarbeitenden und auch der Träger das Beste geben. „Aber es kann nicht sein, dass ich nach der Arbeit für meine eigene Familie keinen Nerv mehr habe“, sagt Theiss.

Norbert Langen ist seit 1991 als Sozialarbeiter am Landratsamt beschäftigt. Die Arbeit von Erzieherinnen und Sozialarbeitern sei anstrengend und systemrelevant, sagt er. Deshalb fordert er, dass das Gehaltsniveau an vergleichbare Hochschule-Abschlüsse im öffentlichen Dienst angepasst wird. Für Beschäftigte in der Mittagsbetreuung an Schulen gehe es darum, überhaupt erst einen Tarifvertrag auszuhandeln, sagt Röll.

Sozialreferent der Stadt Kempten zeigt Verständnis

„Ich bin sehr dankbar, wie die Erzieherinnen und Erzieher das in den vergangenen Monaten geschafft haben“, sagt Thomas Baier-Regnery, Sozialreferent der Stadt, in Bezug auf die Pandemie. Deren Erwartungen, für ihren Beruf mehr Wertschätzung zu bekommen, könne er nachvollziehen. Der Fachkräftebedarf sei hoch. Deshalb müssten die Rahmenbedingungen diskutiert und angepasst werden. Andererseits habe die Stadt gegenüber den Eltern auch eine Versorgungsverpflichtung. „Deshalb wäre es uns lieb, wenn die Streik-Ankündigungen mit etwas Vorlaufzeit kämen.“

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Die nächste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebervertretern stehe am 21. März an, sagt Verdi-Bezirksgeschäftsführer Röll. „Je nach dem, was da herauskommt, wird uns das zu weiteren Aktionen veranlassen.“