Umwelt-Zertifikat

Klima-Streik und neue Heizung: Johanneskirche in Kempten baut für den "Grünen Gockel" um

Im Juli feiert die Johanneskirche in Kempten den Erhalt der Umweltplakette "Grüner Gockel".

Im Juli feiert die Johanneskirche in Kempten den Erhalt der Umweltplakette "Grüner Gockel".

Bild: Karin Lucke-Huss

Im Juli feiert die Johanneskirche in Kempten den Erhalt der Umweltplakette "Grüner Gockel".

Bild: Karin Lucke-Huss

Für den "Grünen Gockel" hat sich bei der Johanneskirche in Kempten einiges getan: etwa für Artenvielfalt und Energiewende. Was sich künftig noch ändern soll.
22.06.2023 | Stand: 10:05 Uhr

Eine Blühweise neben dem Pfarrbüro, eine Regenwassertonne zum Wassersparen für den Kindergarten, Gottesdienste im besser gedämmten Gemeindehaus statt im Kirchenraum – seit die Johanneskirche in Kempten vor knapp zwei Jahren mit dem Projekt „Grüner Gockel“ startete, hat sich einiges getan. Vor Kurzem hat sich die Kirchengemeinde im Rahmen des Umweltmanagementsystems zertifiziert. Damit beginne die Arbeit nun so richtig, sagt Pfarrerin Julia Cleve. „Das hat auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun, dass wir sagen: Wir machen jetzt ernst.“

Alte Gasheizungen und Dämmungen sind Schwachstellen der Johanneskirche

Was genau „ernst machen“ bedeutet, habe das 13-köpfige Umweltteam einige Stunden und viel Arbeit gekostet. Um festzuzurren, welche Maßnahmen die Johanneskirche in Sachen Strom, Heizen, Arbeiten am Gebäude und Bildung angehen will, musste erst einmal der Ist-Zustand erfasst werden, erzählt Juliane Brausewetter. Sie setzte sich dafür etwa mit dem sogenannten grünen Datenkonto auseinander. In Buchenberg sei das Gebäude der Johanneskirche relativ neu und damit besser aufgestellt. „Am Haubenschloß sind die Gasheizungen um die 30 Jahre alt, die Dämmung ist schlechter. Das sehen wir in den Zahlen.“

Mehrere hunderttausend Euro will die Gemeinde in den kommenden Jahren investieren, um sich angesichts des Klimawandels fit für die Zukunft zu machen, sagt Umweltbeauftragte Karin Lucke-Huss. Bis 2027 sollen neue, regenerative Heizungen installiert sein. Außerdem im Umweltprogramm enthalten: Im Winter sollen Gottesdienst auch künftig im Gemeindehaus stattfinden. Das lasse sich besser beheizen, sagt Lucke-Huss, „denn die Kirche wird mit Strom geheizt“. Doch auch im Gemeindehaus wurde die Temperatur heruntergedreht. Zum Ausgleich schaffte die Verwaltung Decken für Gläubige an. Lucke-Huss sagt: „Das macht einen Unterschied. Und das hat auch Bewusstsein geschaffen, dass jeder etwas tun kann.“

Stromlose Musik und Veggie-Buffet schlagen Gläubige in Kempten für Umweltschutz vor

Auf ganz unterschiedliche Art und Weise brachten sich die Gemeindemitglieder laut Pfarrerin Cleve in den Prozess mit ein. Auch Ideen reichten sie ein: etwa für ein rein vegetarisches Buffet bei Festen oder Auftritten von Musikgruppen im kirchlichen Rahmen ohne Elektronik. Lucke-Huss sagt: „Was wir schon umgesetzt haben: Statt auf ausgedruckten Liedblättern sind die Texte jetzt über einen Beamer für alle sichtbar.“

Ein Teil des Umweltteams: Hartmut Babucke (von links vonre), Katharina Babucke, Ferdinand Brausewetter, Karin Lucke-Huss (von links hinten), Martin Huss, Nele Haas, Juliane Brausewetter, Gottfried Strodel, Angela Funk.
Ein Teil des Umweltteams: Hartmut Babucke (von links vonre), Katharina Babucke, Ferdinand Brausewetter, Karin Lucke-Huss (von links hinten), Martin Huss, Nele Haas, Juliane Brausewetter, Gottfried Strodel, Angela Funk.
Bild: Katharina Babucke

Auch mit anderen Gemeinden tauschte sich die Johanneskirche in diesem Rahmen aus – fünf andere evangelische Gemeinden und das katholische St. Hedwig nehmen ebenfalls am „Grünen Gockel“ teil. Die evangelische Gemeinde in Waltenhofen trägt schon seit ein paar Monaten die Plakette „Grüner Gockel“. Wegen des neueren Gemeindehauses sei die Ausgangslage dort eine ganz andere gewesen, erläutert Lucke-Huss: „Deshalb wollen wir zeigen, dass es auch mit älteren Gebäuden möglich ist, diesen Weg zu gehen.“ Die gesteckten Ziele seien ambitioniert, aber erreichbar. Auch weil von Staat sowie Kirche gefördert und unterstützt mit zinslosen Krediten über das Dekanat. Mit diesem Geld will die Johanneskirche unter anderem Photovoltaikanlagen und neue Dämmungen finanzieren.

Neben Umbaumaßnahmen geht die Johanneskirche auch demonstrieren

Am Thema dran zu bleiben, sei Pflicht für die Rezertifizierung in vier Jahren, sagt Lucke-Huss. Dazu gehöre viel mehr als Umbaumaßnahmen an den Gebäuden. Eine Gruppe der Johanneskirche beteilige sich etwa regelmäßig bei Aktionen von Fridays for Future, erzählt Juliane Brausewetter – als Maskottchen oft dabei: ein grüner Gockel aus Holz. Und Jugendliche organisierten zum Beispiel einen Kleidertausch. Beim Gemeindefest am 23. Juli soll der Erhalt der Umweltplakette gefeiert werden. Pfarrerin Julia Cleve sagt: „Es werden Blumenzwiebeln verkauft, die sich jeder leisten kann. Die wollen wir dann gemeinsam pflanzen.“

Info: Kompletter Umweltbericht unter www.evangelisch-kempten.de/ johanneskirche/grünergockel

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