Pfiffige Idee

Kreativer Coup in Kempten: Warum die Stadt Kunst anmietet

„Der Untergang“ hat Ecke Recla seine Installation vor der Residenz augenzwinkernd genannt.

„Der Untergang“ hat Ecke Recla seine Installation vor der Residenz augenzwinkernd genannt.

Bild: Harald Holstein

„Der Untergang“ hat Ecke Recla seine Installation vor der Residenz augenzwinkernd genannt.

Bild: Harald Holstein

Weil das humorvolle Kunstwerk von Ecke Recla vor der Residenz so gut ankommt, hat die Stadt es gemietet. Dahinter steht das Ziel, mehr Kunst im öffentlichen Raum zu platzieren.
„Der Untergang“ hat Ecke Recla seine Installation vor der Residenz augenzwinkernd genannt.
Von Harald Holstein
30.03.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Auf den Straßen und Plätzen in Kempten fallen vor allem Brunnen ins Auge. Die mal anspruchsvoll, mal verspielt gestalteten Wasserspender sind sehr beliebt und bewegen sich künstlerisch zwischen figürlich und abstrakt. Im Spätsommer, zur Kunstausstellung der Allgäuer Festwoche oder zur Kunstnacht, kommen die Kemptener zusätzlich in den Genuss von Kunst auf den Plätzen in der Innenstadt. Die temporär aufgestellten Werke verschwinden jedoch gewöhnlich schnell wieder aus dem öffentlichen Raum. Nicht so die Installation „Der Untergang“ von Ecke Recla. Der scheinbar im Rasen versinkende Wandelgang des Waltenhofener Künstlers steht seit August 2020 vor der Kemptener Residenz.

Der Künstler freut sich - und Kinder auch

Er wurde zur Ausstellung „Kunst im Allgäu“ im Sommer 2020 aufgestellt und kam so gut an, dass die Stadt sich entschloss, das Kunstwerk über den Winter anzumieten. „Für Künstler ist das eine gute Sache“, sagt Ecke Recla, der sich über den Mietvertrag mit Kaufoption sehr freut. Den meisten gefalle, dass man das Kunstwerk auch benutzen kann, sagt er. Viele setzen sich zur Wochenmarktzeit auf die schräg ins Erdreich abkippenden Bänke, Kinder turnen am schräg abfallenden Stahlgerüst herum. Im Moment prüft die Stadt, ob das Kunstobjekt über den März hinaus bis Oktober stehenbleiben kann. „Wir müssen uns in Kempten mehr mit dem Thema Kunst im öffentlichen Raum beschäftigen“, sagt Kulturamtsleiter Martin Fink. „Das Anmieten kann eine Methode sein, mehr Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen, ergänzend zu Ankäufen.“

Auf dem St.-Mang-Platz, neben der Kirche, steht das Kunstwerk "Himmelsleiter" von Inga Ragnarsdóttir.
Auf dem St.-Mang-Platz, neben der Kirche, steht das Kunstwerk "Himmelsleiter" von Inga Ragnarsdóttir.
Bild: Harald Holstein

Neben der St.-Mang-Kirche steht die "Himmelsleiter"

Auf dem St.-Mang-Platz sind zwei Installationen aus Stahl der Kemptener Künstlerin Inga Ragnarsdóttir ebenfalls zu einem festen Bestandteil des Platzes geworden. Besonders die treppenartige „Himmelsleiter“ zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Kinder erklettern sie gerne, aber auch Erwachsene lassen sich auf den Stufen ins Unendliche ablichten. Die beiden Werke aus den 1990er Jahren wurden allerdings nicht angemietet. Es handelt es sich um eine Schenkung durch die Künstlerin. Die Installationen sind nach der Kunstnacht 2019 nicht wieder entfernt worden. Laut Kulturamtsleiter Fink können sie erst einmal auf dem Platz stehenbleiben.

Stadträtin fordert Kunstpfad zu den Werken im öffentlichen Raum

Im vergangenen Dezember hat der Kulturausschuss des Kemptener Stadtrates beschlossen, ein Konzept für Kunst im öffentlichen Raum zu entwickeln. Darin soll geklärt werden, an welchen Orten und mit welchem Budget Werke aufgestellt werden können. Auch die Dauer der Aufstellung spielt eine Rolle, damit die Werke nicht mit städtischen Festen kollidieren.

Wenn es nach Annette Hauser-Felberbaum, der Kulturbeauftragten des Stadtrats, geht, sollen die Kunstwerke im öffentlichen Raum in einen Kunstpfad aufgenommen werden. Die Aufmerksamkeit für Kunst im Stadtbild würde damit also zunehmen. So könnten bald auch die versteckten und entlegenen Plastiken, Wandbilder im Außenbereich und die Kunst am Bau in Form eines Rundganges von interessierten Bürger erschlossen werden.

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