Mockridge wurde sexuelle Nötigung vorgeworfen

Luke Mockridge in Kempten: „Ich bin der Typ mit dem Sex-Skandal“

In der Big Box stilisiert sich Luke Mockridge als Opfer, draußen protestieren Frauen gegen sein Verhalten.

In der Big Box stilisiert sich Luke Mockridge als Opfer, draußen protestieren Frauen gegen sein Verhalten.

Bild: Matthias Becker

In der Big Box stilisiert sich Luke Mockridge als Opfer, draußen protestieren Frauen gegen sein Verhalten.

Bild: Matthias Becker

Der umstrittene Komiker Luke Mockridge füllt die BigBox, die Fans feiern ihn. Vor der Halle fordern Demonstrantinnen Konsequenzen. Er inszeniert sich als Opfer.
01.07.2022 | Stand: 14:16 Uhr

Während hunderte Fans von Luke Mockridge vor der Big Box in Kempten Schlange stehen und darauf warten, den Komiker nach mehreren Termin-Verschiebungen endlich live zu sehen, formiert sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite Protest. Frauen halten Schilder in die Höhe, auf denen unter anderem zu lesen ist: „Konsequenzen für Luke“ oder „Wenn du eine Grenze ignorierst, bist du Täter“. Dem 33-Jährigen, der zu den erfolgreichsten Comedians Deutschlands zählt, werfen mehrere Frauen sexuell übergriffiges Verhalten vor. Seine Ex-Freundin sprach sogar von versuchter Vergewaltigung – ein Ermittlungsverfahren dazu wurde allerdings eingestellt. Dass all dies nicht spurlos an Mockridge vorbeiging, zeigt sich auch bei seinen beiden ausverkauften Shows in Kempten – in denen er sich als Opfer der „Cancel-Culture“ inszeniert.

Bigbox Allgäu: Luke Mockridge
Bigbox Allgäu: Komiker Luke Mockridge in Kempten.
Gegenprotest, Protestaktion, Demo, Protest, #mee-too-Debatte
Bigbox Allgäu: Luke Mockridge Bigbox Allgäu: Komiker Luke Mockridge in Kempten. Gegenprotest, Protestaktion, Demo, Protest, #mee-too-Debatte
Bild: Matthias Becker

Luke Mockridge in der BigBox: "Zu viel Meinung und viel zu wenig Spaß"

Als er am Donnerstagabend die Bühne betritt, wird er mit frenetischem Applaus begrüßt. Die Fans mussten lange auf den Auftritt warten. Eigentlich hätte er schon 2019 stattfinden sollen. Dann kam Corona. Auch hatte sich der Komiker nach den Vorwürfen gegen ihn, die vor allem im Internet kontrovers diskutiert wurden, eine Auszeit genommen. Jetzt ist er zurück.

Er könnte nun tausend Dinge adressieren, die in seinem Leben gerade schwierig sind, sagt er zur Begrüßung. Aber er habe „keinen Bock“, darüber zu reden. „Lasst uns einfach mal zwei Stunden die ganze Scheiße draußen lassen.“ Es gebe derzeit „zu viel Meinung und viel zu wenig Spaß“. Das Publikum stimmt zu und lacht über seine Erzählung, wie er zu Beginn der Corona-Pandemie immer die Luft angehalten hat, wenn eine Menschengruppe an ihm vorbeiging „um das Virus auszutricksen“.

Luke Mockridge tritt nach Nötigungsvorwürfen in Kempten auf: Keine Spur von Reflexion

Dafür, dass er nicht über die Probleme reden will, thematisiert er seine private Situation allerdings sehr oft – mal mehr, mal weniger direkt. Beispielsweise spricht er über Hass im Netz und seine Sorge, ob noch Besucher zu seiner Tour kommen würden. Aber anstatt in Selbstmitleid zu baden, habe er beschlossen, sich selbst als Prinzessin in sein eigenes Disney-Musical zu schreiben.

In dem englischsprachigen Song singt er so viel wie: Kommst du noch zu meiner Show, obwohl ich der Typ mit dem Sex-Skandal bin? Und er macht deutlich: Ich bin wieder da. „You tried to cancel me from comedy, but I’m back again.“ Zu deutsch: Ihr habt versucht mich aus der Comdey zu verbannen, aber ich bin wieder zurück. Kein Wort der Einsicht oder Reflexion.

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In einer anderen Nummer spricht er darüber, wie sehr es ihn getroffen habe, dass sein Bruder wegen der Diskussionen von seiner Fahrlehrerin aus der Fahrschule geworfen wurde. Das habe ihn schockiert, traurig und wütend gemacht. Da habe er der Realität ins Auge sehen müssen, „dass wir in einem Land leben, in dem eine Frau Autofahren beibringen darf“. Darauf folgt Applaus – wenn auch etwas verhalten.

Mehrfach zieht Mockridge die Diskussion um seine Person an diesem Abend ins Lächerliche – und zeigt vor allem mit dem Finger auf andere, beispielsweise Influencerinnen, die sich im Netz positionieren. Unabhängig von den Vorwürfen gegen ihn selbst ist sein Umgang mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen ein Schlag ins Gesicht aller Opfer.

Die Zuschauer verzeihen es ihm offenbar. Gemessen an Applaus und Lachern sind sie begeistert von der Show, in der Mockridge seine Kindheit in den 1990er-Jahren thematisiert und ansonsten viel auf Musik setzt. Besonders ein Medley aus Songs wie Barbie-Girl und Coco Jambo kommt gut an.

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