Brand in JVA Kempten

Nach Feuer im Gefängnis in Kempten: Staatsanwaltschaft geht von Brandstiftung aus

Noch laufen die Ermittlungen nach dem Brand in der JVA in Kempten.

Noch laufen die Ermittlungen nach dem Brand in der JVA in Kempten.

Bild: Matthias Becker

Noch laufen die Ermittlungen nach dem Brand in der JVA in Kempten.

Bild: Matthias Becker

Ein Mann in U-Haft hat mutmaßlich Laken und Papier in seiner Zelle angezündet. Was war sein Motiv?
04.06.2021 | Stand: 18:07 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Kempten geht davon aus, dass ein Inhaftierter den Brand am Mittwoch in der JVA Kempten absichtlich gelegt hat. Das teilt Pressesprecher Sebastian Murer auf Anfrage der Allgäuer Zeitung mit: "Nach vorläufiger Bewertung der Gutachterin besteht dringender Verdacht der Brandstiftung." (Lesen Sie hier: Brand in JVA - 15 Verletzte im Gefängnis.)

Mutmaßlicher Täter sitzt wegen eines anderen Vergehens in U-Haft

Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet, der mutmaßliche Täter Anfang 40 befindet sich wegen eines anderen Delikts in U-Haft, sagt Murer. Weitere Angaben zum Tatverdächtigen macht er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Wie berichtet, sorgte das Feuer am Mittwoch für einen Großeinsatz im Kemptener Osten. Eine Zelle stand in Vollbrand. 15 Menschen wurden leicht verletzt, die meisten davon hatten eine Rauchvergiftung. Drei Häftlinge kamen zur Untersuchung kurzzeitig ins Krankenhaus – in Begleitung von Polizisten. Bei dem Brand waren 100 Retter im Einsatz.

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Gefängnis: Feuer in der JVA Kempten

Aber wie gelang es dem Häftling das Feuer zu legen? Die Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) dürfen rauchen und Zigaretten sowie ein Feuerzeug bei sich tragen, sagt Murer. Material, das sie in Brand setzen können, gebe es in einer Zelle genügend. Vom Bettlaken angefangen bis zum Papier, das ihnen zum Briefeschreiben zur Verfügung stehe. Uwe Siller, stellvertretender JVA-Leiter, bestätigt das: „Das Rauchen ist nicht verboten.“ Feuerzeuge können Häftlinge ihm zufolge sogar beim Anstaltskaufmann, einer Art Gefängnis-Supermarkt, erwerben. Das sei auch in anderen Gefängnissen so üblich. „Es haben viele Gefangene ein Feuerzeug“, sagt Siller. (Das könnte sie auch interessieren: So bereiten sich Polizei und Retter auf einen Großeinsatz im Gefängnis vor.)

Motiv ist unklar: "Wir ermitteln in alle Richtungen"

Noch sei unklar, welches Motiv der Tatverdächtige hatte. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagt Murer dazu. Im Raum stehen Körperverletzung und der Anfangsverdacht eines versuchten Tötungsdelikts. Aktuell könne auch ein Fluchtversuch nicht ausgeschlossen werden.

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Der Verdächtige habe das Feuer in seiner eigenen Zelle gelegt, die er sich mit anderen Inhaftierten teilt. Der Gefängnistrakt ist laut Siller aktuell nicht nutzbar. Die Häftlinge, die dort untergebracht waren, wurden innerhalb der Kemptener JVA umquartiert.

Die Justizvollzugsanstalt im Kemptener Stadtteil Bühl verfügt in 272 Einzelhafträumen und 22 Hafträumen mit drei Plätzen über Platz für 338 Gefangene. In der JVA Kempten sind ausschließlich Männer untergebracht.