Kempten

„Radler sind wie Unkraut" - Fahrrad-Überholverbot sorgt für heftige Diskussionen auf Facebook

Kempten Wiesstraße

Das Miteinander von Radlern und Autofahrern sorgt immer wieder für kontroverse Diskussionen. Aktuelles Streitthema ist das Verbot für Autos und Laster, auf Teilen der Wiesstraße Radler und Mopeds zu überholen.

Bild: Ralf Lienert

Das Miteinander von Radlern und Autofahrern sorgt immer wieder für kontroverse Diskussionen. Aktuelles Streitthema ist das Verbot für Autos und Laster, auf Teilen der Wiesstraße Radler und Mopeds zu überholen.

Bild: Ralf Lienert

Kempten will die Wiesstraße für Radler sicher machen. Obwohl es sich um eine Nebenstraße handelt, hagelt es viel Kritik. Einer vergleicht Radler mit "Unkraut".
30.06.2021 | Stand: 21:27 Uhr

Der alte Zwist zwischen Radlern und Autofahrern – ein Vorhaben der Stadt macht ihn sichtbar: In weiten Teilen der Wiesstraße ist künftig das Überholen von Mopeds und Fahrrädern durch Autos verboten. Die Stadt will dazu bis Donnerstag erstmals in Kempten neue Verkehrszeichen aufstellen. Verstöße kosten fast 100 Euro und bringen einen Punkt in der Verkehrssünderkartei. Unseren Bericht dazu haben Leserinnen und Leser allein per Facebook über 270-mal kommentiert. (Die Vorgeschichte lesen Sie hier: Kempten: Radfahrer überholen? Verboten! Verstöße kosten fast 100 Euro)

Manche Leser bringen ihre Haltung schnell auf den Punkt: „Verursacht Stau“, schreibt Antje B. und Armin D. urteilt: „Die sind nicht mehr ganz richtig im Kopf.“ Oliver B. findet: „Da hilft nur noch Dauerhupen.“ Dazu gibt es viele harsche Kommentare wie „bekloppt“ (Dorotha B.), „geistlos“ (Detlef M.), und „schwachsinnig“ (Ma L.).

Hier endet das Verbot für mehrspurige Kraftfahrzeuge, einspurige Fahrzeuge zu überholen.
Hier endet das Verbot für mehrspurige Kraftfahrzeuge, einspurige Fahrzeuge zu überholen.
Bild: Bundesanstalt für Straßenwesen

Neues Fahrrad-Überholverbot in Kempten sorgt für heftige Diskussionen auf Facebook

Reinhold M. hält Radwege für wichtig, sieht hier aber einen Versuch, Käufer von außerhalb zu vergraulen: Der Handel könne nicht allein vom Radfahrer aus Kempten leben. „Wer 6000 Euro fürs E-Bike ausgibt, hat nicht das Geld, im Laden noch 2000 für den Fernseher liegen zu lassen.“ Eine schräge Argumentation, kontert Michael B.: „Wer zigtausend Euro für einen viel zu großen Blechhaufen bezahlt, kann sich den Fernseher leisten?“

„Sehr gut! Radfahren muss sicherer werden“, signalisiert Mathias M. Zustimmung. „Gute Aktion, gerne mehr von diesen Schildern“, sagt Rudi S. und auch Bernhard H. findet, dass die Regelung an der Wiesstraße Sinn habe. Alex K. ergänzt, dass durchgängige Radwege noch wichtiger wären. Katherina M. sagt, „die Wiesstraße ist so kurz, dass ein Auto durch den Überholvorgang kaum mehr als zehn Sekunden einsparen kann.“ Und da das Fahrrad an der Ampel am Schumacherring sowieso wieder vor dem Auto auf der Aufstellfläche fahre, habe es gar keinen Sinn, das Rad zu überholen.

„Radler sind wie Unkraut. Sie stören, sind schwer zu entfernen und kommen immer wieder“

„Radler sind wie Unkraut. Sie stören, sind schwer zu entfernen und kommen immer wieder“, schimpft Robert S.: Motorisierte Verkehrsteilnehmer zahlten Steuer, während Radler alle Rechte hätten. Heiko F. will, dass Radfahrer Steuern dafür zahlen, dass „sie sich immer breiter machen können“.

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Pi K. hält dagegen, dass selbst „autolose“ Radler über Steuern den Kfz-Individualverkehr mitfinanzierten. Ähnlich Sönke M.: Seine Einkommensteuer diene auch dem Straßenbau, sagt er.

Zugleich zeigt sich: Eine Verkehrsdiskussion ist kaum möglich, ohne dass Radler harsch kritisiert werden. „Kennzeichen und TÜV für Radler“ fordert Alexander S. auch mit Blick auf Radler ohne Licht. „Fahrradfahrer sollten zur Fahrschule gehen“, findet Stefan T. und kritisiert, dass manche auf Landstraßen nebeneinander herfahren würden. Doch Pi K. verweist auf den gesetzlichen Mindestabstand beim Überholen von Radlern (außerorts zwei Meter). Da könne ein Auto eh nur überholen, wenn kein Gegenverkehr kommt.

Hier beginnt das Verbot für mehrspurige Kraftfahrzeuge, einspurige Fahrzeuge zu überholen.
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Bild: Bundesanstalt für Straßenwesen

Kempten will die Wiesstraße für Radler sicher machen: Es hagelt viel Kritik

Brigitte M. wäre es wichtig, Radler zu kontrollieren. „Die machen fast alle, was sie wollen und keiner ahndet etwas.“ Bettina K. fragt, wann Fußgänger und Kraftfahrer vor rücksichtslosen Radfahrern geschützt werden. „Die fahren ältere Menschen auf Fußwegen an und schreien sie dann noch an.“

Bine S. regt Nummernschilder für Fahrräder an. Ulrike R. sagt, dass Radler ohne Nummernschilder einen Freifahrschein hätten. Bille W. könnte sich einen Radlführerschein als Lösung vorstellen. Mathias M. räumt ein, dass es Radler gebe, die sich nicht an die Regeln halten. „Aber die gibt es bei Autofahrern auch.“

„Kann die Stadt Kempten nicht gescheite Radwege bauen?“, fragt dagegen Stephanie N. und auch Daniel K. fordert mehr Radwege: „Wenn man die Verkehrswende will, muss mehr für Radler gemacht werden.“ Karina L. wünscht sich da ein schlüssiges Konzept. Es seien Notlösungen, wenn man für einen Radweg etwas vom Fußgängerweg wegnehme oder auf der Straße mit roter Farbe ein Streifen markiere.

Moderate Töne schlägt Heidi A. an: Würden sich alle Verkehrsteilnehmer mit mehr Rücksicht gegenüber anderen bewegen, brächte das viel Entspannung.

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