Jugend in Kempten

Neustart zum 75-Jährigen: Der Stadtjugendring Kempten feiert mit großem Programm

Ist auch 2022 wieder geplant: das Fraisuti in den Kemptener Illerauen.

Ist auch 2022 wieder geplant: das Fraisuti in den Kemptener Illerauen.

Bild: Martina Diemand (Archivbild)

Ist auch 2022 wieder geplant: das Fraisuti in den Kemptener Illerauen.

Bild: Martina Diemand (Archivbild)

Nach den Corona-Einschränkungen will der Stadtjugendring Kempten das Angebot für den Nachwuchs wieder sichtbar machen. Dazu ist einiges geplant.
01.05.2022 | Stand: 16:55 Uhr

Wir sind bereit, mit unserer ganzen Kraft und Verantwortungsfreude am demokratischen Aufbau unseres Staates und seiner sozialen und kulturellen Gestaltung mitzuarbeiten. Wir wehren uns insbesondere gegen jede Form der Diktatur. (Auszug aus der Satzung des Bayerischen Jugendrings aus dem Jahr 1947)

Zwei Jahre war die Jugendarbeit aufgrund der Corona-Pandemie stark eingeschränkt. Dieses Jahr will der Stadtjugendring Kempten neu starten. Vorsitzender Thomas Wilhelm und Geschäftsführer Alexander Haag kündigen ein umfangreiches Programm an. Denn außer dem Aufatmen „nach zwei Jahren Corona-Leiden“, wie es Haag beschreibt, steht in diesem Jahr zudem ein Jubiläum an: Der Stadtjugendring feiert 75-Jähriges.

Die Aufgaben der Jugendarbeit sind stets die gleichen geblieben, aber die Themen verändern sich

Was sich seit der Gründung in der Jugendarbeit verändert hat? Vom Kern her seien die Aufgaben stets die gleichen: den Nachwuchs bei den Übergängen zu begleiten – vom Kind zum Jugendlichen und vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Allein die Themen änderten sich, sagen Haag und Wilhelm. Seien Drogen in den 1980er-Jahren das zentrale Problem gewesen, spiele heute die Mediennutzung und der Umgang mit Smartphones eine bedeutende Rolle. Es sei wichtig – damals wie heute – in Kontakt mit den jungen Menschen zu bleiben, ihnen die richtigen Angebote zu machen und Sicherheit zu vermitteln. Das könnte Sie auch interessieren: "Für Jugendliche ist die Zeit fünfmal so lang" - Junge Menschen in Kempten leiden besonders unter Corona.

In der Dachorganisation der Kemptener Jugendverbände hat sich seit den Anfängen 1946/1947 allerdings allerhand verändert. „Die Jugendarbeit ist aus einem Demokratiebewusstsein entstanden“, blickt Haag auf die Anfänge zurück. Die Nationalsozialisten hatten die freie Jugendarbeit mit ihrer Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädchen quasi zum Erliegen gebracht. Die Alliierten schoben sie wieder an. Anfangs waren ausschließlich Ehrenamtliche im Einsatz. In den 1980er-Jahren wurde der Stadtjugendring schließlich professionalisiert, sagt Haag. Ein wichtiger Meilenstein aus seiner Sicht.

Der Stadtjugendring Kempten ist immer größer geworden

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Nach und nach wuchs die Organisation, heute sind bei ihr mehr als 50 Frauen und Männer beschäftigt. Auch die Zahl der angeschlossenen Jugendverbände stieg, sagt Wilhelm. Momentan sind es 31 – allerdings splitten sich diese in zahlreiche Untergruppen auf. Der Stadtjugendring versteht sich als Stimme der jungen Menschen in Kempten, will ihnen auf Augenhöhe begegnen, steht für Vielfalt und Offenheit.

Die Stadt sei bei alldem ein verlässlicher Partner. Die Kommune habe einen guten Blick auf die Kinder und Jugendlichen, sagt Haag. Das sei jetzt so und auch schon in den vergangenen Jahrzehnten so gewesen. Dass der Stadtjugendring seit 75 Jahren nachhaltig arbeiten könne, liege aber insbesondere auch an den Ehrenamtlichen, „die mit Leidenschaft die Jugendarbeit angetrieben haben“, sagt Haag. Der ehemalige Vorsitzende Ludwig Frick sei einer dieser zentralen Figuren gewesen.

Immer wieder auch politisch: Schweigemarsch des Stadtjugendrings im Jahr 1991 mit (von links ab dem Banner) Hans Spitzer, Inge Nimz und Ludwig Frick. Das Motto: miteinander in Vielfalt.
Immer wieder auch politisch: Schweigemarsch des Stadtjugendrings im Jahr 1991 mit (von links ab dem Banner) Hans Spitzer, Inge Nimz und Ludwig Frick. Das Motto: miteinander in Vielfalt.
Bild: Ralf Lienert

Eine Herausforderung heute sehen Haag und Wilhelm unter anderem in der Erinnerungskultur. Nach und nach sterben die Zeitzeugen des Nationalsozialismus, die Gräueltaten dürften aber nicht in Vergessenheit geraten. Auch das fließt ein in das Programm zum 75-Jährigen – mit einer Gedenkveranstaltung am 9. November.

Auszug aus dem Programm:

Jubiläumsfeier: Das Fest zu 75 Jahre Stadtjugendring Kempten, bei dem unter anderem elf Kinder- und Jugendverbände mitwirken, startet am 20. Mai um 18 Uhr im Illerstadion.

Filmfest: Beim Bezirksjugendring-Filmfest am 25. Mai werden die besten Kurzfilme von drei jungen Filmemachern gekürt – ab 18 Uhr im Künstlerhaus.

Tag der offenen Tür: Anlässlich 20 Jahre Jugendzentrum Sankt Mang gibt es am 9. Juli einen Tag der offenen Tür, inklusive Konzertabend.

Kindertag: Noch in Planung ist ein Kindertag in Kooperation mit anderen Kemptener Organisationen und Vereinen.

Fraisuti: Zum großen Jugendkulturfest in den Illerauen erwartet der Stadtjugendring 2000 Besucherinnen und Besucher. Acht Jugendverbände wirken bei der Veranstaltung am 30. Juli mit.

Gedenkveranstaltung: Am geschichtsträchtigen 9. November – Ausruf der Räterepublik 1918, Reichspogromnacht 1938, Fall der Mauer 1989 – lädt der Stadtjugendring junge Menschen zu einer Gedenkveranstaltung ein.

Kulturfest: Ein internationales Kulturfest unter dem Motto „Meet the world“ findet voraussichtlich im Oktober statt. Auch hier beteiligen sich mehrere Jugendgruppen.

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