Ermittlungen gegen Teilnehmer

Klimaschützer blockieren Berufsverkehr in Kempten - und kleben sich an Straße fest

Klimaschützer blockierten am Montagvormittag an der Kreuzung Stephanstraße/Bleicherstraße unweit des Berliner Platzes die Zufahrt nach Kempten. Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Klimaschützer blockierten am Montagvormittag an der Kreuzung Stephanstraße/Bleicherstraße unweit des Berliner Platzes die Zufahrt nach Kempten. Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Bild: Ralf Lienert

Klimaschützer blockierten am Montagvormittag an der Kreuzung Stephanstraße/Bleicherstraße unweit des Berliner Platzes die Zufahrt nach Kempten. Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Bild: Ralf Lienert

Klimaschützer haben am Montagvormittag in Kempten unweit des Berliner Platzes über zwei Stunden lang eine Straße blockiert. Autofahrer reagieren verärgert.
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Von Allgäuer Zeitung
30.05.2022 | Stand: 17:40 Uhr

Aktivistinnen und Aktivisten der Umweltschutzbewegung „Die letzte Generation“ haben am Montag ab 7.50 Uhr die B12-Abfahrt in Richtung Kemptener Innenstadt blockiert. Während einer Grünphase stellte sich die Gruppe auf einen Fußgängerüberweg unweit des Berliner Platzes – und blieb dort für zwei Stunden, zum Ärger vieler Autofahrerinnen und Autofahrer. „Es war der erste Protest dieser Art im Allgäu“, sagte Heiko Burger, Vize-Leiter der Polizeiinspektion Kempten. Denn zwei der Demonstranten klebten sich mit ihren Handflächen an der Straße fest.

Protestaktion am Berliner Platz in Kempten - Rückstau auf B12 und bis auf A7

„Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als Auto zu fahren. So eine Demonstration trifft hier doch die Falschen“, sagte Christian Stiefenhofer aus Pfronten, der auf dem Weg zur Arbeit von der Blockade aufgehalten wird. Wie viele andere Autofahrer suchte er das Gespräch mit den Aktivisten und war wütend: „Ich habe null Verständnis. Allein die Kosten für so einen großen Polizeieinsatz.“

Sieben Streifenwagen waren bei der Aktion vor Ort, weitere Beamte leiteten den Verkehr um, außerdem waren laut Polizeisprecher Dominic Geißler Autobahnmeisterei und Rettungsdienst im Einsatz. Sowohl auf der B12 als auch auf der A7 bildete sich ein Rückstau.

Festgeklebte Aktivisten in Kempten - Polizei löst sie mit Öl

„Wir verstehen die Wut der Leute, aber der Druck muss auf die Straßen“, sagte Aktivist Maximilian Wallstein aus Oberstdorf. „Stoppt den fossilen Wahnsinn“ stand in großen Lettern auf den roten Bannern, die die Demonstranten vor ihren Körpern hielten. Ihre Forderung richtete sich an die Bundesregierung, speziell an Wirtschaftsminister Robert Habeck. „Die letzte Generation“ will den Ausbau fossiler Infrastruktur stoppen, also beispielsweise neue Öl-Bohrungen in der Nordsee verhindern. Wallstein sagte: „Es geht uns nicht um den Konsum des Einzelnen. Der nötige Wandel, um unsere Klimaziele noch zu erreichen, kann nur auf politischer Ebene stattfinden.“ Ob diese Botschaft so bei den Menschen in den Autos ankommt? Ein junger Oberallgäuer, der nach eigenen Angaben zu einer wichtigen Prüfung musste, glaubt das nicht: „Das bringt nichts. Nur wir, die im Stau stehen, sind die Leidtragenden.“ Eine Schwangere sagte, dass sie wegen der Blockade einen Termin im Krankenhaus verpasst habe.

Auch in Stuttgart, Heidelberg, Hamburg und Bremen fanden am Montag Protestaktionen statt. „Wir haben keine andere Möglichkeit. Wir müssen unser System verändern und das müssen die Menschen verstehen“, sagte der 66-jährige Aktivist Karl Braig aus Sulzberg-Sulzbrunn. Mit Speiseöl übergossen Polizisten seine angeklebte Hand, die sich nach und nach vom Fahrbahnbelag löste. Beamten forderten die Protestanten auf, ihre Blockade aufzugeben. Einige von ihnen verließen selbst den Fußgängerüberweg, andere wurden von Polizisten weggetragen.

An der Ampel beim McDonalds in Kempten bildete sich ein Rückstau bis zur A7-Auffahrt.
An der Ampel beim McDonalds in Kempten bildete sich ein Rückstau bis zur A7-Auffahrt.
Bild: Ralf Lienert

Für die neun Aktivisten ging es dann zur Polizei. Sie leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Nötigung im Straßenverkehr ein. Eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren könnten die Aktivisten wegen ihrer Aktion bekommen. Zudem prüfen die Beamten wegen der fehlenden Anmeldung ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht. Die Autofahrer hatten etwa ab 9.45 Uhr wieder freie Fahrt. Doch der Streit hinterließ Spuren: „Ich habe ja Verständnis, dass die Menschen demonstrieren, aber warum auf diese Weise?“, fragte eine Autofahrerin, die auf dem Weg in den Urlaub war.

Mehr zu den Allgäuer Klimaaktivisten "Letzte Generation" lesen Sie hier.