Kempten/Oberallgäu

Region: Zur Zulassungsstelle nur noch mit Termin

Weil der Wartebereich in der Zulassungsstelle in Kempten vorübergehend zum Büro umgebaut wurde, müssen die Kunden draußen warten. Damit sie nicht im Regen stehen, haben die Mitarbeiter ein Zelt aufgebaut.

Weil der Wartebereich in der Zulassungsstelle in Kempten vorübergehend zum Büro umgebaut wurde, müssen die Kunden draußen warten. Damit sie nicht im Regen stehen, haben die Mitarbeiter ein Zelt aufgebaut.

Bild: Martina Diemand

Weil der Wartebereich in der Zulassungsstelle in Kempten vorübergehend zum Büro umgebaut wurde, müssen die Kunden draußen warten. Damit sie nicht im Regen stehen, haben die Mitarbeiter ein Zelt aufgebaut.

Bild: Martina Diemand

Die Mitarbeiter kämpfen mit einem Kunden-Ansturm. Fahrzeugbesitzer aus Kempten und dem Oberallgäu müssen jetzt Geduld mitbringen.
15.05.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Manfred Firlit hat sich einen neuen Anhänger gekauft. Anstatt bei ihm zuhause, steht der seit drei Tagen vor der Zulassungsstelle in Kempten. Denn Firlit bekommt keinen Termin. Per Telefon kommt er nicht durch – und wenn doch, sind schon alle Termine vergeben. „Termine, die ich eingebe, sind im Sekundentakt weg“, sagt Jan Müller, Leiter der Zulassungsstelle. „So etwas habe ich in zehn Jahren noch nicht erlebt.“ Der Grund: Während der vergangenen sechs Wochen hat sich in den Zulassungsstellen in Kempten und im Oberallgäu einiges aufgestaut.

"Unglaubliche Summe von Anträgen"

„Ich verstehe schon, dass das nicht so einfach ist“, sagt Firlit. Allerdings hatte er vor, seine Garage herzurichten. Dafür braucht er den Anhänger. „Das steht jetzt alles still.“ Er ist der Meinung, dass die Stadt mehr Leute einstellen müsse und alles anders hätte organisieren können.

„Wir waren nicht untätig“, sagt Müller. Aber während der Dauer der Corona-Beschränkungen konnten die gewohnten Abläufe, die auf Effizienz ausgerichtet sind, nicht mehr eingehalten werden. Jetzt liege eine „unglaubliche Summe“ an Anträgen auf den Tischen, die abgearbeitet werden müssen. Die Sicherheitsvorkehrungen seien auch ein weiterer Grund für die Wartezeiten, sagt Felix Fleischhauer, beim Landratsamt Oberallgäu zuständig für den Bürgerservice. „Die bremsen das Ganze.“

Den Bürgerservice Zulassung teilen sich die Kemptener mit den Sonthofenern. Während Kempten für die Stadt und das nördliche Oberallgäu zuständig ist, kümmert sich Sonthofen um den südlichen Landkreis. Seit etwa einer Woche haben die Zulassungsstellen wieder geöffnet. In Kempten werden vorerst nur Kunden bedient, die vorab einen Termin vereinbart haben. In Sonthofen kommen zwischendurch auch Kunden ohne Termin zum Zug. Dennoch betont Fleischhauer: „Wir müssen wahnsinnig schnell nachsteuern, um die Anfragen bewältigen zu können.“

Wohnmobil-Besitzer müssen länger warten

Müller stellt täglich ein Terminkontingent ins System ein. „Wenn ich merke, es läuft gut, stelle ich weitere Termine ein.“ Er betont, dass versucht werde, so viele Termine wie möglich zu vergeben. Auch Motorrad- und Wohnmobil-Besitzer kommen an die Reihe, müssen aber gegebenenfalls etwas länger warten. Während die Räume der Zulassungsstellen geschlossen waren, lag die Priorität noch auf absolut dringenden Fällen.

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Alfred Schneller aus Wiggensbach wollte schon Mitte März sein Wohnmobil zulassen. Er brauche es, um mit seiner Frau die Schwiegereltern besuchen zu können, sagt er. Die seien schon über 80, deshalb wolle er nicht in deren Haus übernachten. Am Telefon sei er von den Mitarbeitern immer wieder vertröstet worden. „Es sei nicht möglich, hieß es. Ich sollte mich in zehn Tagen nochmal melden.“ Schlussendlich stellte der 70-Jährige mit der Unterstützung seiner Tochter einen Online-Antrag. Zwei Tage später lagen die fertigen Unterlagen in der Post.

Schneller ist trotzdem verärgert: „Das ist Schikane, was Kempten betreibt.“ Schließlich könnten die Angestellten in den großzügigen Räumen weit genug auseinander sitzen. Und für ein angemeldetes Wohnmobil zahle er Steuern, was Einnahmen für den Staat bedeuten.

Müller erklärt jedoch, dass sie zwischen den Arbeitsplätzen Lücken lassen mussten. Um das zu kompensieren, sei der Wartebereich zum Büro umgebaut worden. Deshalb müssten die Kunden draußen warten.

"Verantwortung gegenüber den Menschen"

Manfred Firlit stört das – vor allem, wenn es regnet. Inzwischen haben die Mitarbeiter ein Behelfsdach mit Zelt aufgestellt. Ein Ordner kontrolliert den Eingang, erklärt den Kunden den Ablauf und bitte jene, die ohne Termin gekommen sind, einen zu vereinbaren. „Als Behörde haben wir eine Verantwortung gegenüber den Menschen“, sagt Müller und hebt damit auf den Infektionsschutz ab.