Das ist der Kemptener Beauftragte für Menschen mit Behinderung

„Sie gehören mitten in die Gesellschaft, nicht an den Rand“

Stephan Prause ist Kemptens Beauftragter für Menschen mit Behinderung.

Stephan Prause ist Kemptens Beauftragter für Menschen mit Behinderung.

Bild: Martina Diemand

Stephan Prause ist Kemptens Beauftragter für Menschen mit Behinderung.

Bild: Martina Diemand

Stephan Prause (39) setzt sich für Menschen mit Behinderung in Kempten ein. Doch auch anderen erleichtert Inklusion den Alltag.
30.09.2020 | Stand: 18:26 Uhr

Es sind oft die kleinen Dinge, an die man vielleicht gar nicht denkt, sagt Stephan Prause. Die für andere aber eine große Erleichterung darstellen. Zum Beispiel die Desinfektionsmittel-Spender, die Einzelhändler wegen der Corona-Pandemie nun im Eingangsbereich ihres Geschäfts aufgestellt haben. Häufig allerdings so, dass Menschen im Rollstuhl nicht hinkommen. Nicht aus bösem Willen, einfach, weil man nicht daran gedacht hat. Auf Hindernisse wie diese macht Prause aufmerksam. Der 39-Jährige ist neuerdings Beauftragter für Menschen mit Behinderung.

Kemptener Beauftragter für Menschen mit Behinderung: "Inklusion ist eine Verbesserung für ganz viele Menschen"

Der CSU-Stadtrat bestreitet seine vierte Amtsperiode. „Ich finde es toll, Dinge in der Stadt zu verbessern.“ Jetzt hat Prause die Inklusion noch stärker im Blick. Eines ist ihm dabei wichtig, zu betonen: „Inklusion ist eine Verbesserung für ganz viele Menschen, nicht nur für Menschen mit Behinderung.“ So profitierten zum Beispiel auch Eltern mit Kinderwagen von barrierefreien Zugängen, ebenso wie ältere Frauen und Männer, denen das Gehen schwerfällt. Prause ist überzeugt, dass eine inklusive Gesellschaft eine Stadt fairer und moderner macht.

Unsäglich, ja unerträglich finde er es, wenn Menschen das Wort „behindert“ diffamierend gebrauchen. Wenngleich in Kempten schon vieles vorangebracht worden sei, gebe es immer noch Barrieren zu beseitigen – auch in den Köpfen der Menschen.

Prause engagierte sich bereits davor für ein inklusives Miteinander

Zuletzt war Prause Beauftragter für Städtepartnerschaften. „Das war damals mein Plan B – aber ich habe es mit Begeisterung gemacht“, sagt er. Der Posten für Menschen mit Behinderung war vor sechs Jahren bereits vergeben an Lothar Köster (SPD). Dieser habe ihn nun abgegeben und Prause sehr gut eingearbeitet. Ganz neu ist das Thema für den Diplom-Betriebswirt aber nicht: Er engagierte sich 2016 bereits in der Lenkungsgruppe für den Aktionsplan der Stadt für ein inklusives Miteinander. „Der politische Wille in der Stadt ist da“, betont Prause. Eine große Rolle schreibt er dabei dem Beirat für Menschen mit Behinderung zu. „Der ist wichtig für die Entwicklung in unserer Stadt.“

Den Hobby-Imker freut, dass mittlerweile viele Kinder mit Handicap in Kempten eine Regelschule besuchen. Daran sei bei seinem heute 50-jährigen Bruder, der das Down-Syndrom hat, noch nicht zu denken gewesen. „Es ist wichtig, dass man da dran bleibt“, sagt Prause. Sein Ziel: Menschen mit einer Einschränkung sollen selbstverständlich selbstbestimmt teilhaben können. „Sie gehören mitten in die Gesellschaft, nicht an den Rand.“

Wofür sich der Kemptener einsetzen möchte

Er möchte sich dafür einsetzen, dass die Internetseite der Stadt in leichte Sprache übersetzt wird. Dass die Stelle der hauptamtlichen Inklusionsbeauftragten, die aktuell halbtags arbeitet, aufgestockt wird. Dass Menschen mit Behinderung auch auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Chance haben. Der 39-Jährige kann sich einen Inklusionspreis vorstellen, um diejenigen Firmen auszuzeichnen, die hier vorangehen. Unabhängig davon sagt Prause: „Das Miteinander ist gewinnbringend.“