Umwelt

So wollen Kemptener Studenten den Klimaschutz vorantreiben

Gerti Epple

Die Kemptener Kräuterfrau und Klimabürgerin Gerti Epple hat im Engelhaldepark Johanniskraut gefunden. Der Landkreis hat sie für ihre nachhaltige Lebensweise ausgezeichnet.

Bild: Martina Diemand

Die Kemptener Kräuterfrau und Klimabürgerin Gerti Epple hat im Engelhaldepark Johanniskraut gefunden. Der Landkreis hat sie für ihre nachhaltige Lebensweise ausgezeichnet.

Bild: Martina Diemand

Eine Hochschulgruppe engagiert renommierte Forscher für Lesungen rund um das Thema Nachhaltigkeit. Was sich ihrer Ansicht nach im Allgäu ändern müsste.

30.07.2020 | Stand: 16:15 Uhr

Eine Wurst auf dem Markt essen, kurz mit dem Auto zum Badesee fahren und sich ein schönes, geräumiges Zuhause bauen. Was während der vergangenen Jahrzehnte für viele als normal galt, stellen Klimaschützer zunehmend in Frage. Studierende der Kemptener Hochschule haben den Arbeitskreis Ökologie (AK Öko) ins Leben gerufen und laden immer wieder zu Vorträgen mit wissenschaftlichen Größen aus dem Bereich der Nachhaltigkeit ein.

Ihr jüngster Referent: Professor Felix Ekardt, Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig und Berlin. Er hielt eine Online-Vorlesung zur Frage, was es braucht, um nachhaltig zu leben. Unterstützt wird der AK Öko bei der Organisation der Vorträge vom Klimaschutzmanager des Landkreises Oberallgäu, Simon Steuer. Er ist mitverantwortlich für den „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz bis 2050“, der das Oberallgäu und Kempten bis 2050 klimaneutral machen soll. Details zum Masterplan lesen Sie hier.

Tierhaltung muss insgesamt abnehmen

Unabdingbar für das Klimaziel ist laut Ekardt eine starke Einschränkung der Tierhaltung. Die lokale Grünlandwirtschaft ist für Steuer jedoch kein Problem: „Sie trägt dazu bei, dass der Boden viel Hummus enthält – es wäre schlecht für das Klima, wenn wir die Viehhaltung hier einstellen würden“, erklärt Steuer. Die Ausnahme: Größere Milchviehbetriebe. Aus seiner Sicht ist es auch nicht nötig, gar kein Fleisch zu essen: „Es fallen männliche Rinder an, und wenn man keine Viehtransporte möchte, müsse man das Fleisch schließlich vor Ort essen.“ Trotzdem ist Steuer für einen maßvollen Konsum von hochwertigem Fleisch – zum Beispiel in Form eines Sonntagbratens.

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„Ein Thema, worüber wir hier nachdenken müssen, ist der Wohnraum“, erklärt Steuer. So besetzten die Oberallgäuer „gigantisch viel Wohnraum“ – pro Kopf oft bis zu fünfzig Quadratmeter. So eine Fläche nachhaltig zu beheizen sei schwer. Und oft würden noch Erdgas oder Erdöl verbrannt. Sein Tipp: „Es gibt viele Möglichkeiten, die Heizung zu wechseln, welche die Bundesregierung fördert.“

Carsharing soll Alternative zu Zweitautos sein

Kfz-Zulassungen, so Ekardt, hätten in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. „Es sollte nicht notwendig sein, dass ein Vier-Personen- Haushalt drei Autos vor der Tür stehen hat“, sagt auch Steuer. Gleichzeitig stellt er klar: „Wir fordern von niemandem, sein Auto abzuschaffen, wenn er keine Alternative hat.“ Um diese zu schaffen, soll im Oberallgäu bald ein Carsharing-Projekt starten.

Allgäuer können sich beim Klimaschutz an regionalen Vorbildern orientieren. Dabei verweist Steuer auf die vom Landratsamt ausgezeichneten Klimabürger. Dazu zählt zum Beispiel Wildkräuterfrau Gerti Epple aus Kempten, die ihre Lebensmittel gerne in der freien Natur „einkauft“ und zudem noch einen großen Garten unterhält. Für den Winter legt sie sich Vorräte an, um weniger auf importierte Lebensmittel zurückgreifen zu müssen.

Die Vortragsreihe vom AK Öko soll kommendes Semester weitergehen – geplant ist unter anderem ein Bericht einer Forscherin, die auf dem Eisbrecher Polarstern unterwegs ist.